Wefox schafft es auf den letzten Drücker in die Gewinnzone

Wefox-Chef Julian Teicke. Bildquelle: Wefox

Wie sieht es hinter der Insurtech-Fassade wirklich aus? Meist nicht so rosig, wie es die CEOs regelmäßig nach den millionenschweren Finanzspritzen der Investoren beschreiben. Das enthüllte zuletzt die VWheute-Redaktion über Getsafe. Auch bei Wefox wurde das Geschäftsmodell mehrmals verändert, unrentable Geschäfte wurden abgestoßen, wichtige Manager sind zuletzt abgesprungen. CEO Julian Teicke sprach einst davon, bis 2030 auf 100 Mrd. Dollar Umsatz zu kommen. Heute gesteht er ein: „Die Zeiten haben sich geändert.“ Immerhin hat man offenbar die schwarze Null erreicht.

Wenn die Investoren kein Geld nachschießen oder keine neuen gefunden werden, heißt es von den Insurtechs meist, dass man nicht auf externes Kapital angewiesen sei. In der Tat können sie ohne weiteres Kapital das Geschäft betreiben, aber das erschwert ungemein die Expansion. „Wir planen weitere Finanzierungsrunden nur, wenn wir die internationale Expansion weiter vorantreiben wollen“, sagte Julian Teicke kürzlich dem Handelsblatt. Man könnte die Aussage auch umdrehen: Da es kein frisches Geld gibt, stoppt man die Expansion. Auch von Getsafe heißt es, dass man keine Finanzierungsrunde plane. Wie VWheute erfahren hat, sei eine solche jedoch geplatzt und man muss jetzt radikale Schritte einleiten und Personalkosten einsparen. Auch sprach CEO Christian Wiens 2023 in einem Zeitungsinterview im Zusammenhang mit dem Geschäft in Großbritannien noch von einem Kernmarkt. Man operiere profitabel und könne das Gesamtunternehmen zeitnah aus eigener Kraft in die Gewinnzone bringen. Diese Aussage sei höchst zweifelhaft, lautet der Vorwurf eines Insiders.

Umsatz steigt auf 800 Mio. Euro, Gewinnzone erreicht

Manche Prognosen oder Aussagen von Insurtech-CEOs muss man also generell in Zweifel ziehen. Meist sind diese auch so kurzlebig, weil sie von nachschießendem fremden Kapital abhängig sind. Als der Umsatz bei Wefox am Anfang – wie bei jedem Start-up – sich verdoppelte, rechnete Julian Teicke einfach damit, dass das sich um Jahre so ziehen wird. 2020 erzielte man einen Umsatz von 119 Mio. Euro, 2021 etwa 310 Mio. Euro und 2022 rund 600 Mio. Alles lief nach Plan. Denn Teicke gab aus, die Einnahmen jährlich zu verdoppeln, um bis 2030 auf etwa 100 Mrd. Dollar an Umsatz zu machen. Für 2023 hat man etwa 900 Mio. Euro eingeplant, aber das wäre „nur“ eine Steigerung um 50 Prozent. Am Ende ist es eine Steigerung um ein Drittel geworden, genaugenommen liegt der Umsatz bei 800 Mio. Euro im Jahr 2023, sagte Teicke dem Handelsblatt. Akquisitionen, die in den Vorjahren häufig zum Wachstum beigetragen haben, habe man 2023 keine getätigt. Für einige Geschäftsfelder prüft Teicke derzeit „Optionen“, also auch mögliche Verkäufe. „Die Zeiten haben sich geändert: Unser Fokus liegt jetzt auf Profitabilität und ist deutlich kurzfristiger als früher“, lautet seine Begründung bezüglich der Umsatzverdopplung. Dabei hat er stets bei den Versicherern kritisiert, dass diese das Wachstum vernachlässigen und zu sehr auf Profitabilität schauen würden.

Auch was die schwarze Null angeht, hat Teicke bereits einiges verraten. 2022 sagte er noch, dass man 2024 oder 2025 profitabel sein werde. Wohl auf Druck der Investoren und des allgemein schwierigen Umfelds für Fintechs befindet man sich in einer Umbauphase und musste bereits 2023 erste Gewinne einfahren. Dafür wurden Investitionen zurückgefahren, das Neugeschäft in einigen Sparten auf Eis gelegt und wohl auch – Insiderinformationen nach – Stellen abgebaut. Zudem gab es in der Vergangenheit immer wieder Berichte über fragwürdige Vertriebsmethoden, bei denen Wefox Policen verschenkte.

Gegenüber dem Handelsblatt verriet er, dass man es im Dezember 2023 in die Gewinnzone geschafft habe. „Auf dieser Basis wollen wir im Jahr 2024 profitabel weiterwachsen.“ Hierbei meint er nicht den Nettogewinn, sondern das Ebitda. Eine weitere konkrete Prognose tätigt Teicke in einem neuen Geschäftsfeld. Die Tech-Plattform, die Wefox für den eigenen Versicherer aufgebaut hat, will man gegen Gebühren auch Dritten zur Verfügung zu stellen. „Wir sind momentan in fortgeschrittenen Gesprächen mit Versicherern und gehen davon aus, im zweiten Quartal erste Kooperationen abschließen zu können.“

Autor: VW-Redaktion

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