Gothaer sieht gute Chancen für das Mittelstandsgeschäft
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Quelle: Gothaer

Die stärkere Ausrichtung auf die vor allem mittelständisch geprägten Unternehmerkunden hat sich für die Gothaer 2020 ausgezahlt. “Wir sind insbesondere im Mittelstandssegment gewachsen und blicken sehr zuversichtlich auf die kommenden Jahre”, sagte Konzernvorstand Oliver Schoeller am Freitag in der Bilanzpressekonferenz. Der Konzern ist im letzten Jahr – wie im Dezember tendenziell prognostiziert – um 0,7 Prozent auf 4,6 Mrd. Euro Bruttobeitrag gewachsen und hat nach Steuern 72 Mio. Euro (2019: 115 Mio. Euro) verdient.

Das Geschäft mit mittelständischen Unternehmen (bis 500 Mio. Euro Jahresumsatz) ist eines der Kernelemente der Strategie “Ambition25”, die das Wachstumstempo über den Durchschnitt der letzten zehn Jahre bringen soll. Nach Einschätzung von Thomas Bischof, der als neuer Chef den größten Risikoträger des Konzerns, die Gothaer Allgemeine Versicherung AG verantwortet, wird der Markt der Mittelständler “in Zukunft stark wachsen und neue Risikocluster entwickeln”. Der Mittelstand sei in der Corona-Krise deutlich resilienter als Großunternehmen.

Für Bischof zeigt sich dies an einer schnellen Anpassungsfähigkeit. So hätten mehr als 50 Prozent dieser Unternehmen ihr Geschäftsmodell aufgrund der Corona-Krise neu ausgerichtet. „Wir können Mittelstand und haben ausgeprägte Stärken im Mittelstand – und das in allen drei Risikoträger“, sagte Michael Kurtenbach, Chef der Lebensversicherung. Zu den Neuerungen für die Firmenkunden gehört der “Gothaer UnternehmensRadar”. Das ist ein auf der Internetseite des Versicherers stehendes Tool für den ganzheitlichen, sparten-übergreifenden Beratungsansatz. “Das neue Dachkonzept geht über Produktverkauf hinaus”, so Kurtenbach. Im Sommer soll das bereits ankündigte integrierte Arbeitgeber-Portal zur Verwaltung von betrieblicher Altersvorsorge (bAV) und betrieblicher Krankenversicherung (bKV) laufen.

Zudem wird mit Blick auf die ebenfalls in den Fokus gestellte Nachhaltigkeit die “Produktmaschine angeworfen”. Bis Ende des Jahres würden alle Altersvorsorge-Produkte mit nachhaltigen Anlagen angeboten. Bei dem aktuell neu auf den Markt gebrachten Zahnzusatz-Tarif habe man bei der inkludierten elektrischen Zahnbürste auf deren Recyclingfähigkeit geachtet, sagte die neue Krankenchefin Sylvia Eichelberg. In Komposit stehen Updates im Bereich E-Mobilität und in der Wohngebäude für energetisch nachhaltige Maßnahmen an. In den Premium-Tarifen in Hausrat sind Bausteine für ökologische Mehraufwände beim Schadenersatz in der Vorbereitung.

Die Gothaer Allgemeine wuchs 2020 um 4,7 Prozent auf 1,94 Mrd. Euro, wobei das Geschäft mit Unternehmerkunden um 7,5 Prozent auf 825 Millionen Euro stieg. Als Folge geringerer Großschäden und weniger Naturkatastrophen sank die Combined Ratio brutto auf 91,8 Prozent (2019: 95,1 Prozent). In Kraftfahrt kommt die Gothaer auf eine Schaden- und Kostenquote von 89,27 Prozent.

In der Betriebsschließungsversicherung seien auf Basis des bayerischen Kompromisses 1.318 Schäden mit 24,3 Mio. Euro reguliert worden. Es habe wenig Klagen gegeben. Alle Prozesse wurden gewonnen. Dass der Jahresüberschuss des Kompositversicherer – und damit letztlich auch des Konzerns – so stark zurückfiel, nämlich auf 63 Mio. Euro (2019: 102 Mio. Euro), beruht auf höheren versicherungstechnischen Reserven und Rückgängen im Kapitalanlageergebnis. Der Schwankungsrückstellung wurden 38 Mio. Euro zugeführt nach 14 Mio. Euro Entnahme im Vorjahr.

In der Lebensversicherung wurden mit 1,445 Mrd. Euro 1,7 Prozent weniger Bruttobeiträge gebucht. Das Neugeschäft sank um 3,1 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro Beitragssumme netto. Der Zinszusatzreserve (ZZR) wurden 140 Mrd. Euro (2019: 110 Mrd. Euro) zugeführt. Kurtenbach geht davon aus, dass die ZZR in drei Jahren “in Trippelschritten” aufgelöst werden kann.

Bei der Gothaer Krankenversicherung ist die Zahl der Vollversicherten auf 130.000 (133.800) Personen gesunken. Wachstum wurde insbesondere in der Zusatzversicherung erzielt – wozu auch die betriebliche Krankenversicherung zählt. Bei deutlich unter dem Markt liegenden Beitragsanpassungen in der Vollkostenversicherung von 3,2 Prozent erhöhten sich gebuchten Bruttobeiträge um 2,7 Prozent auf 889 Mio. Euro.

In den ersten zwei Monaten 2021 wuchsen Komposit um 2,2 Prozent und Kranken um 3,5 Prozent, während die Lebensversicherung oberhalb von ein Prozent schrumpfte. Die Konzerneigenkapitalbasis wurde 2020 auf 1,33 (1,26) Milliarden Euro verstärkt. Inklusive Volatilitätsanpassung, aber ohne Transitional erreichte die Solvency-ll-Quote in Leben 187 Prozent (2019: 207 Prozent). Für den Konzern, dessen Zahlen noch ungeprüft sind, werden 193 Prozent (2019: 196 Prozent) angegeben.

Autorin: Monika Lier

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