Signal Iduna-Chef Leitermann exklusiv: „Knackpunkt ist, dass man sich von den klassischen Strukturen löst“

Ulrich Leiterman, CEO Signal Iduna, Quelle: Signal Iduna

Kaum eine Branche wandelt sich derzeit so schnell wie die Versicherungswirtschaft – zum Teil ist es auch der Corona-Pandemie geschuldet. Ulrich Leitermann, Vorsitzender der Vorstände der Signal Iduna-Gruppe, kommentiert die Folgen für den Kunden und die Arbeitswelt der Versicherer.

Die Bilder sind im Kopf geblieben: Überschwemmte Straßen, in denen Autos wie Spielzeug weggespült werden. Menschen, die vor Wassermassen fliehen. Zerstörte Häuser. Mehr als 180 Menschen kamen bei den fürchterlichen Überschwemmungen in diesem Sommer ums Leben – so viele wie seit Generationen nicht mehr. Gleichzeitig flammte zum Jahreswechsel mit Corona eine Katastrophe wieder auf, die viele – auch in der Berliner Politik – offenbar schon für überwunden geglaubt hatten.

Die Corona-Pandemie und das Jahrhunderthochwasser – die Unglücke haben gezeigt, wie wichtig eine starke und funktionierende Versicherungswirtschaft für unser Land, die Wirtschaft und unsere Gesellschaft ist. Beide Themen werden uns als Signal-Iduna-Gruppe auch 2022 begleiten. Die Corona-Pandemie wird uns kurz- und mittelfristig stark beschäftigen: Es gilt Notfallpläne zu überarbeiten, Mitarbeitende zu schützen und gleichzeitig bestmöglich für unsere Kundinnen und Kunden da zu sein. Der Klimawandel, als Auslöser von künftigen Naturkatastrophen, ist dagegen ein Thema, auf das wir uns langfristig einstellen müssen und an dem wir gerade mit Hochdruck arbeiten. Nachhaltigkeit ist neben der Digitalisierung das Megathema der Zukunft.

Transformation muss sich beschleunigen

Was heißt das für die Signal Iduna-Gruppe und für das Jahr 2022? Aus meiner Sicht unterstreichen die Entwicklungen, dass wir die Transformation weiter beschleunigen müssen. Die Corona-Krise hat, wie kein anderes Ereignis zuvor, für einen Digitalisierungsschub in unserer Gesellschaft gesorgt. Bezahlen mit dem Handy, digitale Behördentermine, Online-Meetings statt langer Dienstreisen – was früher eher die Ausnahme war, wird immer mehr zum Alltag. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Wünsche und das Verhalten unserer Kundinnen und Kunden. Kaum eine Branche wandelt sich derzeit so schnell wie die Versicherungswirtschaft.

Bei Signal Iduna haben wir 2018 das Transformationsprogramm Vision 2023 gestartet. Mehr als tausend Mitarbeitende arbeiten nach agilen Methoden. Grundsätzlich geht es darum, als Unternehmen flexibler, antizipativer und schneller auf die Veränderungen im Markt und bei Kundenwünschen zu reagieren. Der Knackpunkt dabei ist, dass man sich als Organisation von den klassischen Strukturen löst, die meist prozess- oder projektorientiert sind. Anders beim agilen Arbeiten: Einzig der Zeitrahmen und das Budget sind nicht verhandelbar, das Ergebnis kann angepasst werden. Statt starrer Hierarchien und Ressorts werden für jede neue Aufgabe crossfunktionale Teams gebildet, in denen Mitarbeitende aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen ihre Fähigkeiten und Expertise gemeinsam einsetzen.

Produktentwicklung anhand der Kundenjourney

Früher hätten wir einen neuen Tarif oder ein neues Produkt nach dem klassischen Vorgehen entwickelt. Produktmanager überlegen sich, was der Markt und die Kundinnen und Kunden benötigen. Die Aktuare errechnen mit ihren mathematischen Modellen den Tarif. Die IT beginnt damit, das neue Produkt zu programmieren. Dann wird das neue Produkt mit entsprechenden Marketingmaßnahmen auf den Markt gebracht. In agilen Strukturen geht das anders. Hier wird von Anfang an konsequent entlang der Kundenjourney gearbeitet. Die Kundinnen und Kunden von Anfang an mit einbezogen. Das gilt nicht nur für neue Produkte und Lösungen – beispielsweise im Bereich „New Mobility“, sondern auch im Schadenbereich. Veränderung ist die neue Normalität – in einer hoffentlich endlich neuen Normalität nach den Höhepunkten der Corona-Pandemie.

Autor: Ulrich Leitermann, Vorsitzender der Vorstände der Signal Iduna-Gruppe

2 Kommentare

  • unklare Zuständigkeiten; überforderte Mitarbeiter; viele Kündigungen in den letzten Jahren; Viele, die Verantwortung aufgeben, wegen der Belastung; Einschränkung der monetären Entwicklung bei den Mitarbeitern… auch das ist bei Signal Iduna/ Deutscher Ring derzeit.

  • Bin überrascht wie zukunftsorientiert man sich hier gibt. Paßt aber eigentlich nicht zu dem, was wir regelmäßig erleben. Emails werden bestenfalls nach Wochen und etlichen Erinnerungen erledigt. Nur, weil man gendert ist man ein noch kein fortschrittliches Unternehmen. Damit spricht spricht man im besten Fall 25% der Kunden (links-grün) an. Der Rest ist davon eher genervt. Würde mir mehr wünschen, dass man als Makler bei seinen Aufgaben für den Kunden unterstützt wird.

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