DEVK rutscht beim Jahresüberschuss deutlich ab

DEVK-Zentrale, Quelle: Unternehmen.

Die DEVK Versicherungen wollen auch künftig das Pandemie-Risiko in der gewerblichen Sachversicherung decken. Eine privat-staatliche Lösung wie den Terrorversicherer Extremus hält DEVK-Finanzvorstand Bernd Zens jedoch für „eine Krücke“, die man sich nicht zum Vorbild nehme sollte.

Die Kölner Versicherungsgruppe rechnet für 2020 trotz Corona-Delle mit einem Beitragswachstum von 6,4 Prozent auf 3,86 Milliarden Euro Bruttoprämie und besserer Versicherungstechnik. Im Bereich der Combined-Ratio möchte das Unternehmen bis zum Jahr 2020 eine Quote von 90,4 erreichen, im Jahr 2019 betrug sie 94,2. Bei den für den Kapitalmarkt pessimistischen Prognosen mit einem Dax-Stand von nur 11.500 bis 11.700  Punkten werde der Jahresüberschuss vor Steuern jedoch auf 79 (207) Millionen Euro schrumpfen. „Das können wir uns nach dem Rekordgewinn des Vorjahres leisten“, sagte Vorstandschef Gottfried Rüßmann. An der besseren Versicherungstechnik sollen die Kunden über eine Beitragsrückerstattung hinaus teilhaben. Über die Art und Weise wird im Hinblick auf steuerliche Fragen allerdings noch nachgedacht.

Eine eigenständige Betriebsschließungsversicherung (BVS) hatte die DEVK ihren Kunden zwar nicht angeboten, wohl aber das Pandemie-Risiko als Klausel beitragsfrei in ihrer Vielschutz-Versicherung inkludiert. Der Sachverhalt sei unstrittig gewesen, so Vorstand Rüdiger Burg. Der Bayerische Kompromiss habe für die eigenen Fälle nicht gepasst. Versichert waren mit der DEVK-Klausel maximal 250 Euro pro Tag bis zu einem Monat. Für 15.000 Fälle – von der Kosmetikerin bis hin zu Teilen kleinerer Gastronomiebetriebe – habe man 5,2 Millionen Euro geleistet. Klagen seien keine anhängig. Das Risiko der Betriebsschließung nach einer Infektion wolle man „am liebsten“ auch künftig decken, so Burg. Die Aktuare rechneten aber noch. Zurzeit werde die Klausel nicht mehr angeboten.

Die Schäden

Vor allem durch Absagen von Großereignissen kommt man im Rückversicherungsgeschäft durch Corona auf eine Schadenbelastung von 15 bis 20 Millionen Euro. „Unser größte Schaden war die Absage des Oktoberfestes“, so Zens. Corona habe bisher das Ausmaß eines mittleren „Natkat-Events“. Eigenkapital und Bilanzstärke seien nicht gefährdet. Er gehe davon aus, dass sich der Markt weiter verhärtet. „Es herrscht nach wie vor viel Wettbewerb. Die Retrokapazitäten erhöhen sich, weil die Preise steigen – um 20 Prozent und bei schadenbelasteten Exposures noch mehr,“ so Zens. Er befürwortet eine Pandemiedeckung mit staatlicher Unterstützung, wenn sie „vernünftig gemacht“ ist. Anders als bei Extremus müsse diese aber auf Füße gestellt werden, mit denen der Sinn und Zweck auch erfüllt werden könne.

Rüßmann berichtete, dass die DEVK nach einen „nennenswerten Einbruch“ Mitte März während des Lockdowns ab Juni „wieder mit allen Geschäftsstellen am Start“ war und „nahtlos“ an das Vorjahr, das immerhin ein Neugeschäftsplus von 7,3 Prozent erzielte, habe anknüpfen können. Somit werde für 2020 ein Bestandsplus von 1,5 Prozent erwartet. Das Lebengeschäft gehe jedoch um 3,2 Prozent zurück. Dass die Kunden zunehmend durch die Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, könne man noch nicht feststellen, so Rüßmann. „Ganz im Gegenteil, wir sehen eine deutlich höhere Zahlungsmoral als im Vorjahr.“ Für die weitere Entwicklung ist er hingegen skeptisch und befürchtet „Entlassungswellen in bestimmten Industrien.“

In den Sparten Sach/HUK habe man bis Ende August 5,8 Prozent mehr Beiträge erzielt. „Die Vertriebe haben während der Corona-Zeit im Bestand gearbeitet“, begründet dies Burg. Die DEVK hatte unter anderem 1.000 Vertriebler schnell auf Video-Beratung geschult. In Kraftfahrt konnte das Beitragsaufkommen nur um 0,3 Prozent ausgebaut werden. Bis Ende August ist die Zahl der Schäden über alle Sparten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp zehn Prozent auf 452.985 gesunken, so Burg. Neben der schadenärmeren Zeit des Lockdowns sind dafür auch ausgebliebene Unwetter der Grund. In Kraftfahrt-Haftpflicht sank die Zahl der Schadenmeldungen um 16 Prozent, in Kasko um gut 14 Prozent. Der Schadenaufwand fiel in dieser Zeit insgesamt um 12,9 Prozent auf 711,2 Millionen Euro. Ohne das K-Geschäft reduzierte sich der Aufwand um knapp acht Prozent auf 208,8 Millionen Euro.

Mit Sorge beobachtet die Nummer 5 im K-Markt aber, dass die durchschnittliche Entschädigung um 5,2 Prozent auf 3.027 Euro in Kraftfahrt-Haftpflicht und um zwei Prozent auf 1.313 Euro in Kasko bis Ende August gestiegen sind. Hierfür werden höhere Preise für Ersatzteile, höhere Werkstattkosten, aber auch zusätzliche Kosten für Hygienemaßnahmen verantwortlich gemacht.

Angesichts des Kostentrends erwartet Burg moderat steigende Preise in der Autoversicherung – „vielleicht nicht flächendeckend, aber gezielt“. Von den neuen Telematik-Tarifen gehe sicherlich Preisdruck aus, so Burg. Auch die DEVK wollen ab 2021 einen Telematik-Tarif anbieten und verhandeln noch mit einem Datenpool. Handynutzung am Steuer will die DEVK besonders stark sanktionieren. Bisher bietet sie nur eine App, die risikoarmes Fahren mit „Gimmicks“ belohnt.

Autor: Monika Lier

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