Lebensversicherer schrauben Überschussbeteiligung nicht mehr ganz so stark hoch
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Die Überschussbeteiligungen der deutschen Lebensversicherer fallen in diesem Jahr höher aus als 2025, allerdings verlor der Anstieg gegenüber den beiden Vorjahren deutlich an Schwung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Marktauswertung des Analysehauses Morgen & Morgen. Dazu hatten die Fachleute die Deklarationen von 50 Lebensversicherern unter die Lupe genommen.
Anfang 2023 hatte sich nach Jahren der Stagnation erstmals eine Trendwende bei den Überschussdeklarationen in der Lebensversicherung abgezeichnet, wie die Analysten berichten. Getragen vom steigenden Zinsniveau an den Kapitalmärkten nahm die Entwicklung im Folgejahr deutlich Fahrt auf, die sich 2025 fortsetzte. Für das Jahr 2026 konstatieren die Analysten nun abermals Anhebungen im Gesamtmarkt, allerdings nicht mehr in der Breite der Vorjahre.
Während zu Beginn der Trendwende noch 37 Versicherer ihre Überschussbeteiligung – womit die Fachleute die laufende Verzinsung meinen – erhöhten, waren es im darauffolgenden Jahr 18 und aktuell lediglich 14 Gesellschaften. Dennoch steigt der Durchschnittswert über alle Anbieter hinweg von 2,5 auf 2,6 Prozent. Auch die Spitze verschiebt sich nach oben: Die höchste Überschussbeteiligung liegt nun bei 3,6 Prozent, nachdem sie im Vorjahr noch 3,25 Prozent betragen hatte.
Die Namen der Gesellschaften nennt das Analysehaus in seiner Mitteilung nicht. Eine VWheute-Recherche ergab, dass es sich bei dem Spitzenreiter um die Direkte Leben Versicherung AG handelt. Sie ist eine Tochter der Stuttgarter Leben und hat sich auf die Bestattungsvorsorge spezialisiert. Das Unternehmen steigert seine Überschussbeteiligung deutlich von 2,70 Prozent im Jahr 2025 auf nun 3,60 Prozent. Dahinter folgt der Run-off-Versicherer Athora Leben mit 3,50 Prozent.

Auch am unteren Ende der Skala zeigt sich Bewegung nach oben. Die niedrigste Überschussbeteiligung beträgt 2026 nun 1,95 Prozent, nachdem sie im Vorjahr noch bei 1,75 Prozent lag. Die individuellen Anpassungen reichen je nach Versicherer von 0,10 bis 0,90 Prozentpunkten; im vergangenen Jahr lag die Bandbreite noch bei maximal 0,80 Punkten. Ein Anbieter senkt seine Deklaration allerdings um 0,4 Prozentpunkte.
Der Großteil der Gesellschaften belässt die Überschussbeteiligung unverändert. Insgesamt verdichten sich die Werte zunehmend in einem engeren Korridor. „Unabhängig von den einzelnen Erhöhungen liegt die Verzinsung inzwischen bei über zwei Dritteln der Versicherer zwischen 2,00 und 2,95 Prozent. Nur ein Versicherer liegt noch knapp unter der Zwei-Prozent-Marke, während das verbleibende Drittel erfreuliche drei Prozent und mehr bietet“, kommentiert Thorsten Saal, Bereichsleiter Mathematik und Rating bei Morgen & Morgen, die jüngste Entwicklung.

Nach Einschätzung der Analysten profitieren Versicherungsnehmer zunehmend von der stabilen Zins- und Kapitalmarktlage. Neben steigenden Überschüssen gewinnen auch Garantien wieder an Bedeutung. Mit der Anhebung des Höchstrechnungszinses Anfang 2025 auf 1,00 Prozent können Versicherer in vielen Neugeschäftstarifen wieder höhere Garantiezinsen kalkulieren. Damit werden auch Produktsegmente attraktiver, die zuvor kaum darstellbar waren, etwa Riester-Tarife.
Eine Verpflichtung zur vollständigen Ausschöpfung des neuen Höchstrechnungszinses besteht allerdings nicht. In einzelnen Sparten wie der Biometrie kommen weiterhin teils niedrigere Rechnungszinsen zum Einsatz. In der Altersvorsorge hingegen verfolgen viele Anbieter das Ziel möglichst hoher Garantien. Wie stark die neuen Spielräume genutzt werden, hängt laut Morgen & Morgen von Faktoren wie Bestandsstruktur, Kapitalanlage und Geschäftspolitik ab.
„Die Überschussbeteiligung spiegelt die individuelle Situation jedes Versicherers wider. Aktuell sehen wir einen stabilen Markt, der Versicherte wieder stärker an der positiven Entwicklung beteiligt und attraktivere Produkte ermöglicht“, fasst Saal die Ergebnisse zusammen.
Autor: VW-Redaktion
