Joachim Müller und die Allianz gehen getrennte Wege

Allianz-Commercial-Chef Joachim Müller, Bildquelle: GVNW

Weil er die Allianz-Industrietochter AGCS wieder auf Kurs brachte wurde Joachim Müller zeitweise als Nachfolger von Oliver Bäte ins Spiel gebracht. Doch der Konzern-CEO hat gerade seinen Vertrag verlängert und der von Joachim Müller läuft zum Ende dieses Jahres aus. Nun erklärt die Allianz, dass die Verhandlungen gescheitert sind und Müller den Münchener Versicherer verlässt.

„AGCS ist weiter eine Baustelle, alle anderen Bereiche haben eine gute Entwicklung gezeigt“, brachte es Finanzvorstand Giulio Terzariol im November 2019 auf den Punkt. So gehe es nicht, dass eine Gesellschaft ein, zwei, drei oder gar vier Jahre kontinuierlich Verluste schreibe. Ein paar Tage später wurde bekannt, dass der seit 2015 agierende AGCS-Chef Fischer Hirs durch Joachim Müller ausgetauscht wird. Dieser war damals im Vorstand der Allianz Deutschland sowohl für den Vertrieb als auch für die Schaden- und Unfallversicherer zuständig.

Der Turnaround bei AGCS ist Müller relativ schnell gelungen, die Sanierungsphase erklärte er 2022 für beendet. Während die Schaden-Kosten-Quote 2019 bei 112 Prozent lag, betrug sie 2022 knapp 95 Prozent, der operative Gewinn legte gegenüber 2021 um 80 Prozent auf 655 Mio. Euro zu.

Seit diesem Jahr hat AGCS und die lokalen Allianz Sachversicherungsgesellschaften ihre Kapazitäten für Industrie- und Gewerbekunden mit mehr als 10 Mio. Euro Umsatz in der neuen Organisation Allianz Commercial gebündelt. Damit hat auch Joachim Müller an Einfluss und Macht gewonnen. Auf dem Handelsblatt Insurance Summit Ende November definierte Müller sein Haus zuletzt als „Führungsversicherer“, der genau in die aktuelle Zeit passe, VWheute berichtete.

„Wie schaut denn Ihre persönliche Karriereplanung aus?“

Zugleich unternahm Müller auf dem Podium in Düsseldorf nichts, um Wechselgerüchte entschieden zu dementieren. So versuchte der Moderator dem Manager am Ende seines Auftritts noch dieses zu entlocken: „Viele bei der Allianz sehen Sie prädestiniert für weitere große Aufgaben. Wie schaut denn Ihre persönliche Karriereplanung aus?“ Müller entgegnete etwas zögerlich: „Ich arbeite sehr, sehr gerne unternehmerisch und wirklich operativ, um mit Teams Werte zu schaffen. Und ich kann sagen, das hat bisher gut geklappt – und alles andere werden wir sehen.“ Der Moderator entgegnete vielsagend: „Herr Müller, ich würde sagen, Ihre Antwort lässt Spielraum für Interpretation. Insofern bin ich mal gespannt, was kommt.“

Müllers Erfolg katapultierte ihn tatsächlich in den engeren Kreis möglicher Nachfolger von Allianz-CEO Oliver Bäte. Doch dessen Vertrag wurde kürzlich bis zur Hauptversammlung 2028 verlängert. Ohnehin soll das Verhältnis der beiden nicht gut gewesen sein. Offenbar hat wohl Bäte bislang verhindert, dass Müller in den Konzernvorstand nachgerückt ist. Das könnte ein Grund für seinen Abgang sein. Müllers Vertrag lief bis zum 31. Dezember diesen Jahres. Eine Allianz-Sprecherin bestätigte, dass Müller diesen nicht verlängern wird. Ein Nachfolger wird demnächst bestimmt. Der Versicherungsmonitor berichtete als erstes darüber.

Auch Finanzvorstand Giulio Terzariol sah wohl keine weiteren Aufstiegsmöglichkeiten bei der Allianz und verlässt den Versicherer ebenfalls zum Jahreswechsel. Bei seinem neuen Arbeitgeber Generali hat er gute Chancen auf den CEO-Posten, VWheute berichtete. Der Aufsichtsrat des Münchener Versicherers hat die hingegen die Arbeitspapiere mit den Vorstandsmitgliedern Barbara Karuth-Zelle (54) und Christopher Townsend (55) um fünf Jahre bis Dezember 2028 verlängert. Beide Manager gehören seit 2021 dem Führungsgremium an.

Autor: VW-Redaktion

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