Rechnen lohnt sich: Kunden stellen ihre Versicherungsverträge auf den Prüfstand

Die Kunden legen in Krisenzeiten mehr wert auf einen Vergleich. Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

„Wer nicht fragt bleibt dumm“, weiß jeder seit der Sesamstraße. Doch die  Ratingagentur Heute und Morgen (HuM) weiß weiterhin, dass kluge Fragen interessante Antworten zur Folge haben. In ihrer Trendstudie haben sie so unter anderem herausgearbeitet, dass sich die Deutschen während Corona intensiv mit ihren Versicherungen auseinandergesetzt haben und Vergleich wie auch Preis an Bedeutung gewinnen. Das wird zu Verwerfungen auf dem Versicherungsmarkt führen.

Generell hat sich jeder fünfte Versicherungskunde während des Corona-Lockdowns mit seinen Versicherungen auseinandergesetzt, „Junge Familien“ sogar zu mehr als einem Viertel. Bei den generell eher vergleichsscheuen Deutschen seien das „recht hohe Werte“, erklärt Hum.

Insbesondere die oft weniger finanzkräftigen Zielgruppen wie jüngere Versicherungskunden und junge Familien haben sich mit ihren Versicherungen vermehrt mit Blick auf finanzielle Entlastung bzw. Einsparpotenziale auseinandergesetzt. Zugleich besteht in diesen beiden Zielgruppen die größte Bereitschaft für Neuabschlüsse in der näheren Zukunft, schreibt HuM.

Die Kunden vergleichen härter. Quelle: Heute und Morgen

Erwartet den Markt eine nie gekannte Wechselperiode und eine Preisfokussierung, die Meinungen in der Branche divergieren.

„Auch in der Corona-Krise galt und gilt, dass die Erreichbarkeit, der Service und das Kundenerlebnis entscheidend für die Kundenzufriedenheit sind.“ Gerade in unsicheren Zeit zählen Kunden auf einen vertrauten Versicherungspartner, glaubt die Zurich. Das Unternehmen habe alles darangesetzt, den Kunden auch während der Lock-down-Phase  die gewohnte Erreichbarkeit und Servicequalität bieten zu können und erhalte  „positives Feedback“. An eine reine Preisfokussierung der Kunden glaubt das Unternehmen „eher nicht“.

Portale und digitale Versicherungsmanager der Sieger?

Eine Entwicklung hin zu mehr Vergleichen und günstigeren Angeboten würde die Unternehmen begünstigen, deren Kerngeschäft genau diese Dienstleistungen sind. Das wären beispielsweise Clark als Versicherungsmanager und Verivox als Vergleichsportal.

Als digitaler Versicherungsmanager sehen wir es „durchaus positiv“, dass sich Verbraucher aktuell vermehrt mit ihrer Versicherungssituation auseinandersetzen, schreibt Clark. Allerdings, einen Corona-bedingten Anstieg an Kündigungen, Wechsel oder Beitragsfreistellungen beobachten wir aktuell nicht.“

Allerdings bemerken die Frankfurter einen erhöhten Bedarf an  „digitalen Dienstleistungen“ und stellen fest, dass die Kunden „stärker als sonst“ den Kontakt suchen. Versicherte sollten „verschiedene Angebote einholen und sich unabhängig beraten lassen“, genau dabei könne Clark helfen.

Im Gegensatz zum Versicherungsmanager sieht Verivox genau die Entwicklung, die HuM in der Trendstudie beschreibt. „Wir merken in unserer Beratung, dass viele Versicherte in der Corona-Krise stärker rechnen müssen. Verbraucher stellen ihre bestehenden Versicherungsverträge auf den Prüfstand und suchen nach Möglichkeiten der Optimierung, um Beiträge zu sparen.“ Das gelte insbesondere in der Rechtsschutzversicherung.

Diese Entwicklung sieht auch Aboalarm, der Kündigungsservice der Verivox-Gruppe, wie deren Geschäftsführer Thilo Knaupp bestätigt: „Während der Corona-Krise nutzen die Deutschen die Zeit zu Hause, um ihren Versicherungsordner auszumisten und ihre Policen zu prüfen.“ Viele Versicherte würden dabei Sparpotenziale entdecken und kündigen ihre Versicherungsverträge.

„Verglichen mit dem Vorjahr werden vor allem Hausratversicherungen (plus 26 Prozent) und Reiseversicherungen (20 Prozent) häufiger gekündigt. Einen ebenfalls deutlichen, wenn auch etwas geringeren Anstieg verzeichnen die Kündigungen von Rentenversicherungen (elf Prozent) und Unfallversicherungen (zehn Prozent)“, führt Knaupp aus.

Dass sich die Kunden aktuell mehr mit ihren Versicherungen beschäftigen, glaubt auch Oliver Pradetto, Geschäftsführer des Maklerpools Blau Direkt, der mit Simplr ebenfalls eine digitalen Versicherungsmanger anbietet. „Makler mit digitalen Angeboten profitieren überdurchschnittlich“, ist er sich sicher. Viele Kunden hätten sich erstmalig mit ihren Möglichkeiten beschäftigt und gelernt, dass es auch im Versicherungsbereich möglich ist, das meiste bequem von zu Hause aus und in Eigenregie zu managen.“

Eine Krise verändert sowohl die Risikowahrnehmung als auch die finanzielle Situation vieler Verbraucher in Deutschland, schreibt Clark und liegt damit auf einer Wellenlänge mit den Ergebnissen der Trendstudie von MuM. Der Markt ist wegen Corona in Bewegung geraten, wie nicht zuletzt die Zahlen von HuM und Verivox in Verbindung mit den Aussagen belegen.

Autor: VW-Redaktion

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