Stunde der Versicherer: Eine Zwischenbilanz aus der Coronakrise

Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender Signal Iduna, Quelle: Signal Iduna

Millionen von Menschen haben sich seit Anfang des Jahres mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, mehr als hunderttausend sind weltweit daran gestorben. Gerade jetzt in der Krise sei es wichtig, dass Versicherer zu ihrer Verantwortung stehen, schreibt Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann vor der morgigen Bilanzpressekonferenz exklusiv bei VWheute. Indes könne die Branche nicht beliebig für alle Kosten dieser Jahrhundertkatastrophe bezahlen.

Anträge werden im Schichtdienst bearbeitet, Auszahlungen beschleunigt und in sehr vielen Fällen mehr geleistet, als der Vertragstext eigentlich hergibt. Diese Krise ist auch die Stunde der Versicherer. Wann, wenn nicht jetzt, gilt es zu zeigen, dass wir an der Seite unserer Kunden stehen?

Keine andere Branche steht so sehr für das Versprechen von Sicherheit – sei es in der Krankenversicherung, beimSchutz vor Unfällen oder der Absicherungen gegen berufliche und persönliche Risiken. Mehr als 440 Millionen Verträge haben allein die Deutschen bei ihren Versicherern abgeschlossen.

“Unternehmen können nur für Schäden aufkommen, die auch versichert sind – alles andere würde die Branche überfordern.”

Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna

Trotz der Krise erfüllen die Versicherer ihre Leistungsverpflichtungen. Sie sorgen für Liquidität, weil sie versicherte Schäden rasch und ohne Zeitverzug bezahlen. Und sie sorgen für Vertrauen: Die Menschen können sich darauf verlassen, dass Arztrechnungen weiterbezahlt werden und Auszahlungen aus Rentenverträgen pünktlich auf dem Konto sind.

Neben den betrieblichen Herausforderungen stehen natürlich die Finanziellen im Mittelpunkt. Auch wenn sich die Gesamtkosten der Katastrophe heute nicht einmal annähernd beziffern lassen, steht fest: Auf die Versicherungswirtschaft kommen durch Covid-19 enorme finanzielle Belastungen zu.

Von den zusätzlichen Behandlungskosten in den Krankenhäusern über Ausfallzahlungen für Konzerte und Veranstaltungen bis zu Zahlungen für Betriebsunterbrechungen und Kreditausfälle – all das wird Milliardenbeträge kosten. Die Branche und Unternehmen werden das stemmen können, schließlich werden diese Risiken sorgfältig kalkuliert.

Branche unter Strom

Aber: Versicherer können natürlich nicht beliebig für alle Kosten dieser Jahrhundertkatastrophe bezahlen. Unternehmen können nur für Schäden aufkommen, die auch versichert sind – alles andere würde die Branche überfordern. Und doch können und müssen wir gerade in dieser schwierigen Zeit für unsere Kunden da sein. Für uns als Signal Iduna heißt das, dass wir rasch auf einen Krisenmodus umgeschaltet haben. Unsere Mitarbeiter und Außendienstpartner betreuen die Kunden vom Home-Office aus. Natürlich gibt es in einer solchen Ausnahmesituation verschiedene Interessen und manchmal auch Streitpunkte.

Welche Schäden durch Covid-19 sind durch Versicherungsverträge abgedeckt? Was bedeutet die Krise für Reiserücktrittspolicen? Diskussionen gab es auch, ob bei dieser Pandemie Betriebsschließungsversicherungen greifen. Wir als Signal Iduna haben gleich zu Beginn beschlossen, dass wir trotz der unklaren Vertragslage zu unserer Verpflichtung stehen.

Mittlerweile hat die Branche mit dem Hotel- und Gastgewerbe eine Lösung gefunden, der sich viele Versicherer angeschlossen haben. Für mich ist das ein deutliches Signal, dass die Versicherungsbranche in der Krise Verantwortung übernimmt.

Autor: Urich Leitermann, Vorsitzender der Vorstände der Signal Iduna Gruppe

Mehr zum Thema lesen Sie in der neuen Juni-Ausgabe des Magazins Versicherungswirtschaft.