Corona und die Folgen: Versicherer schrauben an ihrer Kostenstruktur

Dirk Wouters auf Pixabay

Die Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie verschärft in der Versicherungsbranche den bestehenden Kostendruck. Mit Zero-Based-Kostenmanagement können sich die notwendigen Einsparungen binnen drei Monaten bemerkbar machen, verspricht die Managementberatung Bain & Company. Die schwerste Rezession seit Jahrzehnten, Zinsen nahe der Nulllinie über einen langen Zeitraum hinweg und eine immer schneller werdende Digitalisierung: Das Geschäftsmodell der Versicherer steht derzeit gleich vor mehreren großen Problemen.

So zwingen die Corona-Pandemie und die dadurch ausgelöste weltweite Wirtschaftskrise die gesamte Branche zum Handeln. Gleiches gilt für den digitalen Wandel. Dieser hat durch den Lockdown im Frühjahr 2020 an Tempo zugelegt, viele Firmen- und Privatkunden haben sich an neue Arbeits- und Kommunikationsformen gewöhnt. Trotz des bestehenden Kostendrucks in der Rezession benötigen die Versicherer höhere Investitionsbudgets, um ihre IT-Infrastruktur modernisieren und die vielfältigen Chancen der Digitalisierung in vollem Umfang nutzen zu können.

Nachhaltig Kosten sparen ist die Devise

Eine strukturelle und dauerhafte Senkung der Kosten im zweistelligen Prozentbereich ist daher zwingend notwendig. Nur so können Versicherer auch in den kommenden Jahren erfolgreich bleiben. Bei klassischen Sparprogrammen bleiben die gewünschten Resultate jedoch oft aus, wie eine von Bain durchgeführte branchenübergreifende internationale Befragung von rund 100 Topmanagern zeigt. Darin geben 90 Prozent an, dass in ihren Unternehmen zwar Programme zur Kostenreduzierung laufen, doch 75 Prozent davon ihre Einsparziele nicht erreichen würden. Abhilfe kann das Zero-Based-Kostenmanagement schaffen – und damit eine strukturelle, längerfristig angelegte Kostentransformation. Die Kernelemente dabei sind Zero-Based-Redesign und Zero-Based-Budgeting.

Quelle: Bain & Company

Gute Resultate binnen drei Monaten

Zero-Based-Redesign kann die gesamte Wertschöpfungskette eines Versicherers erfassen und verbessern – von der Distribution über Underwriting und Schadenmanagement bis hin zur Verwaltung. Alle Überlegungen drehen sich durchweg um die Frage, welche Aufgaben künftig wie zu erledigen sind. Die Ausnahmesituation vom Frühjahr 2020 hat dazu wichtige Hinweise gegeben. Denn im Lockdown haben sich viele Unternehmen über alle Branchen hinweg auf unabdingbare, erfolgskritische Tätigkeiten konzentriert. Sie haben neue Arbeitsweisen erprobt und den Stellenwert von Flexibilität, Agilität sowie dem reibungslosen Zugriff auf Daten und digitale Werkzeuge erkannt.

Unabhängig davon gibt es fünf zentrale Stellhebel, die Versicherungen helfen, ihre Kostenstruktur zu optimieren und sich auf die neue Normalität vorzubereiten. Dies sind im Einzelnen:

  1. Aktivitäten, Produkte, Strukturen und Prozesse konsequent vereinfachen
  2. Automatisierung und Digitalisierung vorantreiben
  3. Einkauf/Beschaffung mit operationaler Resilienz in Einklang bringen
  4. Neue Arbeitsformen nutzen
  5. Klare Verantwortlichkeiten schaffen

Auf den ersten Blick mag Zero-Based-Redesign wie ein Mammutprojekt erscheinen, das ein Unternehmen über Jahre hinweg beschäftigt. Doch in Wirklichkeit stellen sich bereits innerhalb von drei Monaten deutliche Erfolge ein.

Erfolgsgarant Zero-Based-Budgeting

Während Zero-Based-Redesign Versicherern den Weg in die neue Normalität bahnt, macht Zero-Based-Budgeting ihn auf Dauer gangbar. Sieben Eigenschaften zeichnen es aus: detaillierte Kostentransparenz, treiberbasierte Budgets, doppelte Verantwortlichkeit, laufende Nachverfolgung und Kontrolle, Echtzeit-Kostentransparenz, Matrix-Anreizsysteme sowie schnellere Potenzialrealisierung dank agiler Methoden.

Beim Zero-Based-Budgeting wird das jeweilige Kostenprogramm zunächst auf Ziele und Unternehmenskultur der Versicherer abgestimmt. Manche starten mit einigen ausgewählten betrieblichen Funktionen und Aufgabenbereichen, andere gehen direkt die gesamte Organisation an. In jedem Fall entsteht mit Zero-Based-Budgeting ein nachhaltiges Kostenmanagement mit kontinuierlichen Verbesserungsmöglichkeiten.

Finanzieller Freiraum für Investitionen

Mithilfe eines stringenten Kostenmanagements können Versicherungen ihre Effizienz nachhaltig steigern. Die niedrigeren Kosten bieten nicht nur einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Vielmehr schaffen sie auch den finanziellen Freiraum, in künftiges Wachstum und neue Technologien zu investieren.

Autoren: Christian Kinder ist Partner bei Bain & Company in München und leitet die Praxisgruppe Versicherungen in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) / Bent Lüngen ist Partner bei Bain & Company in Berlin und Experte im Versicherungssektor

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