AGCS brüskiert Deutsche Bahn

S-Bahn München. Quelle: Bild von Jürgen auf Pixabay

Die bayerische Landeshauptstadt München plant bereits seit geraumer Zeit den Bau einer zweiten S-Bahn-Stammstrecke. Allerdings sorgen die geplanten Kosten und der Termin für die Inbetriebnahme bereits seit Längerem für politischen Streit. Nun sorgt der Industrieversicherer AGCS für zusätzlichen Zündstoff.

Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche brüste sich die Allianz-Tochter im Intranet, einen Versicherungsschutz für das Großprojekt nicht akzeptiert zu haben. Demnach hätten sich die Risikoingenieure des Versicherungsunternehmens laut Bericht in den vergangenen Jahren mehrfach auseinandergesetzt und „im Anschluss stets höflich“ abgelehnt. „Eine gute Entscheidung, wie sich jetzt herausgestellt hat“, zitiert das Blatt aus dem AGCS-Intranet.

Würden die Risiken tatsächlich den Ausführungen des Industrieversicherers entsprechen, seien diese enorm, berichtet die Wirtschaftszeitung weiter. So bezeichne AGCS den Bau der Röhre als „ingenieurtechnisch höchst anspruchsvoll und insbesondere aus Haftpflichtsicht extrem exponiert“. Dabei werde sich eine Tunnelbohrung „nur wenige Meter neben beziehungsweise unterhalb der Frauenkirche“ durch den Baugrund wühlen, zitiert die Wirtschaftswoche aus dem Schreiben weiter.

Zudem seien die Risikoingenieure bereits 2018 laut Bericht zum Schluss gekommen, dass der Terminrahmen bis 2027 „in Anbetracht der Komplexität des Projekts kaum realistisch“ sei. „Besonders im Bereich der Planungshaftpflicht bergen solche Terminüberschreitungen und die damit einhergehenden Baukosten erfahrungsgemäß ein hohes Risiko für Schadensersatzforderungen“, zitiert das Blatt weiter.

Bei der Deutschen Bahn scheint dies hingegen auf wenig Gegenliebe zu stoßen: „Wir überlassen es gern der Allianz selbst, diesen Stil im Umgang mit einem großen Kunden wie der DB zu bewerten“, wird eine Sprecherin zitiert. Dabei scheine die Bahn laut Zeitungsbericht kein Einzelfall zu sein. Auch andere Industriekunden seien mit AGCS eher unzufrieden. „Typisch Allianz“ soll es demnach bei BMW heißen. Dabei solle der Industrieversicherer „kaum noch risikobereit“ sein. „Da darf man sich eigentlich nicht mehr Versicherer nennen, wenn man kaum noch Großrisiken versichern will“, zitiert die Wirtschaftswoche den Automobilkonzern.

Seit dem Amtsantritt von Joachim Müller als AGCS-Chef vor knapp drei Jahren wurde bei den Münchenern mächtig an der Effizienzschraube gedreht. Aus wenig ertragreichen Geschäften zog man sich zurück, reduzierte die Mitarbeiterzahl und investierte in Technik. Jetzt knöpft sich der Industrieversicherer die multinationalen Versicherungsprogramme als Optimierungsbereich und strategisches Wachstumsfeld vor. Der Neukundenhunger ist groß.

Autor: VW-Redaktion

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