Munich Re unterstreicht Forderung nach staatlich-privatem Pandemieschutz

Torsten Jeworrek. Quelle: Munich Re

Die Munich Re fordert einen staatlichen Risikopool, um die Risiken künftiger Pandemien versichern zu können. „Dabei muss klar sein, dass systemische Risiken wie eine Pandemie auch systematische Gegenmaßnahmen erfordern, etwa durch Risiko-Pools mit Unterstützung der Staaten, um nicht versicherbare Risiken tragbar zu machen“, konstatiert Vorstand Torsten Jeworrek.

So kommt die Pandemie die Versicherungsbranche bereits jetzt teuer zu stehen. Im ersten Halbjahr verbuchte die Munich Re infolge der Krise bereits Belastungen von rund 1,5 Mrd. Euro. Besonders stark schlug der Ausfall von Großveranstaltungen ins Kontor. Auch in der Haftpflicht-, der Reiseversicherung sowie im Kreditgeschäft fallen Schäden an, heißt es beim Rückversicherer.

Die größten ökonomischen Schäden entstehen jedoch durch Betriebsunterbrechungen bei angeordneten Lockdowns, so die Munich Re. Da diese weltweit fast zeitgleich quer über Wirtschaftssektoren anfallen, seien diese privatwirtschaftlich kaum versicherbar. Nach Schätzungen des Verbands der US-Schaden- und Unfallversicherer APCIA wäre das Risikokapital der Versicherer in den USA binnen weniger Wochen aufgezehrt, wenn Betriebsunterbrechungsschäden durch Corona versichert gewesen wären.

„Wir brauchen neue verlässliche Mechanismen, um solche Risiken abzudecken. Das geht nur mit staatlich gestützten Risikopools, an denen sich Versicherer mit begrenzter Kapazität beteiligen können. Versicherer können zudem die korrekte Risikobewertung unterstützen sowie Vertrieb und Schadenregulierung organisieren“, betont Stefan Golling, Chief Underwriter von Munich Re.

„Die Corona-Pandemie muss uns eine Lehre sein: Wir müssen schneller und konsequenter handeln, damit uns Risiken wie Cyber-Angriffe oder der Klimawandel nicht ähnlich unvorbereitet treffen wie COVID-19. Die finanziellen Folgen lassen sich zum Nutzen der Menschen besser absichern.“

Torsten Jeworrek, Vorstand der Munich Re

Zudem sei die Sicherheit von Daten oder Prozessen wegen der Corona-Krise schwieriger zu gewährleisten, so die Munich Re weiter. So dürfte sich der Cyber-Versicherungsmarkt nach Einschätzung des Rückversicherers ausgehend von 2020 bis 2025 auf etwa 20 Mrd. US-Dollar verdreifachen.

Die COVID-19-Pandemie hat die Welt weitgehend unvorbereitet getroffen, obwohl Experten lange davor gewarnt haben – ähnlich wie beim Klimawandel. „Daraus müssen wir die Konsequenz ziehen und uns besser vorbereiten, um Schäden zu minimieren. Wir als Unternehmen tragen unseren Teil dazu bei, indem wir mit unserer Expertise Risiken analysieren und zu verstehen helfen sowie mit geeigneten Versicherungslösungen einen Teil der Risiken abfedern“, so Jeworrek.

Autor: VW-Redaktion

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