Axa und die Krise: Was macht eigentlich Thomas Buberl?

Meeting mit dem Personal: Thomas Buberl (l.), CEO Axa, Bildquelle: Axa

Thomas Buberl galt in der Geschäftswelt lange als Wunderkind. Zuerst in der Schweiz, dann in Deutschland. Von diesem Ruf hat er sich mittlerweile gelöst. Der Top-Manager gehört heute zur festen Riege der wichtigsten Männer im Versicherungsgewerbe. Er trägt dazu bei, wie es nach Corona mit der Branche weitergeht. Ohne sich in Krisenrhetorik zu verlieren, tankt sich Buberl durch die wohl schwierigste Phase der Axa und seiner Karriere. An seinem Managementstil ist das alles nicht spurlos vorbeigegangen.

Ein Deutscher an der Spitze eines französischen Traditionsversicherers? Geht das? Nicht wenige haben sich diese Frage gestellt als der Wunderknabe Thomas Buberl vor vier Jahren die Nachfolge von Henri de Castries an der Spitze der Axa übernahm.

Buberl wagte immer schon in jungen Jahren den nächsten großen Karriereschritt. 2008 wurde er vom World Economic Forum als Young Global Leader nominiert. Das ebnete viele Möglichkeiten. Mit 32 saß der Manager im Vorstand der Winterthur in der Schweiz, mit 39 an der Spitze der Axa Deutschland.  Dort initiierte er einen fulminanten Transformationsprozess, der auch in Frankreich für Aufsehen sorgte. Im Alter von 43 dann erklomm der Deutsche den Manager-Olymp des Konzerns, übernahm als erster Ausländer den Vorstandsvorsitz.  

Knackpunkt XL-Deal?

Heute, 2020, vier Jahre nach seiner Berufung ist Thomas Buberl mittendrin. Für die Konzernperformance der Axa insgesamt bekommt der Manager viel Lob, mit dem XL-Deal 2018, seiner vor Corona wahrscheinlich größten unternehmerischen Challenge erntete er aber auch Kritik. Das Geschäft kostete die Axa 15 Mrd. US-Dollar. Anleger wie Beobachter fanden den Preis zu teuer.

Buberl versprach sich von dem Deal, dass Axa sein bisher vor allem auf Lebensversicherungen und Vermögensverwaltung konzentriertes Geschäftsmodell verstärkt auf Schaden- und Unfallversicherungen ausrichten könnte. Das wiederum sollte den Weg ebnen, um im Sachversicherungsgeschäft mit Firmenkunden zum weltweiten Branchenführer aufzusteigen – gemessen an den Beitragseinnahmen.

Diese Ziele sind nicht erreicht, zumindest noch nicht. Noch immer belastet die Großübernahme das Zahlenwerk des wichtigsten Rivalen der deutschen Allianz. Buberl ist dennoch zuversichtlich, dass sein Unternehmen auf einem guten Weg sei, die Ziele des strategischen Plans „Ambition 2020“ zu erreichen. Das hat der Top-Manager gelernt: am Ball zu bleiben, wenn es eng wird.

Buberl zeigt sich erstmals Krisenmanager

Im März wurden die Pläne der Axa, wie auch der meisten anderen Unternehmen, mächtig durcheinandergewirbelt, als das Virus Covid-19 nach Europa überschwappte und auch den Standort Frankreich heftig getroffen hatte.

Kurz zuvor noch sprach der Manager mit Blick auf die Folgen der Coronavirus-Epidemie von vorübergehenden Effekten, die sich vor allem aus den Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Einschränkung der Mobilität der Bevölkerung ergäben. Die Ansprache und Unterstützung der Kunden in der Volksrepublik habe sich weitgehend auf das Internet verlagert. Bei der Krankenversicherung zeige sich bislang keine gravierende Steigerung der Schadensfälle.

Diesmal lag Buberl daneben. Doch hätte nicht wirklich jemand realistisch einordnen können, was wenige Wochen später passieren würde. Nun steckt die globale Wirtschaft in einer tiefen Krise. Versicherer sind mit Entschädigungsdebatten konfrontiert, müssen noch stärker mit Bedacht wirtschaften, ohne zu wissen, wie sich der Markt entwickeln wird.

Buberl seinerseits prescht nach vorne. In einem Zeitungsinterview schlug der Manager etwa den Aufbau eines staatlich-privates Versicherungssystem gegen Großgefahren vor. Ein System von privater und staatlicher Hand gegen „sanitäre Katastrophen“ wie Corona hatte er im Kopf, an dem Staat und Privatwirtschaft jeweils die Hälfte halten. Die Allianz hatte ähnliches vorgeschlagen und auch die Munich Re ließ zwischen den Zeilen Wohlwollen durchblicken. Auch der Plan einer Arbeitsgruppe des GDV sieht eine privat-staatliche Deckung für kleine und mittlere Unternehmen vor.

Der Axa-Chef profiliert sich in der Krise als Typ, der etwas wagt und zu sagen hat. Er strahlt Ruhe aus und präsentiert sich nicht nur im Austausch mit den Bossen der Wirtschaft, sondern auch bei den Mitarbeitern. Auf seinem Twitteraccount etwa trifft und dankt er dem Vertrieb für sein Engagement beim Kunden.

Die Belohnung: Axa versichert, dass die Coronavirus-Pandemie keine Folgen für die Beschäftigung und die Vergütung seiner rund 160.000 Mitarbeiter haben werde. Alle Arbeitsplätze würden erhalten bleiben, solange der Stillstand andauere. Auch werde der französische Konzern die Möglichkeit zur Kurzarbeit in Frankreich nicht in Anspruch nehmen. Die Axa versprach zudem, während dieser Zeit keine Sozialversicherungs- oder Steuerzahlungen in Frankreich aufzuschieben. Gute, beruhigende Zeichen, gerade für einen Großkonzern im Umbruch.

Schachzug in der Debatte um Betriebsschließungsversicherungen

In einem Streit um Betriebsschließungsversicherungen für Hotels und Gaststätten hingegen musste die Axa nachgeben. Ein Handelsgericht sprach dem Betreiber von vier Restaurants in Paris Entschädigungen für Umsatzausfälle für zwei Monate zu. Im konkreten Fall hatte Gastronom Stephane Manigold den Versicherer verklagt, nachdem die französische Regierung Bars und Restaurants Mitte März geschlossen hatte, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.

Wie reagierte Axa? Nicht unbedingt, wie man es erwartet hätte. Man versprach den Großteil der Ansprüche einiger Restaurantbesitzer begleichen. Axa teilte mit, weitere 500 Millionen Euro zur Kompensation von Ansprüchen kleinerer Unternehmen bereitstellen zu wollen. Ein kluger und kühl kalkulierter strategischer Zug, wie man ihn vom buberlschen Führungsstil kennt. „Diese Verträge machen weniger als zehn Prozent aller Verträge mit Restaurantbesitzern aus, und ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden werden“, sagte er später.

Er weiß, wie man heikle Debatten beendet und ein gewisses Image pflegt. Wundern wird es keinen.

Autor: Michael Stanczyk

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