Umweltschützer kritisieren Versicherer für ihre Geschäfte mit Öl- und Gasindustrie

Quelle: Bild von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay

Das Engagement der großen Versicherer in der Öl- und Gasindustrie steht bei Umweltschützern in der Kritik. So fordert das NGO-Netzwerk „Unfried Coal/Insure our future“ in einem offenen Brief 30 Versicherungsgesellschaften weltweit auf, keine neuen Öl- und Gasprojekte sowie Kohlegesellschaften mehr zu versichern. Besonders im Fokus stehen dabei die Allianz und die Munich Re.

„Während acht der größten Öl- und Gasversicherer, darunter Allianz und Munich Re, bereits teils starke Einschränkungen in der Kohleversicherung vorgenommen haben und sich vier davon verpflichtet haben, ihre Portfolios nach dem 1,5 Grad-Szenario auszurichten, ist im Bereich Öl und Gas bisher wenig passiert. Einige Konzerne wie Axa und Munich Re haben ihren Versicherungsschutz für Ölsand-Projekte begrenzt, noch weniger haben Beschränkungen bei der Ölförderung in der Arktis und bei der Schieferöl-Produktion“, heißt es darin.

„Versicherungskonzerne haben einen großen Hebel, um das Ende fossiler Brennstoffe einzuleiten. Denn ohne ihre Versicherung sind Kohleminen, Ölplattformen und Gaspipelines viel schwerer bis unmöglich zu realisieren.“

Regine Richter, Energie-Campaignerin bei Urgewald

Eine Analyse der Umweltschützer zeige zudem, dass große internationale Konzerne wie Allianz, Axa XL, Munich Re, Liberty Mutual und Zurich zusammen den größten Teil des Öl- und Gas-Versicherungsmarktes kontrollieren. Danach kommen kleine spezialisierte Versicherungsunternehmen wie Fairfax und Starr sowie chinesische Firmen (People‘s Insurance Company of China, China Pacific Insurance Co., Ping An).

Zahlreiche Öl- und Gaskonzerne hätten zudem firmeneigene Versicherungsmechanismen. Die Top10 der Öl- und Gasversicherer teilen 70 Prozent des Marktes unter sich auf. Zwar sei dieser etwa drei Mal größer als im Kohlesektor, mache aber lediglich 0,7 Prozent aller Nicht-Lebensversicherungsprämien aus.

„Der Versicherungsmarkt im Öl- und Gasbereich ist so konzentriert, dass schon die Aktion weniger Versicherer einen großen Einfluss haben kann. Aufgrund des geringen Anteils an Prämien würde der Ausschluss von Öl- und Gasprojekten den Versicherern nicht einmal besonders weh tun. Dabei sind besonders die Versicherer“, kommentiert Regine Richter, Energie-Campaignerin bei Urgewald.

„Die fossile Industrie steht durch COVID-19 enorm unter Druck. Das bietet die Möglichkeit, den erforderlichen Übergang zu einer kohlenstoffarmen Energiewirtschaft zu beschleunigen. In einer Zeit, in der mächtige Regierungen politisch gut vernetzte Öl- und Gasunternehmen retten, muss die Versicherungsbranche als Stimme der Vernunft auftreten und wissenschaftliche Befunde in den Entscheidungsprozess über CO2-intensive Projekte einbringen“, ergänzt Peter Bosshard, Koordinator der Unfriend Coal/Insure Our Future-Kampagne.

Allianz setzt auf klimaneutrale Anlageportfolios

Die Allianz setzt hingegen auf klimaneutral Investments. So war der Versicherungskonzern im vergangenen Jahr Gründungsmitglied von der UNO initiierten Net-Zero Asset Owner Alliance. „Die Allianz unterstützt den Wandel zu einer 1,5 Grad-kompatiblen Wirtschaft. Dazu müssen alle Sektoren ihre Treibhausgasemissionen in den nächsten drei Jahrzehnten deutlich reduzieren. Die Allianz hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2040 kohlebasierte Geschäftsmodelle im Kundenportfolio in der Versicherung und in der Anlage der Versichertengelder schrittweise auslaufen zu lassen“, betont eine Unternehmenssprecherin der Allianz gegenüber VWheute.

„Die Anlage der Versichertengelder soll bis spätestens 2050 klimaneutral strukturiert sein. Wir möchten unsere Kunden auf ihrem Weg zu klimafreundlichen Geschäftsmodellen in den kommenden Jahren begleiten. Daher arbeiten wir direkt und in Netzwerken wie der ‚UN-convened Net-Zero Asset Owner Alliance‘ mit der Wirtschaft zu ihren Geschäftsstrategien und Treibhausgas-Reduktionszielen zusammen. Dies ist aus unserer Sicht zielführender als Ausschlüsse“, heißt es weiter.

Die Munich Re wollte die Kritik der Umweltschützer auf Anfrage von VWheute nicht kommentieren.

Autor: VW-Redaktion

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