Axa-Chef Thomas Buberl: „Grundsätzlich ist jedes Risiko versicherbar, man muss nur den richtigen Preis finden“
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Thomas Buberl, Axa-CEO. Bildquelle: Rapahael Dautigny über Axa.
Axa-Vorstandschef Thomas Buberl gilt als großer Verfechter eines staatlich-privaten Pandemieschutzes. „Die Frage ist: Wie kann man gemeinsam mit dem Staat ein Modell schaffen, in dem wir einen Teil der privaten Versicherung einbringen, in der aber auch der Staat eine deutlich größere Rolle spielt“, konstatiert der Versicherungsmanager.
Allerdings seien die Signale der Regierungen „grundsätzlich positiv, weil auch sie nicht mit einem Mal vor riesigen Kosten stehen wollen. Das ist auch eine Gelegenheit für uns, denn wir können das Feld der Versicherung deutlich erweitern. Es gab selten Zeiten, in denen das Thema Versicherung und Risikoabsicherung so gefragt war“.
„Bei einem Großteil der Verträge ist eine Pandemie sehr klar ausgeschlossen. Da heißt es zum Beispiel, wenn in der gleichen Region mehrere Restaurants aus dem gleichen Grund geschlossen werden, dann greift die Deckung nicht. Ein Versicherer hat dem Vertrag zu folgen – zum Wohle des Versicherungskollektivs. Einige wenige Verträge sind dagegen nicht sehr eindeutig formuliert. In Frankreich zum Beispiel reden wir etwa von weniger als 2.000 solcher Verträge. Wir sind zu all diesen Kunden gegangen – übrigens auch in anderen Ländern – und haben mit ihnen eine einvernehmliche Lösung gefunden“, erläutert Buberl in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).
Zudem sei man auf dem deutschen Markt „in unseren Kernsegmenten sehr gut positioniert. Wir sind ein großer Gewerbe- und ein großer Krankenversicherer, jeweils unter den ersten drei, und wir wollen uns dort weiterentwickeln. Wir haben in den wichtigsten Geschäftssegmenten Marktanteile gewonnen, und uns in der Lebensversicherung auf Bereiche wie Berufsunfähigkeit und kapitalärmere Produkte konzentriert; bei der Digitalisierung sind wir Vorreiter der Branche. Die Entwicklung ist besser, als ich sie in meiner Zeit als Axa-Deutschlandchef hinbekommen habe. Das muss ja auch der Anspruch sein – Nachfolger einzustellen, die besser sind als man selbst“.
„Die Pandemie sehen wir als ein neuartiges Ereignis, das öfter kommen wird. Deshalb muss man sich genauso wie bei Rente und Ausbildung mehr vorbereiten. Das heißt, man muss auf privater Seite und im Staatshaushalt mehr zurücklegen. Wir haben das ja auch in anderen Bereichen wie Naturkatastrophen und Terrorismus schon erlebt. Mechanismen sind hier in einer öffentlich-privaten Partnerschaft geschaffen worden.“
Thomas Buberl, Vorstandsvorsitzender der Axa
Dabei hat die Pandemie natürlich auch die Pläne des französischen Versicherungskonzerns deutlich durcheinander gewirbelt. Mit bislang mehr als 76.000 Toten ist Frankreich besonders stark von der Ausbreitung des Corona-Virus betroffen. Von Entspannung kann auch weiterhin keine Rede sein. Nachdem die Zahlen auch bei unseren französischen Nachbarn wieder leicht nach oben gehen, fürchten die Behörden ebenfalls eine zweite Infektionswelle.
Daher verwundert es auch nicht, dass die Nummer eins unter Frankreichs Versicherern besonders heftig von der grasierenden Pandemie getroffen wurde. So beklagte die Axa bereits in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen deutlichen Einbruch bei den Prämieneinnahmen um neun Prozent auf 31,7 Mrd. Euro (VJ: 35,0 Mrd. Euro). Die Schäden aus der Absage von Veranstaltungen bezifferte Axa vorläufig auf einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag vor Steuern. Mit Aussagen für das Gesamtjahr hielt sich der französische Versicherungskonzern jedoch zurück.
Dabei zieht Buberl in seltener Einmütigkeit sogar mit Allianz-CEO Oliver Bäte an einem Strang. “Für solche Situationen gibt es in vielen Ländern eine Kooperation zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft, weil die Versicherungsbranche solche Systemausfälle nicht beherrschen kann”, betonte der Versicherungsmanager gegenüber dem Spiegel.
Auch sonst beweist sich Buberl in diesen Tagen als geschickter Krisenmanager, der etwas wagt und zu sagen hat. Er strahlt Ruhe aus und präsentiert sich nicht nur im Austausch mit den Bossen der Wirtschaft, sondern auch bei den Mitarbeitern. Die Belohnung: Axa versichert, dass die Coronavirus-Pandemie keine Folgen für die Beschäftigung und die Vergütung seiner rund 160.000 Mitarbeiter haben werde. Alle Arbeitsplätze würden erhalten bleiben, solange der Stillstand andauere. Auch werde der französische Konzern die Möglichkeit zur Kurzarbeit in Frankreich nicht in Anspruch nehmen.
Autor: VW-Redaktion