Hannover Rück schreibt Rekordgewinn trotz hoher Schadenbelastung

Vorstand der Hannover Rück bei der Präsentation der Geschäftsbilanz 2019. Quelle: td

Es ist selten geworden, dass Versicherungskonzerne in diesen Tagen noch physisch zu ihren Bilanzpressekonferenzen einladen. Während die meisten Unternehmen derzeit reihenweise ihre Zahlen in einer Telefon- oder Videokonferenz präsentieren, trotzte der niedersächsische Rückversicherer eisern dem grasierenden Coronavirus. So konnte Konzernchef Jean-Jacques Henchoz auch gleich einmal einen Rekordgewinn verkünden – um dann letztlich ausführlich auf das Virus einzugehen.

„Wir haben ein Rekordergebnis erzielt und damit unsere Ertragskraft erneut unter Beweis gestellt, obwohl 2019 abermals ein relativ schadenreiches Jahr war. Wir stellen unseren Aktionären erneut eine attraktive Dividende inklusive einer Sonderausschüttung in Aussicht, behalten aber auch die nötige Flexibilität, um weiter in unser profitables Wachstum zu investieren“, fasst der Vorstandsvorsitzende zusammen. Wohlgemerkt: Es ist seine erste Präsentation der Geschäftszahlen als Nachfolger von Ulrich Wallin.

Immerhin: Der Nettogewinn stieg 2019 um satte 21,2 Prozent auf 1,28 Mrd. Euro. Damit hatte die Hannover Rück ihre Jahresprognose von 1,1 bis 1,2 Mrd. Euro sogar noch leicht übertroffen. Die gebuchten Beitragseinnahmen stiegen ebenfalls um 17,8 Prozent auf 22,6 Mrd. Euro. Dabei profitierte der Rückversicherer allerdings auch von verschiedenen Sondereffekten, wie unter anderem dem Verkauf der Generali Leben an Viridium, an dem die Hannover Rück mit 20 Prozent beteiligt ist.

Zufrieden zeigte sich Henchoz auch bei der Personen-Rückversicherung. So stieg das Bruttoprämienvolumen gegenüber dem Vorjahr um 8,6 Prozent auf 7,8 Mrd. Euro, der Nettogewinn wurde gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar mehr als verdoppelt – nämlich um 153,7 Prozent auf 471,6 Mio. Euro.

Spürbar getrübt war indes die Bilanz in der Schaden-Personenversicherung: Zwar stieg das Bruttoprämienvolumen in der Schaden-Rückversicherung um 23,4 Prozent auf 14,8 Mrd. Euro. Der Gewinn sank gegenüber dem Vorjahr hingegen deutlich um 6,2 Prozent auf 871,7 Mio. Euro. Maßgeblicher Grund dafür war der Umstand, dass der Hannoveraner Rückversicherer nach 2017 und 2018 auch im letzten Jahr wieder unter signifikanten Großschäden zu leiden hatte.

Mehr Großschäden treiben die Combined Ratio nach oben

Größter Schaden war Hurrikan „Dorian“ in der Karibik mit einer Nettobelastung von 194,7 Mio. Euro. Zudem schlugen die Taifune „Hagibis“ mit 183,8 Mio. Euro und „Faxai“ mit 83,8 Mio. Euro zu Buche. Die Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook kostete die Hannover Rück ebenfalls rund 85,7 Mio. Euro. In der Summe lag die Großschadenbelastung 2019 mit insgesamt 956,1 Mio. Euro deutlich über dem selbst gesteckten Budget von 875 Mio. Euro.

Dabei sei der Rückversicherer „mit einem Malus ins Jahr durch ‚Jebi“ gestartet, der mit einer Schadenbelastung von 80 Mio. Euro zu Buche schlug, betonte Vorstand Michael Pickel, stellvertretend für die Schaden-Rückversicherung. Dementsprechend stieg die Schaden-Kostenquote gegenüber 2018 um 1,7 Prozentpunkte auf 98,2 Prozent. Angepeilt war eine Combined Ratio von etwa 97 Prozent.

Freuen können sich die Aktionäre der Hannover Rück dennoch: So wollen der Vorstand und der Aufsichtsrat den Anteilseignern auf der nächsten Hauptversammlung eine Dividende von 5,50 Euro (2018: 5,25 Euro) vorschlagen. Diese setzt sich Unternehmensangaben zufolge aus einer erhöhten Basisdividende von 4,00 Euro (2018: 3,75 Euro) je Aktie und einer unveränderten Sonderdividende von 1,50 Euro je Aktie zusammen. Die „Dividende ist Ausdruck der starken Ertragskraft der Hannover Rück“, kommentiert Henchoz.

Macht der Corona-Virus den Niedersachsen noch einen Strich durch die Rechnung?

Ob die Aktionäre allerdings wirklich wie geplant am 6. Mai im Congress Centrum Hannover zu ihrer alljährlichen Hauptversammlung zusammenkommen können, hängt letztlich aber noch ganz von der aktuellen Entwicklung rund um den Corona-Virus ab. So geht Henchoz „nach wie vor davon aus, dass die Hauptversammlung im geplanten Rahmen stattfindet.“ Dennoch prüfe man auch die Möglichkeit der elektronischen Mittel. Immerhin denken aktuell immer mehr Dax-Unternehmen darüber nach, ob die jährlichen Aktionärstreffen angesichts der Corona-Epidemie wie geplant stattfinden können.

So steht zwar die Möglichkeit einer Online-Hauptversammlung bei vielen Unternehmen zwar im Raum. Allerdings bestünde ein rechtliches Problem darin, das dem Aktionär zustehende Frage- und Rederecht auf der Hauptversammlung auch übers Netz zu gewährleisten. „Es ist nach unserem Kenntnisstand nicht möglich, eine Hauptversammlung nur online abzuhalten“, wird Thomas Fischer von der Aktionärsvereinigung DSW in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert. 

Henchoz gibt sich angesichts Corona allerdings (vorerst) gelassen. Bislang habe es nach seinen Worten „keine signifikanten Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb“ gehabt. So haben man in den betroffenen Regionen für die Mitarbeiter ein „mobiles arbeiten“ eingeführt. Zudem werde man unternehmensintern „auf nicht notwendige größere Events und Veranstaltungen verzichtet“.

Auf der Versicherungsseite rechnet der Vorstandschef des Rückversicherers auf der Basis aktueller Szenarien derzeit mit einer Schadenbelastung von maximal 200 Mio. Euro weltweit. Zwar seien diese Schätzungen noch spekulativ, allerdings werde der Corona-Virus die Weltwirtschaft verlangsamen, prognostiziert der Schweizer. Allerdings erwarte man Schäden eher in der Schaden- als in der Personenrückversicherung.

Für Vorstand Klaus Miller ist Pandemie im Bereich Leben bislang „noch kein Event“. Anders gesagt: „Ich brauche Tote, damit es sich in der Bilanz auswirkt“. Allerdings habe der Rückversicherer eine Pandemiedeckung von 360 Mio. Euro eingekauft, der die Fälle in Großbritannien, Australien und Großbritannien abdeckt. Dort sei das Thema allerdings bislang „noch kein Event“.

Zudem beinhalte die Summe bereits einen möglichen Ausfall der Olympischen Spiele in Tokio. Sollte dieses Szenario tatsächlich eintreten, rechnet die Hannover Rück nach den Worten von Finanzvorstand Roland Vogel mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Den jüngsten Kursrutsch im Dax trifft den Rückversicherer bislang nicht: „Wir haben im Moment keine börsennotierten Aktien im Bestand“, konstatiert Vogel.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die Hannover Rück mit einem weiteren Prämienanstieg von rund fünf Prozent aus. Beim Gewinn peilt der Rückversicherer für 2020 eine Zielmarke von 1,2 Mrd. Euro an, auch wenn diese laut Henchoz durchaus „ambitiös“ sei. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Großschadenbelastung nicht wesentlich den Erwartungswert von 975 Mio. Euro übersteigt und es zu keinen außergewöhnlich negativen Entwicklungen an den Kapitalmärkten kommt.

Autor: VW-Redaktion

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