Versicherer schlagen Banken bei Plattformökonomie und Digitalisierung

Versicherer sind in der Digitalisierung besser als Banken, sagt eine Studie - doch es gibt noch viel zu tun. Quelle: Prawny/Pixelio

Sieg: Versicherungen gehen die Digitalisierung „fokussierter und konsequenter“ an als Banken. Allerdings gibt es bei beiden Parteien erheblichen Verbesserungsbedarf. Zudem sehen die zwei Branchen, in unterschiedlicher Intensität, einen Trend zu Plattformökonomie, doch nicht alle wollen investieren.

Die Versicherer sind bei der Digitalisierung zielgerichteter, zeigt die Studie  „Digital Outlook 2025 Financial Services“ von Lünendonk und Q-Perior. Das lasse sich unter anderem daran ablesen, dass die als steif verschrienen Versicherer gegenüber neuen technischen Möglichkeiten aufgeschlossener sind.

Quelle:  Digital Outlook 2025 Financial Services

Die Studie verdeutliche, dass sich die im deutschsprachigen Raum tätigen Banken und Versicherungen zwar „sehr intensiv“ mit der Digitalisierung auseinandersetzen, allerdings die Folgen wie auch die notwendigen Veränderungsmaßnahmen unterschiedlich bewerten.

Ein weiterer Punkt pro Versicherer ist laut Studie die Zusammenarbeit mit Insurtechs, sei es als Partner oder als Investor. Die Versicherer sind in größerem Maße zur Investition und Zusammenarbeit bereit.

 Digital Outlook 2025 Financial Services

Auch abseits der „Tech-Branche“ zeigen sich Unterschiede in der Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Die Branchen bewerten bestimmte Aspekte unterschiedlich, wie die Grafik zeigt:

 

Zukunft Plattform

Für eine Mehrheit der Studienteilnehmer ist der Wandel des Finanzdienstleistungssektors zur digitalen Plattformökonomie eine „große und wichtige Zukunftsaufgabe“. Für die eigene Transformation hilfreiche Maßnahmen wie enge Kooperationen mit Start-ups oder der Aufbau eigener digitaler Plattform-Ökosysteme werden von vielen Studienteilnehmern in den kommenden Jahren „(noch) nicht hoch eingestuft“. Immerhin zwei Drittel der befragten Manager – Banken und Versicherungen – sehen ihr Unternehmen durch reine Digitalkonkurrenz nicht bedroht, dennoch wollen sie agiler werden.

 Digital Outlook 2025 Financial Services

Eine Einschätzung, die die Studienherausgeber nicht teilen. Die Finanzwirtschaft dürfe sich „nicht zurücklehnen“, denn die „Einschläge der Digitalisierung kommen immer näher“ und auch bei erklärungsbedürftigen Produkten verändern sich die Ansprüche der Kunden. So habe die jüngere Vergangenheit gezeigt, dass Technologieunternehmen und Start-ups immer häufiger und schneller die Lizenzen für den Eintritt in den Bank und Versicherungssektor erhalten und durchaus in der Lage sind, „nachhaltig im Markt zu bestehen“. Der „Wettbewerb um den Zahlungsverkehr“ bei Privathaushalten scheint bereits „zugunsten der Fintechs und Technologiekonzerne“ entschieden zu sein.

Das Thema Digitalisierung ist komplex, sodass sich viele Unternehmen externes Fachwissen einkaufen, die Gründe dafür variieren.

 

Bedenklich stimmt die Studienherausgeber die Sichtweise von „mehr als 40 Prozent der befragten Manager“ aus dem Banken und Versicherungssektor, dass der Trend zu digitalen Geschäftsmodellen „nicht als strategische Herausforderung für die Zukunft wahrgenommen wird“. Diese Einschätzungen könne zweierlei bedeuten: Zum einen sehen einige Studienteilnehmer zwar den Trend zur Plattformökonomie, aber schätzen ihre Unternehmen als gut aufgestellt ein, um digitale Plattformgeschäftsmodelle erfolgreich aufzubauen und neue Wettbewerber abzuwehren.

Zum anderen sei es auch möglich, dass einige der Befragten die Geschäftsmodelle im Finanzdienstleistungssektor als nicht geeignet für die Transformation zu rein digitalen und plattformbasierten Geschäftsmodellen einschätzen und demnach mit ihren bisherigen hybriden Strategien die Zukunft gestalten wollen.

Quo vadis Banken und Versicherungen

Eine „gewisse Orientierungslosigkeit“ der Finanzbranche werde bei den geplanten Investitionen in den Aufbau von eigenen Plattformökosystemen deutlich. Obwohl sich drei von vier Finanzdienstleister in Zukunft ein eigenes Plattformökosystem aufbauen und damit die Kundenschnittstelle behalten wollen, plant nur ein deutlich kleinerer Teil der Banken (27 Prozent) und ein noch geringerer Teil der Versicherungen (20 Prozent), tatsächlich in den Aufbau entsprechender Plattformökosysteme zu investieren.

Diese Diskrepanz zwischen den wahrgenommenen Chancen und Bedrohungen durch die Plattformökonomie und den tatsächlichen Investitionsprioritäten bei den analysierten Unternehmen basiere aus Sicht von Lünendonk auf mehreren Faktoren. Diese seien „fehlende oder unklare strategische Visionen“, „fehlende Risikobereitschaft für Disruption“ sowie „limitiertes Investitionskapital“.

Wichtig wäre für die Unternehmen, zuerst ihre IT-„Hausaufgaben“ zu machen, denn die Voraussetzungen zum Umbau wären auch vom momentanen Technikstand abhängig.

 Digital Outlook 2025 Financial Services

Die Zeiten der Diskussionen und Konzepte müsse im Jahr 2020 „langsam vorbei sein“ und Banken, genauso wie Versicherungen, brauchen laut Studie „klare Visionen“ für die kommenden Jahre. Denn Disruption komme oft „sehr plötzlich“ und mit „großer Wucht“.

Autor: VW-Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

5 + neun =