GDV-Statement zur Stern-TV-Sendung bringt Vermittler noch mehr in Rage

GDV-Präsident Norbert Rollinger (rechts) im Gespräch mit Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Bildquelle: GDV

Die bereits vielfach diskutierte Stern-TV-Sendung lässt viele Versicherungsvermittler auch einen Monat nach ihrer Ausstrahlung nicht los. Die Wut richtet sich nicht mehr gegen Hermann-Josef Tenhagen oder Ron Perduss, sondern gegen ein Statement des GDV, welches als „windelweich“ bezeichnet wird. So lautet nur eine von vielen Social-Media-Zuschriften an VWheute. Dabei zeichneten sich die Risse zwischen GDV und Vermittlerschaft schon seit längerer Zeit ab.

Jene „Stern TV“-Ausgabe vom 2. November hat in Vermittlerkreisen geradezu traurige Berühmtheit erlangt (wir berichteten). Die dort geäußerten Fragwürdigkeiten über den Nutzen von Versicherungen im Allgemeinen und den Sinn von Versicherungsvermittlern im Speziellen hat viele Branchenprofis nachhaltig fassungslos und aufgewühlt zurückgelassen.    

Man kann das an dieser Stelle nicht alles wiederholen. Nur so viel: Ein Zuschauer im RTL-Studio stellte diese Frage: Lieber im Internet Versicherungen abschließen oder bei einem Finanzberater? Der eingeladene Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen entgegnete: „Normalerweise lieber im Internet abschließen, weil der Finanzberater von Provisionen lebt.“ Dass Vergleichsportale ebenfalls Provisionen kassieren, wurde nicht weiter thematisiert.

Thematisiert haben das dafür zahlreiche Leser von VWheute, darunter erwartungsgemäß viele Vermittler – und das lautstark, hin und wieder auch sarkastisch: „Vielleicht wechselt Hermann-Josef Tenhagen bald zu Check24?“, war noch einer der harmloseren Kommentare, die bei dieser Redaktion eintrudelten. Doch der Ärger der Vermittlerschaft richtet sich keineswegs nur gegen Tenhagen und Co. und auch nicht allein gegen den Sender RTL, der Tenhagen und Ron Perduss (vorgestellt als „RTL-Verbraucherschützer“) diese überaus wacklige Bühne vor einem Millionenpublikum hinzimmerte. Nein, auch der GDV erntete den Unmut der Finanzprofis. Denn der Versicherungsverband rang sich nur höchst widerwillig und erst spät zu einer eigenen Erklärung zur Sendung durch, die wahrlich keine TV-Sternstunde war (hier nachzulesen im Wortlaut).

Und diese Erklärung machte es nicht besser – im Gegenteil. Nachdem Vermittler dem GDV zunächst nur Untätigkeit vorwarfen, ob des langen Zauderns, dürfte vielen beim Lesen des ausführlichen GDV-Statements dieser Gedanke in den Sinn gekommen sein: „Viel gesagt und nichts ausgesagt.“ So kommentierte es Achim R. vor wenigen Tagen auf der Facebook-Seite von VWheute. Rainer S. sieht es ganz ähnlich: „Viel geschrieben, nix gesagt … was ist das für eine Stellungnahme?“, schien sich der Facebook-Nutzer verwundert die Augen zu reiben. Der Tenor des guten Dutzends an Kommentaren, die bislang allein auf Facebook zusammengekommen sind, lautet (sehr frei übersetzt): Diese windelweiche Erklärung des GDV, die niemandem weh tun möchte, hilft auch niemandem.

Tenor: Was soll diese windelweiche Erklärung, die niemandem wehtut, aber auch niemandem hilft?

So heißt es beispielsweise zum Schluss der Erklärung, dass immer auch zu beachten sei, „dass Versicherungsvermittler selbstständige Unternehmer sind, die ihre eigene Interessenvertretung haben. In deren Händen liegt auch die Öffentlichkeitsarbeit für Vermittler. Der GDV ist bezüglich der Vertriebsthemen natürlich im Austausch mit den Vermittlerverbänden. Dabei stimmen wir uns dazu ab, wo wir gemeinsame Interessen vertreten und auch, wo die Verbände unterschiedliche Interessen haben.“ Bei vielen Vermittlern kommt diese Passage in etwa so an: „Huch, da können wir jetzt auch nichts machen, seht zu wie ihr klarkommt!“

Viele Kommentatoren auf Facebook sowie auf LinkedIn und der VWheute-Website reagierten sichtlich enttäuscht, aber auch nicht allzu überrascht, auf die GDV-Einlassung.

Andreas R. schreibt auf Facebook:

„Anders kenne ich den GDV nicht. Wenn auch nur fünf Prozent dieser jahrelang vorgebrachten, teilweise polemischen Vorwürfe, bspw. gegen die deutsche Automobilindustrie gehen würden, hätte deren Gesamtverband mindestens einen Termin beim Kanzler. Unsere Branchenvertreter kennen den aufrechten Gang nicht.“

Thomas L. zweifelt auf Facebook ganz grundsätzlich die Bereitschaft des GDV an, für die Interessen der Vermittler einzustehen:

„Allein schon die klammheimliche Umbenennung des GDV vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft zum Gesamtverband der Versicherer spricht für sich. Für mich ist das nur eine von vielen Klüngeltruppen, die die Probleme unserer Branche nicht anpacken.“

Michael Z. stößt auf LinkedIn in das gleiche Horn:

„Der GDV vertritt ausdrücklich keine Vermittlerinteressen, sondern ausschließlich Versicherungen und deren Interessen.“

Stefan R. wirft dem Verband in seinem Facebook-Post vor, abgehoben zu agieren, quasi weit entrückt von den Niederungen im Vertrieb. Zugleich macht er aber auch der eigenen Zunft Vorwürfe:

„Wenn du im Elfenbeinturm sitzend, ganz unberührt von der Realität, eine theoretische Abhandlung verfasst, akribisch darauf bedacht, niemandem zu nahezutreten, dessen Stimme oder Geld du noch brauchen könntest. Man hat sich, ganz wie in Politik und Medien, eingerichtet. Warm und trocken, mit sauberen Händen. Vermittler wollen das so, sonst würden sie sich organisieren und für ihren Berufsstand arbeiten. Statt sich ein ums andere Mal durch den Kakao ziehen zu lassen.“

Alexander W, schreibt auf LinkedIn, dass der GDV „seit Jahrzehnten über jedes Stöckchen“ springe, dass die „Verbraucherschützer“ ihnen hinhielten. Der Verband vernachlässige seine gesellschaftliche Aufgabe und werde seiner Bedeutung nicht gerecht. Das Fazit von W.: „Im Grunde nur ein Verband, in dem die Lobby-Gelder gesammelt werden, um diese dann gezielt für die eigenen Interessen der Konzerne einzusetzen.“

Mitch K. beklagt auf Facebook, dass „unsere Branche immer noch alles mit sich machen lässt. Wir sind ja alles Einzelkämpfer („eigenständige Unternehmer“)“. Weder am Image, noch am Auftritt beziehungsweise der Außenwirkung des Berufsstandes, werde gearbeitet. „Wir sind in den Köpfen der Menschen immer noch die gleichen Drücker, die man aus den 90ern kennt – und das, obwohl wir eine soziale Aufgabe haben, die heutzutage dringender denn je benötigt wird. Thema: Altersarmut, zunehmende Umweltkatastrophen und Starkwetterereignissen, Zunahme psychischer Erkrankungen usw., usw.“

Und dann schreibt Mitch K. auch noch das: „Problem ist und bleibt einfach, dass wir Vermittler, bzw. wir als Branche einfach immer noch keine Lobby haben und wahrscheinlich auch nie haben werden.“

Michael Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), dürfte das freilich anders sehen. Gleichwohl geht Heinz sehr offen mit dem sprichwörtlichen Elefanten im Raum um: Es gibt eben sehr wohl verschiedene Interessenlagen bei GDV einerseits und BVK andererseits.

Heinz: „Nein, ich kenne Herrn Asmussen nicht persönlich“

Und dann ist es ja auch ein offenes Geheimnis, dass der BVK-Präsident und der GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen sich einander nicht grün sind. Zu einem persönlichen Treffen der beiden sei es jedenfalls noch nie gekommen. Das sagte Heinz Ende Januar im Podcast-Gespräch mit Pfefferminzia. Asmussen lege da „wohl keinen Wert drauf“, sagte Heinz (nachzuhören ab Minute 35) – und ließ durchblicken, dass er dieses Gebaren nicht ganz normal findet. Schließlich habe er während seiner bislang gut 25 Jahre währenden Tätigkeit im BVK-Präsidium schon „immer gute, harmonische Termine“ mit GDV-Repräsentanten gehabt. Erst kurz vor der Podcast-Aufzeichnung schneite zum Beispiel der frisch gewählte GDV-Präsident Norbert Rollinger „zum Antrittsbesuch“ in den Bonner BVK-Büros vorbei. „Ich war gespannt, ob Herr Dr. Rollinger seinen Hauptgeschäftsführer mitbringt – dem war nicht so, ich habe das zu respektieren.“ Wenngleich das Heinz nicht davon abhält, mit einer ordentlich portionierten Süffisanz zu erklären:

„Nein, ich kenne Herrn Asmussen nicht persönlich. Aber ich glaube, der ist erst seit zwei oder drei Jahren im Amt. Da kann man ja nicht verlangen, dass der GDV-Hauptgeschäftsführer sich mit dem Präsidenten des größten Vermittlerverbandes zusammensetzt.“

Michael Heinz

Man sehe sich aber zumindest „in verschiedenen Szenarien und Verhandlungen“. Weiter verwies Heinz im Gespräch darauf, dass es in der jüngeren Vergangenheit „die ein oder andere irritierende Aussage von Seiten des GDV, respektive des entsprechenden Hauptgeschäftsführers“ gegeben habe.

Und dann ging der BVK-Präsident noch einmal sehr direkt Jörg Asmussen an: Dieser habe womöglich „aufgrund seiner politischen Verortung in der SPD noch nicht umgestellt auf seine Tätigkeit beim GDV“. Vielleicht habe Asmussen daher „immer noch ein wenig den Gedanken, dass man doch gewisse Vermittlungsszenarien durchaus ohne Vermittler durchführen könne“, so Heinz. Damit erinnerte der BVK-Präsident an den Vorschlag Asmussens, „die Riester-Rente im Sinne einer Online-Vermittlung ins Leben zu rufen“. Sprich: ohne Zutun der Vermittler. Nur weil der BVK entsprechend laut beim GDV interveniert habe, so Heinz, hieß es am Ende: „War ja alles nicht so gemeint.“

Ein wirklich ehrlich gemeintes Zurückrudern würden sich viele Vermittler wohl auch von Hermann-Josef Tenhagen erhoffen. Bald ist Weihnachten, das Fest der Versöhnung, da darf man sich bekanntlich etwas wünschen. Warum nicht auch – sofern nicht bereits geschehen – ein persönliches Treffen zwischen Jörg Asmussen und Michael Heinz.

Autor: Lorenz Klein

2 Kommentare

  • Der Aufschrei der Vermittler war zu erwarten, ist aber nur bedingt gerechtfertigt.

    So lange der Organisationsgrad der Vermittler insgesamt bei etwa 10% liegt (zu deutsch: 90% der Vermittler sind nicht Mitglied eines Verbandes dessen Aktivität hier lauthals eingefordert wird) hat der Vermittler selbst schuld. Man spart sich die Beiträge, lacht sich ins Fäustchen, wenn der Verband – für einen selbst kostenlos wie eine DKM-Teilnahme – etwas erstritten hat und empört sich, dass „unsere Branche keine Lobby hat“.

    Woher denn auch?

  • Aufgrund der Reaktionen/Aktionen des BVKs werde ich sogar als AOler eine Mitgliedschaft beim BVK abschließen und kann nur hoffen, dass sich andere Vermittler anschließen.

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