Lehren aus Monte Carlo: Rückversicherer verhalten optimistisch

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Im klassischen surrealistischen Theaterstück des irischen Dramatikers Samuel Becket geht es um zwei Landstreicher, die auf den ihnen unbekannten Godot warten, der jedoch nie erscheint, wohl aber ein sie weiter vertröstender Bote. Die Situation der Beckett’schen Landstreicher erinnert an die der großen Rückversicherer, die jedes Jahr auf neue in Monte Carlo verkünden nun endlich komme die Marktverhärtung.

Diese meinten anlässlich des 2019er Rendez-Vous von ersten Vorboten des herbeigesehnten Godot berichten zu können. Einig waren sich die Munich Re, die Swiss Re, die Hannover Rück und Scor in folgender Hinsicht: Seit 2018 hat es leichte Ratenanhebungen gegeben, ein Trend, der sich fortsetzen dürfte. Mit ursächlich hierfür ist der Druck, den Lloyd’s auf einzelne nun bereits mehrere Jahre in Folge produzierende und damit den Central Fund exponierende Syndikate ausübt. Insbesondere gilt dies für marine & aviation und sonstige Londoner Spezialitäten.

Das erste Halbjahr 2019 ist mangels größerer Naturkatastrophenchäden im Vergleich zu den Vorjahren großartig verlaufen – mit Ausnahme der SwissRe ab, die es im ersten Halbjahr auf eine Combined Ratio von 100,5 Prozent gebracht hatte. Dies ist vor allem eine Folge von Typhoon “Jebi” (2018) in Japan. Hurrikan “Dorian” dürfte die Assekuranz weniger als zehn Mrd. US-Dollar kosten.

Die Munich Re arbeitet indes an geographisch differenzierten Risikonidices für besonders naturkatastrophenexponierte Gebiete, insbesonder Kalifornien, Colorado, Arizona, Teille von Kanada. Dasselbe Konzept soll auch in anderen Gegenden zum Einsatz kommen, etwa Portugal. Es geht dabeo vorall um Kumul und Preisfindung im Bereich residential/commercial in diesen Regionen.

Die Hannover Rück freut sich über die neue Preisdisziplin von Lloyds, die sich insbesondere in den Specialty Lines segensreich auswirkt. Zudem habe der Schadenfall um die Boeing 737 Max gezeigt, dass Flugzeughersteller ihre eigene Haftung den Airlines gegenüber für die fehlende Einsetzbarkeit von verkauften Flugzeugen bei weitem zu gering abdecken Im konkreten Fall mit bloßen 0,5 Mrd. US-Dollar.

Die Ratingagenturen Fitch und AM kommen jedenfalls übereinstimmend zu einer positiven Markteinschätzung. So werden die Jahresergebnisse nicht mehr durch Posotovabwicklungen geschönt. Um die Marktergebnisse realistischer beurteilen zu können, soll die tatsächliche Großschadenbelastung durch ein jährliches Mittel ersetzt werden. Beides würde dazu führen, dass sich die Schaden-Kostenquote auf etwa 99 Prozent einpendeln würde – auch wenn diese eigentlich noch zu hoch ist, um die erforderliche Eigenkapitalrendite von knapp acht Prozent sicherzustellen.

Autor: Philipp Thomas