Rollinger: „Es droht eine Zerstörung des Bankensystems in seiner bisherigen Form“

Norbert Rollinger - R+V

Die Europäische Zentralbank (EZB) kommt heute in Frankfurt am Main zu einer neuerlichen Sitzung zusammen, um über die künftige Zinspolitik zu entscheiden. Beobachter rechnen damit, dass die Notenbanker ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Lockerung der Geldpolitik beschließen werden. R+V-Vorstandschef Norbert Rollinger sieht in den Plänen indes „kein gutes Signal“.

„Wenn noch längere Zeit die Marktmechanismen bei den Zinsen nicht greifen, wird es sehr unangenehm. Sparern und Banken schadet das extrem. Es droht eine Zerstörung des Bankensystems in seiner bisherigen Form. Das bedeutet auch für die Lebensversicherung eine ziemliche Herausforderung“, konstatiert der Versicherungsmanager im Interview mit dem Handelsblatt.

Zudem halte er „generell von solchen politischen Eingriffen in die Wirtschaft nichts. Ehrlich gesagt, finde ich das schon etwas zynisch. Die Bundesregierung selbst gibt doch Anleihen heraus, für die der Sparer weniger Geld bekommt, als er zuvor eingezahlt hat. Aber wenn die deutschen Banken – getrieben von einem negativen Einlagenzins – selbst über solche Schritte nachdenken, ist das ein Skandal. Da wird doch mit zweierlei Maß gemessen. Es gibt Befürchtungen, dass die Schere zwischen Arm und Reich wegen der Zinspolitik weiter auseinandergeht.“

Kritik am Produkt der Lebensversicherung will R+V-Chef Rollinger angesichts der dauerhaft niedrigen Zinsen dennoch nicht gelten lassen. „In den 1990er-Jahren hat der Vorgänger von Herrn Kleinlein die Branche dafür kritisiert, dass wir nur vier Prozent bieten, während es damals für Bundesanleihen sieben oder acht Prozent Zinsen gab. Diese Stimmen sind heute alle verstummt. Wer heute eine Lebensversicherung mit vier Prozent hat, ist ein König – denn er hat sie für 30 bis 40 Jahre sicher. Jetzt bietet der Staat 30-jährige Anleihen zu einem Nullkupon an, und bei der Lebensversicherung erhält der Kunde immer noch einen Garantiezins von 0,9 Prozent“.

Autor: VW-Redaktion