Voss: „Solange es viele Anbieter in einem Markt gibt, wird es immer auch eine Preisdebatte zwischen einigen Playern geben“

Stephen Voss. Quelle: Neodigital

Der US-Automobilhersteller Tesla macht den Kfz-Versicherern zunehmend Konkurrenz. Im VWheute-Exklusivinterview spricht Neodigital-Chef Stephen Voss über die Folgen für die Konkurrenz und warum „es immer auch eine Preisdebatte zwischen einigen Playern geben“ werde.

VWheute: Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung auf dem Kfz-Markt mit Blick auf neue Formen der Mobilität?

Stephen Voss: Die Formen der Mobilität werden sich weiter diversifizieren. Wo es früher Taxi, Mietwagen und den eigenen PKW gab, sind heute vielfältigere Angebote am Markt. Car-Sharing, Leasing (Langzeit und Kurzzeit), das neue Auto-Abo und noch vieles mehr stellen hohe Anforderungen an die Flexibilität der Versicherer. Denn das Letzte, worum sich die Nutzerinnen und Nutzer kümmern wollen, ist zu dem jeweils gewählten Mobilitätskonzept die passende Versicherung zu finden.

VWheute: Tesla hat jüngst angekündigt, auch in das europäische und chinesische Versicherungsgeschäft einsteigen zu wollen. Wie bewerten Sie die Pläne von Elon Musk?

Stephen Voss: Wir gehen davon aus, dass Elon Musk auch dieses Projekt konsequent und mit der Professionalität eines Newcomers umsetzen wird. Das heißt, er wird ein gutes Produkt liefern wollen, das aber durchaus mit den bekannten Konventionen der klassischen Kfz-Versicherung zu brechen vermag. Ein Blick von außen auf unsere Industrie kann da sicherlich nicht schaden. 

VWheute: In Kalifornien hat der E-Autobauer bereits seit August 2019 ein entsprechendes Angebot auf dem Markt. Tesla wirbt damit, dass die Kunden bis zu 20 Prozent weniger an Versicherungsprämien zahlen sollen. Sind solche Werbeversprechen realistisch?

Stephen Voss: Das denke ich schon. Tesla hat eine sehr eng umgrenzte Klientel. Außerdem hat der Autobauer zu dieser Kundschaft sehr präzise Profile erstellen können, weil er über die entsprechenden Daten und Informationen verfügt. Versicherungstechnisch gesehen hat er ein sehr detailliert erfasstes Kollektiv an gleichwertigen Risiken. Das kann sich durchaus positiv auf das Risikomodell auswirken. Wir sind uns sicher, dass das im Vorfeld errechnet wurde. 

VWheute: Zudem soll Tesla dabei von der bayerischen Quantron AG gleich machen und ebenfalls ins Kfz-Versicherungsgeschäft einsteigen. Können Automobilbauer überhaupt Versicherung? Und wie sollte die etablierte Konkurrenz Ihrer Meinung nach auf die Pläne reagieren?

Stephen Voss: Die Frage ist – warum sollten sie es denn nicht? Die notwendige Kapitalausstattung bringt Tesla mit. Das Knowhow dazu lässt sich mit so einer Marke am Markt sicherlich akquirieren – wir stehen Herrn Musk hier gerne mit Rat und Tat zur Seite. Die Reaktion ist vergleichbar einfach. Die etablierten Versicherer versichern eine Vielzahl von verschiedenen Marken und Risiken, das kann und wird Tesla auf absehbarer Zeit nicht anbieten – und wozu auch? Die Etablierten müssen das Modell „e-Auto“ viel kollektiver also über die Masse angehen. Elon Musk agiert in einer, in seiner, Nische

VWheute: Marktbeobachter sprechen immer wieder von einem Preiskampf in der Branche. Wie ist Ihre Einschätzung und inwieweit wollen Sie sich an solchen Entwicklungen beteiligen?

Stephen Voss: Solange es viele Anbieter in einem Markt gibt, wird es immer auch eine Preisdebatte zwischen einigen Playern geben. Und dennoch gelingt es vielen vermeintlich zu teuren Anbietern trotzdem Kunden zu gewinnen. Das geht eben nicht nur über den Preis, sondern auch über die Qualität und den Service. Ob wir uns in Zukunft im Kfz-Markt in einer Preisdiskussion wiederfinden, wird die Zukunft zeigen. Unser klares Ziel ist es, ein optimales Preisleistungsverhältnis voll digital abzuliefern. 

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

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