Gender-Pay-Gap: Axa und Ergo entwickeln Strategien gegen Gehaltsunterschiede

Büroräume bei Axa Transactional Business, Quelle: Axa

Männer sind Digitalisierungsprofiteure, Frauen das Gegenteil. Wie zunehmende Automatisierung bereits etablierte Gehaltsunterschiede festigt, zeigt eine Studie. Ergo und Axa (Deutschland) widersprechen – die Ergebnisse der Studie spiegle nicht die Realität in ihren Häusern wider. Gegen Gehaltsunterschiede und für gleiche Chancen haben sie Strategien entwickelt.

Die technologische Automatisierung am Arbeitsplatz verstärkt das Gender-Pay-Gap. Männer erhalten häufiger die Positionen, die mehr Kompetenz mit neuen Technologien erfordern und deswegen besser bezahlt sind, zeigt eine Studie des King’s College London. Bei einer zehnprozentigen Erhöhung der Anzahl von Robotern in Betrieben erhöht sich die Ungleichheit beim Gehalt von Männern und Frauen um 1,8 Prozent.

Nach Ansicht von Cevat Giray Aksoy, Co-Autor der Studie, bereiten Arbeitgeber ihre Angestellten zwar auf neue Technologien vor und bilden sie entsprechend aus, geben Männern dabei aber oft den Vorrang. Laut Aksoy müssten Regierungen für Ausgleich eintreten. Sie sollten dafür sorgen, dass Menschen die „richtigen Fähigkeiten für die Zukunft haben“ und diese zwischen den Geschlechtern „gleich verteilt sind“. Immerhin, die zunehmende Automatisierung habe in allen 20 untersuchten Ländern „das Gehalt aller Mitarbeiter gesteigert“; jedoch sind Männer immer noch im Vorteil.

Das Problem ist bekannt

Die Ergo sieht die beschriebene Entwicklung und arbeitet gegen. „Auch wir beobachten, dass technische Berufe weiterhin tendenziell eher von Männern ausgeübt werden. Um dem entgegenzuwirken, hat sich Ergo beispielsweise dem MINT-Netzwerk ‚Komm, mach MINT‚ der Bundesregierung angeschlossen. Das ist eine bundesweite Netzwerk-Initiative, die Mädchen und Frauen für MINT-Studiengänge und -Berufe begeistert.“ Darüber hinaus beteiligt sich der Versicherer an der MINT-Karrieremesse als Aussteller und nimmt jährlich am Girls‘ und Boys‘ Day teil. Das Ziel ist es junge Menschen für eine IT-Karriere zu begeistern.

Die Axa Deutschland sieht im eigenen Unternehmen keine einseitige Entwicklung, die Männer bevorzugt. „Bei Axa konnten wir bisher keinerlei Anhaltspunkte dafür feststellen, dass eine zunehmende Technisierung sich ‚frauenreduzierend‘ auswirkt.“

Es sei sogar das Gegenteil der Fall. „Die bei uns stattfindende Digitalisierung und Transformation ermöglicht es Frauen sogar mehr als zuvor, ihre Fähigkeiten und Interessen karrierefördernd einzubringen.“ Gleichzeitig verfolgt die Axa der Zielsetzung eines ausgeglichenen Anteils der Geschlechter in Führungspositionen.

Mehr Frauen an die Macht?

Die Gleichbehandlung von Frauen ist in der Wirtschaft noch häufig ein Problem. Nur die Hälfte aller Unternehmen verfolgt eine Strategie zur Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit, wie die Studie „When Women Thrive“ der Unternehmensberatung Mercer zeigt. Die Versicherer haben das Problem erkannt.

„Eine leistungs- und marktgerechte Vergütung ist Teil unserer Unternehmensphilosophie. Entsprechend haben wir uns in unseren Vergütungsrichtlinien auch auf die regelmäßige Überprüfung möglicher Equal-Pay-Gaps und speziell auch des Gender-Pay-Gaps verpflichtet“, schreibt die Axa. Die Analyse erfolge auf Basis anonymisierter Auswertungen, die Faktoren wie Berufsjahre, Jobcluster etc. einbeziehen.

Die Ergo hat ebenfalls „zahlreiche konkrete Maßnahmen“ ergriffen, und strebt „Geschlechtergerechtigkeit in Bezug auf Entgelt und Führungspositionen“ an. Hierzu zählen unter anderem Karrierecoachingangebote für Mitarbeiterinnen, Programme zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie ein Mentoring-Programm mit angeschlossenem Frauennetzwerk, das darauf abzielt, die „Quote von Frauen auf Führungsebene zu erhöhen.“ Die Versicherer haben die Wichtigkeit des Themas Gender-Gap (längst) erkannt und steuern gegen.

Wie das Führen von gemischten Teams nach fairen und belegbaren Maßstäben funktioniert, wie auftretende Konflikte gelöst und auch heikle Themen wie sexuelle Belästigung angegangen werden können, darüber haben Klaus Bischof und Michael Gold im VVW-Verlag ein Buch herausgegeben, in dem führende Branchenköpfe – beiderlei Geschlechts – ihre Strategien und Vorgehensweise beim Führen erklären.

Autor: Maximilian Volz

Ein Kommentar

  • Wie wäre es einfach mal mit mehr MINT-Studentinnen? Dann klappt es auch mit dem Profitieren von der Digitalisierung… ein nennenswertes Pay Gap auf gleicher Position mit gleicher Berufserfahrung gibt es nicht…

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