Allianz-CFO Terzariol: „Versicherung ist so etwas wie das Schmiermittel für die wirtschaftliche Entwicklung“

Giulio Terzariol. Quelle: Allianz

Die Allianz sieht sich derzeit unbeirrt auf Kurs: Ungeachtet aller Turbulenzen durch Corona und die Structured-Alpha-Affäre in den USA gehe der Münchener Versicherer laut Finanzvorstand Giulio Terzariol „zuversichtlich in das Jahr 2022“. So habe „die Digitalisierung der Allianz dafür gesorgt, dass wir immer und überall für unsere Kunden da sein können – auch und insbesondere während eines Lockdowns“.

Zudem sei „der Bedarf an privater Vorsorge und aktiver Vermögensverwaltung ungebrochen und nimmt weiter zu. Mit unseren Lösungen in der Versicherung und im Asset Management ist die Allianz hervorragend für profitables Wachstum aufgestellt“, betont der Allianz-Manager in einem Interview mit dem Finanzmagazin Der Aktionär. Demnach sei eine Versicherung „so etwas wie das Schmiermittel für die wirtschaftliche Entwicklung, weil sie Individuen und Geschäftspartnern das nötige Vertrauen in die Zukunft gibt. Dies ist einer der Gründe für die Resilienz unserer Branche und der Allianz.“

„Was die Lebensversicherung angeht, erwarte ich definitiv keine Kündigungswelle. Zum einen sehen wir einen Großteil der Nachfrage in der Lebensversicherung in Produkten, die weniger zins- und garantieorientiert, sondern eher rendite- und kapitalmarktorientiert sind. Zum anderen werden Lebensversicherungsverträge zur Altersvorsorge abgeschlossen – das ist ein Marathon und kein Sprint.“

Giulio Terzariol, Finanzvorstand der Allianz SE

Mit Blick auf die steigende Inflation betonte Terzariol: „… sollten uns keinen Illusionen hingeben: Lieferengpässe, hohe Energiepreise und Teilemangel werden sich nicht über Nacht auflösen, sondern uns 2022 noch das ganze Jahr über beschäftigen. Die Inflation hat jedoch viele Facetten und jede Branche hat ihre eigenen Herausforderungen. Grundsätzlich können wir Inflation relativ gut ausgleichen, indem wir sie bei zukünftigen Preisentwicklungen berücksichtigen.“ Dabei sei er „moderat optimistisch, dass sie uns nicht entgleitet.“

Auch mit der Entwicklung der Konzerntochter Allianz Direct betonte der Allianz-Finanzchef positiv: „Wir haben in Rekordzeit eine neue digitale Plattform für Allianz Direct entwickelt, auf der alle Landesgesellschaften laufen. Sie entspricht vollkommen unserer modernen Business-Master-Plattform und ist eine Eigenentwicklung. Damit spielt die Allianz Direct auf Augenhöhe mit allen Wettbewerbern und ist hervorragend für profitables Wachstum gerüstet.“

Allerdings würden die Geschäftszahlen dies „momentan nur unzureichend widerspiegeln, da wir uns parallel aus Vergleichsportalen unter anderem aus Kostengründen zurückgezogen haben und Covid-bedingt der Kfz-Markt in verschiedenen Ländern unter Druck ist. Ich bin aber zuversichtlich, dass Allianz Direct einen steigenden, positiven Beitrag zu nachhaltigem Wachstum und Gewinn liefern wird.“

Eine vorläufige Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2021 wollte er jedoch noch nicht ziehen. „Aber soweit ich das beurteilen kann, hat sich auch das vierte Quartal operativ gut entwickelt und wir haben ein wirklich gutes Geschäftsjahr hinter uns.“ Auch zur Structured-Alpha-Affäre wollte sich Terzariol nicht äußern: „Natürlich sind wir an einer zielführenden Lösung interessiert.“

Konzernchef Oliver Bäte jedenfalls hält an seinen ehrgeizigen Zielen für die Allianz SE fest. Nach der „Renewal Agenda“ 2016 und „Simplicity wins“ 2019 soll bis Ende des Jahres 2024 im Optimalfall alles bisher Erreichte noch mal in den Schatten gestellt werden. Ist das überambitioniert? Im Erfolgsfall könnte sich ein Kreis schließen. Bätes aktueller Vertrag läuft in drei Jahren aus.

Nach einem starken zweiten Halbjahr, in dem bereits 55 Prozent des für 2021 Geplanten eingefahren sind, korrigierte er das Gewinnziel: Erwartet wird für 2021 ein Betriebsgewinn von zwölf bis 13 Mrd. Euro statt zwölf Mrd. Euro, mit einer Spanne von einer Milliarde Euro nach oben wie nach unten. Die Belastungen aus den Hedgefonds, die die Allianz Global Investors US LLC aufgelegt hat, können aber über Rückstellungen den Jahresüberschuss treffen. Man hört, dass es viele Investoren dem Konzern übelnehmen, dass der Fall lange Zeit kleingeredet wurde.

Indes bereitet auch die Allianz Direct dem Unternehmen Kopfschmerzen.  Mit viel öffentlichem Wirbel und mächtig viel Rühren der Werbetrommel gestartet, sorgte der Direktversicherer vor allem in der Anfangsphase für negative Kundenreaktionen – und Schlagzeilen.

Der Aufsichtsrat der Allianz SE glaubt fest an die Vorhaben und Ziele Bätes. „Dies lässt sich an seiner Zielerreichung in den vergangenen Jahren und auch an seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung im Jahr 2018 ablesen. Unsere Beurteilung liegt nicht nur in den sehr guten finanziellen Ergebnissen begründet, sondern wird auch durch die sich ständig verbessernde Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern bestätigt“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Michael Diekmann Anfang 2021.

Autor: VW-Redaktion

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