„Wir leisten komplett“ – Rainer Reitzler über BSV-Vollleistung, Klimagewissen und BSV-Projekte

Rainer Reitzler (CEO) und CFO Karsten Kronberg (re.) vom Münchener Verein. Quelle: Unternehmen, von der Redaktion bearbeitet.

Der Münchener Verein ist bei der Klimaverantwortung vorangegangen. Gleichzeitig musste das Unternehmen während Corona einige Steine aus dem Weg rollen. Warum das Unternehmen keine BSV-Probleme kennt und ökonomisches Handeln und Verantwortung keine Gegensätze sind, erklären CEO Rainer Reitzler und CFO Karsten Kronberg, der Münchener Verein Versicherungsgruppe.

VWheute: Sie haben als erster hiesiger Versicherer die Deutsche Klimavereinbarung unterschrieben. Warum, was verändert sich dadurch in ihrer Arbeit, beispielsweise der Kapitalanlage.

Karsten Kronberg: Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Grundsatz unserer Geschäftsstrategie. Mit dem Beitritt zur Deutschen Klimavereinbarung möchten wir als Versicherer gemeinsam mit den anderen Unternehmen aus dem Finanzsektor ein klares Zeichen für die Bedeutung des Klimaschutzes nach den Pariser Klimazielen setzen. Wir wollen damit Sustainable Finance forcieren und künftig noch stärker auf Kapitalanlagen setzen, die zur Erreichung der Klimaziele beitragen. Die ökonomische Vernunft geht hierbei Hand in Hand mit der gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber künftigen Generationen.

VWheute: Welche Rolle spielt der Klimawandel in ihrer Arbeit, merken sie bereits Auswirkungen, bspw. mehr Unwetter?

Rainer Reitzler: Naturereignisse wie Starkregen, Hagel, Überschwemmungen und Stürme verursachen in der Langzeitbetrachtung seit 2000 bundesweit im Durchschnitt einen jährlichen Schaden von 2,4 Mrd. Euro. Bundesweit fallen pro Jahr im Durchschnitt 789 Liter Regen auf einen Quadratmeter. Aufgrund des Klimawandels und der Erderwärmung sind auch künftig mehr extreme Wetterereignisse zu erwarten, auch extreme Dürreperioden. Schäden nach Starkregen, Sturm und anderen Naturereignissen nehmen zu, in der Folge auch das Schadenaufkommen. Umso mehr kommt es für uns darauf an, unseren Kunden leistungsstarke Produkte anzubieten, mit deren Hilfe sie ihr Wohneigentum oder ihre Betriebe vor Elementarschäden schützen können.

Viele Kunden machen den Fehler, immer noch auf ihre Wohngebäude- oder Hausratversicherung zu vertrauen, im Glauben, dass damit auch Elementarschäden abgedeckt sind. Ein umfassender Schutz beinhaltet neben einer Absicherung gegen Sturm und Hagel zwingend jedoch auch eine Elementarschadenversicherung. Niemand kann die Natur kontrollieren, den finanziellen Schaden nach Naturkatastrophen jedoch schon.

VWheute: Sie sind groß im Geschäft mit Handwerkern. War diese Gruppe durch die Coronafolgen, verlangsamte Wirtschaft, weniger Aufträge, stark betroffen und wie haben sie reagiert?

Rainer Reitzler: Viele Handwerksbetriebe mussten im Zuge der Corona-Krise massive Einbrüche mit schwerwiegenden Folgen für die Liquidität, Beschäftigung und den Betriebsbestand hinnehmen. Am 25. August 2020 wurde die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis Ende 2021 beschlossen. Davon wird auch das Handwerk profitieren.

Wir haben für unsere Kunden in kürzester Zeit einen „Schutzschirm“ aufgespannt: Zahlungsaufschub für Folgebeiträge, Ratenzahlungen, zeitversetzter Lastschrifteinzug, Umstellung der Zahlungsweise, Beitragsreduzierungen und -freistellungen sowie Vertragsanpassungen mithilfe eines Tarifwechsels. Diese Maßnahmen, die erfreulicherweise äußerst selten in Anspruch genommen werden, haben unsere Kundenbeziehungen gefestigt.

VWheute: In der BSV haben Sie „anstandslos, vollumfänglich und bereitwillig von Anfang an geleistet“, wie beurteilen sie die Situation in der BSV branchenweit, droht den Versicherern ein Imageverlust?

Rainer Reitzler: Es kann nicht unsere Aufgabe sein, zu beurteilen, wie andere Versicherer das Thema BSV handhaben. Der Münchener Verein als traditioneller Handwerksversicherer leistet komplett, auf uns können sich unsere gemeinsamen Kunden verlassen. Wir haben die teilweise sechsstelligen Summen unbürokratisch und schnell bereits ausgezahlt und so einen aktiven Beitrag zur Rettung von Existenzen im Handwerk geleistet.

VWheute: 2019 war ein Rekordjahr, was sind die nächsten Ziele, in welche Bereiche wollen sie ggf. investieren?

Rainer Reitzler: Im Juni 2020 haben wir beispielsweise unser strategisches Geschäftsfeld bAV für unsere Außendienstpartner mit einem modernen IT-Tool verstärkt. Unsere Außendienstpartner können sich seither nicht nur als Vermittler, sondern auch als Dienstleister präsentieren und langfristig als Problemlöser rund um die bAV positionieren.

Darüber hinaus investieren wir gerade in eine fondsgebundene Unterstützungskasse. Und das Handwerk wird als Kernzielgruppe auch weiterhin eine zentrale Rolle spielen.

VWheute: Was haben Sie für 2020 produkttechnisch noch im Köcher, welches Ergebnis erwarten Sie?

Rainer Reitzler: Neben dem bAV-Bereich investieren wir massiv in das strategische Geschäftsfeld Krankenzusatzversicherung. Anfang September haben wir mit ZahnGesund eine neue Zahnzusatzversicherung auf den Markt gebracht, mit der wir unser Portfolio in diesem strategischen Geschäftsfeld erweitern. Unabhängige Vergleichsportale und Analysehäuser bewerten ZahnGesund-Tarife mit „sehr gut“ oder „exzellent“ und setzen sie auf Platz 1. Im Markt werden die drei neuen Tarife sehr gut angenommen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

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