Hannover Rück-Vorstand Pickel: „Covid-19 ist Katalysator für Preisanpassungen für Erst- und Rückversicherer“

Michael Pickel_Hannover Rück- Vorstand. Quelle: Unternehmen.

Die Rückversicherung braucht steigende Prämien. Die Schadensituation ist angespannt, Wirbelstürme, eine Hafensprengung und natürlich Covid-19 erschweren den Unternehmen das Geschäft. Michael Pickel, Vorstandsmitglied für Schaden-Rückversicherung bei der Hannover Rück, ist dennoch optimistisch, er erwartet trotz erfolgtem zweistelligen Prämienwachstum weitere Steigerungen. Als Reaktion auf die Probleme in der Betriebsschließungsversicherungen erwartet er ein „klar gefasstes Bedingungswerk“.

VWheute: Die vergangenen Monate wurden vor allem durch die Corona-Pandemie und deren Folgen für die Versicherungsbranche geprägt. Wie haben sich die Folgen bislang bei der Hannover Rück bemerkbar gemacht?

Michael Pickel: Das ganze Ausmaß der Covid-19 Pandemie wird erst mittelfristig erkennbar sein. Wir befinden uns ja noch in der Krise. Im Personen-Rückversicherungsgeschäft haben wir gute Daten zur Verfügung, können mit Modellen arbeiten und die Mortalität ziemlich exakt prognostizieren. In der Schaden-Rückversicherung hingegen ist die Situation viel anspruchsvoller. Wir können jetzt noch nicht abschätzen wie die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen wirken und wie die Pandemie weiter verlaufen wird. Diese Punkte sind essenziell und führen naturgemäß zu einer Bandbreite von möglichen Schadenszenarien. Bisher sind wir vergleichsweise gut durch diese Krise gekommen. Das hat es uns erlaubt im ersten Halbjahr, für die zu erwartenden Covid-19-Schäden vorzusorgen.

VWheute: Die Pandemie belastet die Rückversicherer besonders, was sich auch auf die Preisverhandlungen auswirkt. Wie bewerten Sie die aktuelle Runde und wie verlaufen derzeit die Gespräche für die Hannover Rück?

Michael Pickel: In den zurückliegenden Erneuerungsrunden haben wir Preissteigerungen und Konditionsverbesserungen erreicht. Insbesondere bei schadenbetroffenen Verträgen waren Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich zu verzeichnen. Insgesamt erwarten wir, dass sich dieser Trend in der kommenden Erneuerungsrunde zum 1. Januar 2021 fortsetzen wird. Wir sehen die Covid-19 Pandemie als Katalysator für Preisanpassungen sowohl auf der Erst- als auch auf der Rückversicherungsseite. Natürlich werden die Ausprägungen je nach Region, Sparte und Kunde unterschiedlich sein.

VWheute: Welche langfristigen Folgen sehen Sie durch die aktuelle Krise für die Rückversicherer – auch vor dem Hintergrund weiterer Herausforderungen wie den Klimawandel?

Michael Pickel: Als langfristige Folge aus der aktuellen Krise erwarten wir, gerade mit Blick auf die Pandemie-Problematik bei Betriebsschließungsversicherungen, ein klarer gefasstes Bedingungswerk, das nicht die abstrakte Gefährdung deckt, sondern den konkreten Schadenfall beschreibt. Denn hier herrscht aktuell die größte Unsicherheit bezüglich der Formulierungen, was gedeckt ist und was nicht. Wir sollten allerdings nicht vergessen, dass neben Pandemien auch der Klimawandel und Cyberrisiken “Emerging Risks“ darstellen, für die passende Deckungskonzepte entwickelt werden müssen. Unsere Naturgefahrenmodellierung berücksichtigt unsere Erkenntnisse zum Klimawandel in der Preisfindung für Rückversicherungslösungen und im Risikomanagement. Wir arbeiten eng mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Bereichen wie Klimatologie und Meteorologie zusammen.

VWheute: Werfen wir einen kurzen Blick in die Zukunft: Wie sind Ihre Unternehmensziele und Erwartungen für das restliche Jahr 2020?

Michael Pickel: Neben den Belastungen aus der Covid-19 Pandemie kam es im zweiten Halbjahr zu weiteren Großschäden. Die schwere Explosion im Hafen von Beirut Anfang August hat viele Todesopfer gefordert und zu schweren Verwüstungen geführt. Zusammen mit Schäden aus Naturkatastrophen in Asien und den USA, wo etwa die hierzulande weniger bekannten Derecho-Stürme erhebliche Schäden verursacht haben, gehen wir – noch ohne Berücksichtigung von Covid-19-Schäden – für das dritte Quartal von Großschäden im Rahmen der Erwartungen aus. Auch aufgrund der anhaltend hohen Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der Pandemie sind Gewinnprognosen noch nicht seriös zu treffen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

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