Hochwasser kostet Versicherer unter eine Mrd. Euro

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Die Pegel sinken langsam, doch die Gefahr ist noch nicht gebannt. Die Deiche sind teils aufgeweicht. „Dass sie nicht brechen, ist noch nicht entschieden“, glaubt Onnen Siems, Geschäftsführer von Meyerthole Siems Kohlruss (MSK). Stand jetzt wird der versicherte Schadenaufwand die Marke von einer Mrd. Euro nicht knacken. Zur Einordnung: 2013 betrug der Hochwasserschaden inflationsbereinigt drei Mrd. Euro, 2002 sechs Mrd. Euro.

Nicht in allen Fällen werden Schäden, die durch das Hochwasser entstehen, durch die Versicherer reguliert: „Wenn das Wasser durch den Anstieg des Grundwassers ‚nur‘ im Keller steht – also nicht das Grundstück überschwemmt –, dann ist der Schaden durch die Elementarversicherung im Allgemeinen nicht gedeckt“, erklärt Siems.

In Niedersachsen sind nur etwas mehr als 30 Prozent der Häuser gegen Elementarschäden versichert. „Ein Grund hierfür könnte die subjektive Risikowahrnehmung sein“, vermutet der Experte. „Da die Gefahr ‚Sturmflut‘ in der Regel nicht Gegenstand der Versicherung ist, erscheinen Elementarabsicherungen für viele Menschen in Niedersachsen möglicherweise weniger attraktiv. Die Gefahr ‚Überschwemmung‘, um die es in diesem Fall geht, ist zwar meist in der Elementarversicherung abgedeckt, wird aber oft nicht als akute Bedrohung eingeschätzt.“

Vergangene Hochwasser mit weiträumigen Auswirkungen in Europa traten in den Jahren 2002 und 2013 auf. Diese Ereignisse entstanden jedoch durch große Regenmengen in den Sommermonaten und trafen unterschiedliche Regionen“, erläutert Prof. Dr. Stephanie Fiedler, die Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) in meteorologischen Fragen berät.

Die damaligen Hochwasser richteten in Deutschland einen massiven Versicherungsschaden an, der deutlich höher ausfiel als dies aktuell der Fall ist, sofern die Deiche nicht brechen. 2013 betrug der Schaden inflationsbereinigt drei Mrd. Euro, 2002 sechs Mrd. Euro.

Hochwasser wie das jetzige entstehen durch Extremwetter. Im Winter sind Hochwasserereignisse durch relativ warme Temperaturen begünstigt. Höhere Temperaturen führen zu mehr Wasserdampf in der Atmosphäre, die mit Tiefdruckgebieten vom Atlantik nach Europa gelangen und hier anstatt von Schnee in Form von Regen fallen. „Der Regen führt unmittelbar zu steigenden Pegeln im Gegensatz zu Schnee, der bei geringen Temperaturen das Wasser zunächst speichert und erst bei Tauwetter in die Region fließen lässt“, sagt Fiedler an.

Wie sich der Selbstbehalt der Versicherer beim aktuellen Hochwasser darstellt, hängt von mehreren Faktoren ab. In den Kumul-XLs (Schadenexzedenten) stelle sich immer die Frage, welche Einzelschäden für die Inanspruchnahme des Rückversicherungs-Vertrages zusammengefasst werden können. Zunächst müssen diese laut MSK aus einer Ursache sein und räumlich und zeitlich zusammenhängen.

Für die zeitliche Komponente gelten in den Standardklauseln für die Gefahren Sturm und Hagel 72 Stunden, für Schäden aus Flut/Überschwemmung 168 Stunden, also eine Woche. Den 168-Stundenzeitraum könne der Erstversicherer ‚passend‘ im Sinne einer maximalen Rückversicherungsentlastung festlegen, heißt es in der MSK-Analyse. Die 168-Stunden-Klausel werde in letzter Zeit oft auch durch 504 Stunden ersetzt, also drei Wochen. Zoltan, das Sturmtief, das sich kurz vor Heiligabend ereignete, sei als eigenständiges Ereignis zu werten, also separat abzurechnen.

Autor: VW-Redaktion