Württembergische-Chefin Hanning trotzt den Krisen: “Wir sind bei den wichtigen Themen auf Kurs geblieben”

Im Gespräch mit VWheute zieht Zeliha Hanning, Vorstandsvorsitzende Württembergische Versicherung AG, eine Bilanz für das erste Halbjahr 2021. Quelle: ARTIS-Uli Deck/BGV

Spätestens seit der Talkrunde VersicherungswirtschaftClub kennt jeder in der Branche Zeliha Hanning. Zum Jahresbeginn übernahm sie den Vorstandsvorsitz der Württembergischen Versicherung und kann direkt Erfolge vorweisen, wie die Halbjahreszahlen zeigen. Im Interview zeigt sie sich selbstbewusst. Welches Ergebnis sie sich von der Bundestagswahl erhofft, was sie im eigenen Haus verbessern möchte und welches Ergebnis am Ende des Jahres stehen wird, verrät sie im Gespräch.  

VWheute: Frau Hanning, in den ersten sechs Monaten als Chefin der Württembergischen Versicherung und Vertriebschefin der Württembergischen Lebensversicherung verzeichnen Sie Geschäftszuwächse bei gleichzeitiger Verbesserung der Combined Ratio trotz Flut und Stürmen. Wie haben Sie das gemacht?

Zeliha Hanning:
In der Tat hat die Württembergische Versicherung im ersten Halbjahr 2021 von einem günstigen Schadenverlauf in der Schaden- und Unfallversicherung bei gleichzeitig guter Kapitalmarktentwicklung profitiert. Das ist es aber nicht allein. Erfolg ist immer ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Bei der Württembergischen gehören dazu: eine umfassende Betreuung der Kundinnen und Kunden, Geschäftspartnerinnen und -partner, beispielsweise auch der angebundenen Maklerinnen und Makler.

Dazu kommen ein hohes Servicelevel und ein durchdachtes Produktportfolio, welches die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden passgenau abbildet. Wir profitieren zudem davon, dass sich die Vertriebswege bei uns sehr gut ergänzen. Auch unsere digitalen Aktivitäten und Angebote, beispielsweise über unsere Digitalmarke Adam Riese, kommen am Markt gut an. Gleichzeitig setzen wir gezielt strategische Schwerpunkte, wo wir wachsen wollen und dies auch tun, etwa als “verlässlicher Partner des Mittelstands”.

Auch wenn das erste Halbjahr unter dem Strich positiv war – es gibt doch immer Spielraum nach oben: beispielsweise beim Thema Prozesse, wo wir noch besser werden wollen. Und was das Thema Combined Ratio angeht, so haben wir in den ersten sechs Monaten natürlich von geringen Schadenszahlen profitiert. Die Unwetter des Sommers, insbesondere auch die Überflutungen, stellen uns – wie die gesamte Branche – jetzt allerdings vor Herausforderungen. Derzeit geht es vorrangig darum, unsere Versicherten nach den Unwettern bestmöglich und pragmatisch in ihrer Not zu unterstützen und Schäden möglichst unbürokratisch zu regulieren.

Wir haben beispielsweise die Anzahl unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der Bearbeitung der Schäden tätig sind, kurzfristig hochgefahren und auch vorhandene Vollmachten erweitert, um unseren Kundinnen und Kunden schnell und unbürokratisch weiterzuhelfen. Dabei hilft auch unser Schadentruck, den wir in der betroffenen Region postiert haben. Das Fahrzeug bietet einen direkten Anlaufpunkt sowohl für unsere Versicherten im Schadensgebiet als auch für unsere an der Bearbeitung der Schäden beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

VWheute: Wie werden sich die Flutschäden auf die Schaden-Kostenquote und die Zahlen des zweiten Halbjahres auswirken?

Zeliha Hanning:
Die Flutkatastrophe im Juli in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wird natürlich die Schadenquote im dritten Quartal signifikant beeinflussen – die Branche verzeichnet Milliardenschäden und für die Württembergische erwarten wir einen Bruttoschaden im dreistelligen Millionenbereich. Es ist einer der größten bisher verzeichneten Einzelschäden in unserer Firmenhistorie. Gleichzeitig profitieren wir allerdings von einer ausgereiften, vorausschauenden Rückversicherungsstrategie, welche die Belastung insgesamt in Grenzen halten wird. Das ist ein beruhigendes Gefühl.

VWheute: Wie blicken Sie auf die kommende Wahl, welche Impulse erhoffen Sie sich in den Feldern Altersvorsorge und Regulierung was fürchten Sie?

Zeliha Hanning:
Meines Erachtens ist es aktuell noch zu früh, um das zu beurteilen. Erst nach der Wahl, wenn Koalitionen gebildet sind, lässt sich sicher abschätzen, in welcher Weise unsere Branche betroffen sein wird. Bereits in der Vergangenheit haben wir aber gelernt – egal, welche Partei am Ruder war: Das Thema Regulatorik hat nach jeder Wahl größeren Raum eingenommen. Und es wird uns wohl auch in Zukunft begleiten und beschäftigen. In der Altersvorsorge erhoffen wir uns, dass das Thema Riester künftig nicht mehr so komplex und verwaltungsintensiv ist wie heute.

VWheute: Auf welchen Bereich wollen Sie im zweiten Halbjahr besonderes Augenmerk richten, was sind Ihre Ziele?

Zeliha Hanning:
Auch wenn wir gut unterwegs sind – es gibt natürlich nichts, was sich nicht noch optimieren ließe. Wir werden beispielsweise weiter daran arbeiten, Zugangswege zur Württembergischen – gerade im Digitalbereich – weiter auszubauen. Für viele Menschen bleibt der persönliche Kontakt unverzichtbar, sollte aber – nicht nur in Zeiten von Corona – durch digitale Zugangswege und Angebote ergänzt werden. Diese Strategie kommt gut an. Das zeigt auch unsere Digitalmarke Adam Riese: Sie zählt mittlerweile über 200.000 Kundinnen und Kunden, die rein online ihre Versicherungen abgeschlossen haben.

Ein Beispiel für unsere jüngsten Aktivitäten ist auch die weiter ausgebaute Möglichkeit zur digitalen Schadensmeldung, welche von den Versicherten zunehmend angenommen wird. Auch als “Partner des Mittelstands” werden wir weiterhin Schwerpunkte setzen, etwa bei Gewerbeversicherungen, betrieblicher Altersversorgung und betrieblicher Krankenversicherung. Nicht zuletzt wollen wir das Thema Kostenquoten auch in den kommenden Monaten im Blick behalten, an der fortlaufenden Verbesserung von Prozessen arbeiten und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konsequent fördern.

VWheute: Am Ende des Jahres wird Frau Hanning über 2021 sagen: “Es war schwierig, aber …”

Zeliha Hanning:
… wir sind bei den wichtigen Themen Wachstum, Service und Kosten auf Kurs geblieben. In den Bereichen Beratungsqualität und Service spielen wir ganz vorne mit. Und wir haben ein zufriedenes, motiviertes Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der Württembergischen – trotz Corona-Pandemie und einer beträchtlichen Zahl von Kumulschäden. Auch das neue Jahr werden wir mit Zuversicht und Elan angehen.

Wer Frau Hanning im “VersicherungswirtschaftClub” verpasst hat, kann an dieser Stelle das Wesentliche nachlesen. Neben ihr waren in den Hallen der BGV-Versicherung zu Gast:

  • Norbert Rollinger, Vorstandsvorsitzender R+V-Konzern,
  • Ramin Niroumand,  Finleap-CEO
  • Frank Grund, Exekutivdirektor der Bafin
  • Giovanni Liverani, Generali-Deutschlandchef

Wer den ersten Teil des “Clubs” verpasst hat, dem sei gesagt: In Bälde folgt Teil II – erneut mit hochkarätigen Gästen. Mehr Infos gibt es in Kürze auf VWheute und in der Versicherungswirtschaft.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

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