Riester-Reform kommt: Eckpunktepapier noch in diesem Jahr erwartet

Ist Riester zu komplex? Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Aktuell gibt es immer noch über 15 Millionen Riester-Sparer. Doch trotz vereinzelter positiver Aussagen ist das Geschäft mit der Riesterrente seit längerer Zeit rückläufig. Schon Anfang des Jahres haben die Verbraucherzentralen darauf gedrängt, das Jahr 2020 zum Jahr der Rentenreform zu machen. Doch kann die Riesterrente durch eine Reform überhaupt noch gerettet werden? Wie ist die Haltung der Finanzbranche? Und wie wird generell die Zukunft der Altersvorsorge aussehen?

Darüber diskutierten auf Einladung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) Frank Breiting, Leiter Vertrieb IFA, Versicherung & Altersvorsorge Deutschland der DWS Group, und Christian Machts, Leiter Drittvertrieb Deutschland, Österreich und Osteuropa bei Fidelity International, mit Fabian Dittrich, Mitglied des DIA-Sprecherkollegiums.

Seit Jahren kein Markteintritt mehr

Gründe für die Probleme des Riester-Sparens macht Breiting vor allem in der Komplexität der Produkte und in den Garantien aus. Der Druck auf Garantieprodukte sei unfassbar groß geworden, da die unerlässliche Voraussetzung für Rendite – ein positiver Zins – nicht gegeben sei und wohl auch in den kommenden Jahren nicht wiederkommen werde. Und was die Komplexität betrifft, spreche schon allein die Tatsache Bände, dass es seit Jahren keinen Markteintritt neuer Riesterprodukte gegeben hat. Anbieter, Berater und Kunden seien frustriert, was sowohl Angebot als auch Nachfrage senke. Daher sei der Reformvorschlag in Form eines Fünf-Punkte-Plans, den die Verbände der Fondsgesellschaften, Versicherer und Bausparkassen der Regierung schon im Herbst 2019 vorgelegt haben, ein Schritt in die richtige Richtung, ergänzt Christian Machts. Der Vorschlag sieht eine radikale Vereinfachung des Riester-Systems vor und will dadurch eine stärkere Verbreitung sowie höhere Renditen und niedrigere Kosten für die Sparer ermöglichen. Diese Vorschläge betreffen vor allem die Themen Standardriester, Lockerung der Garantien, transparente Förderung – jeder selbst gezahlte Euro soll mit mindestens 50 Cent gefördert werden –, und ein vereinfachtes Zulagenverfahren.

Reformvorschlag bis Dezember erwartet

Nach der Einreichung des Vorschlags, der eine einheitliche Position der Marktbeteiligten darstellt und deren Reformwillen unterstreicht, gab es einen konstruktiven Dialog mit der Regierung, der allerdings durch Corona unterbrochen wurde. Der Vorschlag liegt derzeit noch beim Bundesfinanzministerium. Man erwarte im Oktober ein Eckpunktepapier und im Dezember einen Reformvorschlag. Positiv, so ergänzt Breiting, seien Empfehlungen der Rentenkommission, die bei Reformen grundsätzlich auf den bisherigen Strukturen aufbauen wolle, so dass kein Systemwechsel vorgesehen ist. Denn, so Machts, es sei viel aufwändiger, ein Produkt komplett durch ein anderes zu ersetzen als es zu reformieren. Zudem könne man gut 15 Millionen Verträge nicht einfach fallen lassen und sagen, jetzt machen wir was Neues. Er hält Riester nach wie vor für ein zentrales Produkt im Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge. Man müsse es nun – auch indem man beispielsweise mit der Einbeziehung der Selbstständigen einen zusätzlichen Markt schafft – grundlegend verbessern. Dem stimmt Breiting zu „Eine Wende nach 18 Jahren Riester ist den Bürgern nicht zu vermitteln“, bekräftigt er. Man habe eine Breitenwirkung erreicht, die jetzt nicht einfach ignoriert werden könne. Auf keinen Fall dürfe eine Reform dazu führen, dass Riester – wie es bei bAV-Reformen üblich ist – hinterher komplizierter ist als vorher. Und auch ein Siechtum wie bei den vermögenswirksamen Leistungen, die dringend reformiert werden müssten, muss dringend vermieden werden. Jetzt sei es an der Koalition, dieses Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag unbedingt noch in dieser Legislaturperiode über die Bühne zu bringen. Jede weitere Verzögerung gehe zu Lasten der Sparer, drängt er.

Regierung muss Fondssparen fördern

Um die Altersvorsorge weiter anzukurbeln, fordert Frank Breiting, das Fondssparen den klassischen Vorsorgeprodukten gleichzustellen. „Versicherungen gelten als Altersvorsoge, Fonds nicht – damit stehen wir in Deutschland ziemlich allein da“, bemängelt er. Da die etablierten Produkte schwächeln, müssen Kunden zwingend in Fonds investieren. Sonst gebe es für viele zu Beginn der Rentenphase eine böse Überraschung. Die Kunden würden – auch forciert durch die gegenwärtige Unsicherheit – vermehrt nach dem richtigen Weg für ihre Altersvorsorge suchen. Sie würden – auch beim Fondssparen – vorwiegend langfristig investieren, hat Machts beobachtet.

„Der Staat fördert das falsche Sparen“, bringt es Breiting auf den Punkt. „Er fördert nur 100prozentige Beitragsgarantien und wundert sich dann, dass es keine Aktienkultur in Deutschland gibt.“ Sicherungsmechanismen zum Ende von Verträgen seien sinnvoll, solche von Anfang an hingegen nicht. Und auch in der Auszahlungsphase, die leicht 20 bis 30 Jahre dauert, sei es in vielen Fällen sinnvoll investiert zu bleiben. „Wir müssen die Möglichkeit bekommen, das den Kunden entscheiden zu lassen“, so seine Forderung. Die Entwicklung entsprechender Produkte hält er für kein Problem, es gebe bereits Produkte mit den unterschiedlichsten Garantietypen. Wenn man einige Monate für die Zulassung einplane und auch der Zulagenstellen die Möglichkeit gebe sich umzustellen, sei ein Start Ende 2021, Anfang 2022 realistisch.

Das Thema Europarente PEPP sieht Breiting kritisch, vor allem was den Kostendeckel von einem Prozent des angesparten Kapitals betrifft. Schon die Anlaufkosten seien hoch, und es müsse sich für Berater auch lohnen, die Produkte zu verkaufen. „Das wird so nicht fliegen können“, so seine Vermutung.

Autor: Elke Pohl

3 Kommentare

  • Es geht in die richtige Richtung, allerdings müsste die Politik langsam mal in die Gänge kommen …

  • Ist wie
    mit der Nahles Rente = Totgeburt 1.0
    Mit der PEPP = Totgeburt 2.0
    mit Riester wird das gleiche passieren = Totgeburt 3.0

    Wenn ein Politiker was kann es nur schief gehen! Denn denen fehlt das Grundwissen, lassen sich beeinflussen und wollen allen es Recht machen und daher können Sie nur gnadenlos scheitern!

    Selbst wenn man die Vorstände sprechen hört, zeigt dies das völlig fehlen des Verständnis zum Produkt, deren interne Ausführung und der externe Vermittlung, durch Vermittler.

    Wie schon oben es beschrieb, steht der Politiker sich selbst im Wege!

    Wieso verlangt die Politik gleichzeitig eine Geeignetheitsprüfung für Versicherungen?

    Arbeiten beide AN einer Familie so kommt für diesen Personenkreis, kommen die drei genannten Altersvorsorgeprodukte nicht mehr in Frage!

    Dafür hat ja Hartz IV gesorgt! Die Sozialpolitik Deutschlands widerspricht gegenwärtig die Rentenpolitik Deutschlands!

    Und so lange diese Schwachsinn nicht gelöst wird, scheitert jeder Reformversuch! Wegen der Geeignetsheitsprüfung, da ich hier als Vermittler mit den Finanzdaten abklären muss ob oder wieviel nach einer Bedürftigskeitsprüfung auf Basis Hartz IV über bleibt!
    Aus diesem Grunde ergibt sich auch der ZPO 851 c den Pfändungsfreibetrag als weiteren Referenzpunkt!
    Übersteigt die Riester Rente und die gesetzlichen Rente zusammen nicht beide Referenzpunkte erübrigt sich die weitere Prüfung auf Geeignetheit! Damit ist Riester für diesen Kunden weine wirtschafliche Totgeburt
    Des weiteren hat das BGH zwar das Guthaben teilweise geschützt, für das es die Zulage, inkl. steuerliche Erstattung per jährliche Steuererklärung gibt!
    Aber ein Teil das ungeförderten Guthabens lässt sich auch jederzeit pfänden, und in der Rentenphase kann die gesamten monatlichen Zahlung, inkl der einmaligen 30 % Auszahlung dauerhaft gepfändet werden!
    Als Nebenfehler entsteht dauerhaft Entzug der Steuerzahlung inkl. Vorenthaltung der laufenden Krankenkassenbeitrages aus der Riesterrente, bis zum Todestag des Versicherten!

    Damit zerfällt der Wunsch der Regierung, Politiker und Gesellschaften, an den harten Realitäten des Vertriebes der sich vor Schadensersatz selbst schützen muss!

  • Moin, ich sehe es teilweise anders, teilweise ähnlich.

    Absatzweise möchte ich auf den Artikel eingehen.

    Zunächst gälte es meiner Meinung nach darauf hinzuweisen, dass 15 Millionen Riester-Sparer, nach der Reform potentiell von ihren Vertragspartner aufgefordert werden, Vertragsänderungen hinzunehmen. Ich wage zu bezweifeln, dass diese Kunden im Allgemeinen etwaige „Verschlimmbesserungen“ nachfragen oder gar Verbesserungen angeboten bekämen, schließlich sollten die ungeliebten garantierten Rentenfaktoren und anderweitige Leistungen weg-lobbyiert werden. Die meisten Deutschen akzeptieren, dass es entweder Rendite oder Sicherheit oder Liquidität gibt und möchten – sinnvoll oder nicht- nun einmal die Sicherheit. Warum sollte die Politik im Schulterschluss mit den Versicherungen schon wieder den Bevormunder spielen?

    „Schon Anfang des Jahres haben die Verbraucherzentralen darauf gedrängt, das Jahr 2020 zum Jahr der Rentenreform zu machen.“
    Na ob da die Verbraucherzentralen das gleiche gemeint haben wie der obige Artikel wage ich zu bezweifeln.

    Dass es seit Jahren kein Markteintritt mehr gäbe, liegt doch nur zum Teil an der medialen Wetterlage („Riester-Bashing“) und dies war zur Anfangsphase natürlich deshalb, weil die geliebte staatl. Rente von Schröder und Riester und den „Rentenkommissionen“ abgesägt wurde. Zur Historie: https://www.youtube.com/watch?v=bfxiEgtOnRk – ZDF die Anstalt (9 min)

    Meiner Meinung nach gibt es derzeit nur einen guten Anbieter der Riester-Rente. Wenn Sie sich ein eigenes Bild machen möchten, https://partnervertrieb.wwk.de/medien_downloads/infinma-bedingungsvergleiche/ mit anschließendem Klick auf „Hier geht’s direkt zum infinma Riester-Checker“. Spielen Sie ein bisschen rum.

    Also es lag und liegt nicht an der Nachfrage, sondern am Angebot. Würden alle Nachfrager wirklich wie ein homo ökonomikus sein und nicht auf ihren Ausschließlichkeitsvermittler oder Bankberater hören, sondern Einblick auf den Gesamtmarkt haben, dann würden sicherlich nicht so viele Anbieter ein schlechtes Angebot anbieten, sondern der Wettbewerbsdruck würde auch die Anbieter schlechterer Verträge zum Handeln zwingen.
    Weit gefehlt, schließlich scheint es ja leichter zu sein, den Bundestag zu lobbyieren, statt seine Verträge auf Vordermann zu bringen.

    Ich behaupte zudem, dass eine Demokratie, die alle 4 Jahre ihre Führung wählen kann, es auch schafft, dass ihre Wähler Verträge verstehen kann. Von Komplexität des Riestersystems
    oder der -produkte zu sprechen ist eine Absage an die Mündigkeit der Bürger.

    Wo ich dem obigen Text zustimme, ist, dass klassische Varianten ohne Aktienmarktbeteiligung derzeit nicht mehr funktionieren. Doch gibt es andere Riester-Verträge, z. B. mit ETFs als „Motor“ – schon.

    Des Weiteren ist der Vorschlag des „Fünf Punkte Plans“ natürlich kein Vorschlag mit einer „einheitliche[n] Position der Marktbeteiligten“, da es nur der Vorschlag der Marktanbieter ist – nicht der Nachfrager.

    Ich stimme dem Artikel dahingehend zu, dass Fondssparen nicht bestraft werden dürfte.

    Meiner Meinung nach, sollte der Staat keinerlei Sparen bestrafen, sondern alle Arten von Sparen gleichstellen. In Besteuerung und Sicherheit vor Harz4, Pfändungen ect.
    Und „der Staat“ kann sich nicht wundern. Also auch nicht über die vermeintliche Nicht-Aktienkultur. Ich empfehle Ihnen ein Blick auf Youtube oder andere Soziale Medien, die (jungen) Menschen holen sich ihre finanzielle Bildung schon. Finanztipp, Finanzfluss, Versicherungen mit Kopf, echtgeld.tv, Tim Schäfer, und und und, die „Blase“ ist voll. Dort wird natürlich nicht im Interesse des GDV gebildet, sondern zu DIY-Anlegern.

    „Das Thema Europarente PEPP sieht Breiting kritisch, vor allem was den Kostendeckel von einem Prozent des angesparten Kapitals betrifft. Schon die Anlaufkosten seien hoch, und es müsse sich für Berater auch lohnen, die Produkte zu verkaufen. „Das wird so nicht fliegen können“, so seine Vermutung.“

    Dazu sei gesagt, dass ich gerade diese Deckelung von 1% sehr gut finde. Für all diejenigen Nachfrager, die noch nie über eine Nettopolice informiert wurden seitens ihres „Beraters“.

    Ich wünsche eine höfliche Diskussion und noch einen schönen Tag.

    LG ein Gast

    PS: Meine freie Meinungsäußerung zum Artikel

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