Allianz-Chef Oliver Bäte: “Wir werden genau prüfen, was wir besser machen können”
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Hauptgebäude der Allianz. Quelle: Allianz

Die juristischen Auseinandersetzungen und behördlichen Untersuchungen in den USA um “Structured Alpha Funds” werden nach den Worten von Allianz-Chef Oliver Bäte “ihre Spuren hinterlassen, den Konzern aber nicht von seinem Weg abbringen”. Der Konzern werde weiterhin wachsen, investieren und den versprochenen Aktienrückkauf über 750 Mio. Euro bis Ende Dezember umsetzen.

“Wir können uns das leisten”, sagte Bäte. Nach einem starken zweiten Halbjahr, in dem bereits 55 Prozent des für 2021 Geplanten eingefahren sind, korrigierte er das Gewinnziel: Erwartet wird für 2021 ein Betriebsgewinn von zwölf bis 13 Mrd. Euro statt zwölf Mrd. Euro mit einer Spanne von einer Milliarde Euro nach oben wie nach unten. Die Belastungen aus den Hedgefonds, die die Allianz Global Investors US LLC aufgelegt hat, können aber über Rückstellungen den Jahresüberschuss belasten.

Sobald die wesentlichen Auswirkungen absehbar seien, würden Rückstellungen gebildet, sagte Bäte. Am Sonntag hatte die Allianz unter “Neubewertung der Risiken in Bezug auf strukturierte Alpha-Fonds” von den bei US-Gerichten anhängigen Rechtsstreitigkeiten in Bezug auf diese Anlagen und Structured Alpha Funds gegen Allianz Global Investors US LLC und andere Unternehmen der Allianz Gruppe sowie die von der US Securities and Exchange Commission (“SEC”) eingeleitete Untersuchung berichtet.

Dort hieß es, dass ein “relevantes Risiko besteht, dass die Angelegenheiten im Zusammenhang mit den Strukturierten Alpha-Fonds die zukünftigen Finanzergebnisse der Allianz Gruppe wesentlich beeinflussen.” Die “Structured Alpha Funds” machen nach Unternehmensangaben weniger als ein Prozent des für Dritte verwalteten Vermögens aus.

Die Untersuchungen richteten sich auf die Performance der Papiere nicht gegen das Management. Ob da alles richtig gelaufen sei, ließ Bäte ebenso offen, wie Journalistenfragen nach bisherigen personellen Konsequenzen. Die Allianz kooperiere vollumfänglich aktiv – “nicht nur reaktiv”, betonte er. Man wolle das Verfahren so schnell und ordentlich wie möglich abschließen, aber für die Aktionäre nicht so teuer.

“Wir hören als Allianz zu. Kritik und Feedback werden nicht weggewischt. Wir werden nicht weiter machen wie bisher. Wir prüfen genau, was wir besser machen können.”

Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz SE

Mit Blick auf den Verlauf des Aktienkurses seit Sonntag sprach er von einer “schrecklichen” Woche. Er erinnerte daran, dass man bereits 2018 beschlossen habe, 40 Prozent der zu komplexen, komplizierten Investitionsstrategien zu schließen. Die Hälfte davon sei schon umgesetzt. In einer persönlichen Erklärung sagte Bäte: “Wir hören als Allianz zu. Kritik und Feedback werden nicht weggewischt. Wir werden nicht weiter machen wie bisher. Wir prüfen genau, was wir besser machen können.”

Vor dem Hintergrund der Vorgänge um die Hedgefonds gingen die deutliche Verbesserung bei Umsatz und Ergebnis praktisch unter. Alle drei Geschäftsfelder – SHUK, Personenversicherung und Asset Management – zeigten nach den Worten des Finanzchefs Giulio Terzariol ein gesundes Wachstum.

Quelle: Allianz

Die hohe Nachfrage nach Lebens- und Krankenversicherungsprodukten war entscheidend für ein Plus von 10,9 Prozent auf 34,3 Milliarden Euro im zweiten Quartal 2021. Das Betriebsergebnis stieg um 29,4 Prozent auf 3,3 Mrd. Euro (2,6 Mrd. Euro). Die Combined Ratio verbesserte sich im zweiten Quartal 2021 auf 93,9 (95,5) Prozent. Die Kapitalisierungsquote nach Solvency II lag zum Ende des zweiten Quartals 2021 bei 206 Prozent gegenüber 210 Prozent zum Ende des ersten Quartals 2021.

Für die Flutkatastrophe “Bernd” kostet die Allianz-Gruppe europaweit bisher brutto 900 Mio. Euro und netto knapp 400 Mio. Euro. Eine Pflichtversicherung lehnt die Allianz unter anderem wegen potenziell negativer Implikationen auf Prävention ab. Man müsse aber zu Lösungen kommen und spreche daher mit der Politik auch über Modell wie sie in der Schweiz oder Großbritannien praktiziert würden.

Autorin: Monika Lier

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