Wüstenrot & Württembergische muss Gewinnziel nicht erneut stutzen

Jürgen Albert Junker ist seit 2017 Vorstandsvorsitzender des Finanzdienstleistungskonzerns Wüstenrot & Württembergische AG in Stuttgart. (Quelle: W&W)

Das Neugeschäft bei der Wüstenrot & Württembergische-Gruppe (W&W) brummt, dem Stuttgarter Versicherungs- und Bausparkonzern machen aber hohe Schäden im dritten Quartal zu schaffen. Das Unternehmen hat daher abermals bekräftigt, dass es sein Gewinnziel nach IFRS-Rechnungslegung deutlich herunterschrauben muss. Immerhin muss W&W aber hier auch nicht nachstutzen. Sorge bereitet die Kostenexplosion in der Kfz-Sparte – trotz eines starken Neugeschäfts.

Man kann nicht alles haben – dass diese Binse einen wahren Kern hat, spiegelt sich ganz besonders in den aktuellen Zahlen der W&W-Gruppe für das dritte Quartal wider. Obwohl es im Neugeschäft der Stuttgarter wie geschmiert läuft – mit Zuwächsen „in nahezu allen Bereichen“ und einem ganz besonders starken Plus im Kfz- und Firmenkundengeschäft von mehr als 30 Prozent –, müssen die Stuttgarter ihre Erwartungen zurückschrauben – zumindest, wenn es um die Gewinnaussichten für das Gesamtjahr 2023 geht. Schuld daran sei „eine Häufung von Elementarschäden infolge von Unwettern“, heißt es. Zudem belasten das Unternehmen deutlich höhere Kosten für die Regulierung von Kfz-Schäden infolge der Inflation.

Bereits Ende Oktober meldete die Gruppe, dass das IFRS-Konzernergebnis aus den genannten Gründen unterhalb des mittelfristigen Zielkorridors von 220 bis 250 Mio. Euro liegen wird – und das deutlich: Die jüngst deklarierte Bandbreite ist nur noch 130 bis 160 Mio. Euro schmal (VWheute berichtete).

Immerhin: Noch weiter runter soll es mit den Gewinnaussichten nicht gehen. Am Freitag bestätigte das W&W-Management um CEO Jürgen Junker die im Oktober ausgerufene Bandbreite beim IFRS-Jahresüberschuss – eine Hintertür lässt sich der Vorstand allerdings offen, indem er „ein weiterhin positives Neugeschäft“ zur Bedingung seiner Prognose macht. Am geplanten HGB-Ergebnis nach Steuern von rund 120 Millionen Euro für 2023 hält W&W hingegen fest, 2024 sollen es mit 130 Millionen wieder ein bisschen mehr sein.

Auch beim IFRS-Konzernergebnis soll es im nächsten Jahr wieder aufwärtsgehen, wenngleich der ursprünglich avisierte 220- bis 250-Mio.-Korridor auch 2024 außer Reichweite bleiben dürfte, wie der Konzern einräumt. Die eher zaghafte Prognose begründet das Management mit der inflationsbedingten Steigerung der Schadenaufwendungen sowie einem voraussichtlich weiterhin schwachen Immobilienmarkt.

Aktuell, sprich nach den ersten neun Monaten des Jahres, liegt der Konzern-Jahresüberschuss (nach IFRS) bei 101,1 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum standen noch 179,7 Millionen Euro zu Buche. CEO Junker kündigte vor diesem Hintergrund an, die strategischen Ziele „mit Nachdruck“ weiterzuverfolgen. Man werde weiterhin in Digitalisierung zum Nutzen der Kunden investieren sowie in innovative Produkt- und Serviceangebote. Und natürlich – das darf in keiner Pressemitteilung fehlen – soll alles effizienter vorangehen im Unternehmen. Zugleich versprach Junker, Dividendenkontinuität zu wahren und damit weiterhin verlässlich für die Aktionäre zu sein.

Als verlässlich erwies sich zuletzt insbesondere die Schaden-/Unfallversicherung bei den Stuttgartern – hier legte das Neugeschäft von Januar bis September um 24,6 Prozent auf 349,7 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Allen voran im Kfz- und dem Firmenkundengeschäft brummte es mächtig, mit Zuwachsraten von jeweils mehr als 30 Prozent. Nur nützt das für sich genommen nicht allzu viel, wenn das Wachstum nicht auch profitabel ist. Experten zufolge habe es die Branche in der mittlerweile defizitären Kfz-Sparte verpasst, die Prämien in den letzten Jahren adäquat anzuheben. Deutliche zweistellige Erhöhungen scheinen jetzt unausweichlich. So auch bei W&W?

Auf Anfrage dieser Redaktion erklärte der Konzern im Oktober nur, dass man bestehende Effizienz- und Kostenmaßnahmen weiterführen wolle. Zudem seien die Preise in Kfz bereits 2023 angepasst worden. Dabei scheint die Not an der Prämienfront nicht kleiner geworden zu sein – im Gegenteil: So räumte W&W am Freitag ein, dass sich in der Sparte die Häufung unwetterbedingter Elementar- und Großschäden ebenso wie höhere Kosten pro Kfz-Schaden erheblich auswirkten, nicht zuletzt infolge inflationsbedingter Preiserhöhungen bei den Werkstätten, wie es hieß.

In der Lebensversicherung stieg die Beitragssumme des Neugeschäfts auf 2,44 Milliarden Euro, ein Plus von 2,8 Prozent zu den ersten neun Monaten des Jahres 2022. Motor dieser Entwicklung sei die betriebliche Altersvorsorge mit einem Wachstum von fast 18 Prozent, die gerade im dritten Quartal an Dynamik gewonnen habe, wie es hieß.

Im Geschäftsfeld Wohnen verzeichnete Wüstenrot in den ersten drei Quartalen 2023 einen Zuwachs des Brutto-Bausparneugeschäfts um 3,1 Prozent auf 14,25 Milliarden Euro, nach zuvor 13,83 Milliarden Euro. „Damit bewegt sich das Wachstum von Wüstenrot weiterhin oberhalb des Marktniveaus“, bilanzierte der Finanzkonzern. Das Kreditneugeschäft brach hingegen massiv ein: Nach 5,28 Milliarden Euro im vergangenen Jahr waren es zuletzt nur noch 2,89 Milliarden Euro. W&W spricht von einem erwartungsgemäßen Ergebnis. So verweist der Konzern auf die unverändert schwierigen Rahmenbedingungen in Deutschland für Neubauten, Modernisierungen und Immobilienerwerbe, maßgeblich hervorgerufen durch das erhöhte Zinsniveau.

Autor: Lorenz Klein

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