Drewes: Provisionssteuerung ist „Thema von gestern“ und die Branche „maximal ideenlos“

Oliver Drewes, Geschäftsführer von Maxpool. (Quelle: Unternehmen)

Maxpool ist ein Krisengewinner. Der Maklerpool hat den stärksten März der Firmengeschichte und auch der April läuft gut, wie Geschäftsführer Oliver Drewes erklärt. Wie er das schafft, warum er die Provisionsdeckel-Diskussion für überholt und die Versicherungsbranche für ideenlos hält, erklärt er im Interview. Zudem hat der Pool eine Lösung entwickelt, wie er den eigenen Maklern bei Courtage-Rückforderungen hilft.

VWheute: Welche Auswirkungen hatte Corona auf die Maxpool-Makler und den Pool?

Oliver Drewes: Wir haben, durchaus mit einer gewissen Überraschung, festgestellt, dass die Umsätze bislang stabil weiterlaufen. Wir hatten den besten März in der Firmengeschichte und auch im April läuft es stark weiter. Insofern haben wir den Eindruck, dass auch bei der Mehrzahl der mit Maxpool kooperierenden Makler bislang kaum Auswirkungen der Krise angekommen sind.

VWheute: Wie kommt es?

Oliver Drewes: Wir erklären uns das damit, dass die Kunden in ihrem Homeoffice sind und mit genügend Zeit über ihren Absicherungsbedarf nachdenken. Diese Menschen kompensieren derzeit die analogen Kunden, die vom Makler nicht aufgesucht werden können. Wir rechnen jedoch damit, dass das Geschäft zurückgehen wird, je nach Verlauf und Dauer der Krise.

VWheute: Als die Maßnahmen der Regierung einsetzten, wie haben Sie reagiert?

Oliver Drewes: In Bezug auf das Geschäft haben wir innerhalb weniger Tage ein Online-Beratungs-Tool aus dem Hause Ritter eingeführt und mit Max-Office eine interne Lösung für die elektronische Unterschrift perfektioniert, sodass die Beratung und Vorgänge komplett elektronisch abgewickelt werden können.

Unter maxpool.de haben wir Corona-Seiten mit verschiedenen Hilfestellungen eingerichtet, die dann teilweise auch von Mitbewerbern und dem AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung genutzt wurden.

VWheute: Der Umbau – und Neufirmierung ihres Pools in „Maxpool Maklerkooperation“ fiel genau in die Coronazeit. Nicht sonderlich günstig, vermute ich.

Oliver Drewes: Mit dem Umbau waren wir im Februar bereits weitgehend fertig, mit der Markenkampagne zum Bekanntmachen jedoch noch nicht, da wurden wir tatsächlich kalt erwischt. Plötzlich gab es wichtigere Themen als unsere Strukturen und die Corporate Identity. Corona bringt alle dazu, sich auf die Basics zu konzentrieren.

VWheute: Corona beflügelt die Digitalität. Wo ist die Position des Maklerpools, wenn der Makler alle Fragen direkt-digital mit dem Versicherer klärt?

Oliver Drewes: Die Position verbessert sich dadurch, dass der Pool die Schnittstelle zu den unterschiedlichen Versicherungsgesellschaften ist. Der Pool hat die Aufgabe, die ganzen Technologien zu konsolidieren und dem Makler ein vernünftiges Verwaltungsprogramm zur Verfügung zu stellen, in dem Vergleichs und Beratungsmöglichkeiten integriert sind.

Außerdem kann auch morgen noch nicht alles digitalisiert sein, der Maxpool-Schadenservice hilft dem Makler bei strittigen Fällen, denn trotz aller Digitalität machen Versicherer und Kunden Fehler. Da bedarf es einer massiven fachlichen Beratung. Zudem kommt natürlich die Beratung der unterschiedlichen Fachabteilungen der Poolgesellschaften, als Sparringspartner für die Maklerbetriebe.

VWheute: Ist der Vertrieb zu provisionsgetrieben – wie viele Kritiker erklären?

Oliver Drewes: Das sehe ich gar nicht so. Die Provisionssteuerung ist durch eine Selbstreinigung der Branche und durch aufsichtsrechtliche Einschnitte weitgehend vorbei. Die zumeist vereinheitlichten Courtagesätze der Versicherer sorgen dafür, dass die Beeinflussung des Maklers ein Thema von gestern ist.

Gleichwohl würden wir den Vertrieb gern mit Servicevereinbarungen verbinden, das ist ein Flaggschiffthema von Maxpool. Eine Servicevereinbarung, die der Makler mit seinem Kunden schließen kann, würde über den Gesamtbestand gesehen eine weitere Unabhängigkeit von den Provisionen mit sich bringen und auch dem Kunden gute Mehrwerte liefern.

VWheute: Die Produktlandschaft bleibt seit Jahrzehnten weitgehend gleich, ist daran der Vertrieb schuld, der keine Änderungen wünscht? 

Oliver Drewes: Da stimme ich nicht zu. Ich halte die Versicherungsbranche tatsächlich für maximal ideenlos, die einzige wirkliche Neuerung in den letzten Jahren war die Pflegeversicherung, die aber vom Markt nicht richtig angenommen wurde. Warum gibt es bis auf wenige Ausnahmen noch keine Allgefahrendeckung, dass sich das noch nicht durchgesetzt hat, finde ich sehr bedauerlich. Im Ergebnis sehe ich aber die Ideenlosigkeit nicht auf Seiten der Maklerbetriebe. Den Vorwurf möchte ich an die Produktgestalter weitergeben, bzw. zurückreichen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

3 Kommentare

  • Guter Mann! Innovationsinzucht?
    Fragen an Vorstände 24.04
    Weshalb gelingt es der Branche seit langer Zeit, nicht mehr als 15% der Bürger für Fonds-ETF Sparpläne zu begeistern? Für diese überwiegend mit Garantie-ob den Kunden klar ist was Sie da machen? Wie hoch wird deren Auszahlung wohl sein?
    Weshalb wird dem Kunden das Konzept nicht so erklärt das er es wirklich versteht, welche Rendite zum Beispiel, nach ALLEN Kosten real erzielt wird bzw. welcher Prozentsatz noch höher verzinslich angelegt werden kann. Dies gilt auch für Fonds- und ETF Sparpläne, in BAVs und div. berufsbezogenen Gruppenverträgen.
    Wie realistisch sind die zu erwartenden Realzinsen, entgegen blauäugiger Berechnungen, wichtig für Kunden und Makler mit Haftung?
    Man ist sehr sicher alles bestens zu machen, siehe oben, bestätigt wohl das Gegenteil. Wer seine Kunden so aufklären will-mit einem völlig neuen Ansatz, dass er sicher 70-80% der Bürger erreicht und vor allem so, dass diese mit Begeisterung für Ihre Zukunft vorsorgen, kann sich bei mir melden. Der schnellste wird definitiv in der Phase der Alleinstellung, die Konkurrenz eher ratlos sehen und seine Umsätze radikal steigern.
    Wilfried Strassnig

  • Ridschie Blanko

    Wilfried Strassnig. Guter Beitrag. Leider ohne Wirkung. Das gute finde ich, wir brauchen uns nicht mehr Branche nennen. Somit gibt es kaum noch eine Stimme. Der Weg zum Totenbett ist kurz und das Lager ist schon zurecht gemacht. Es bleibt spannend.

  • Ridschie Blanko

    Wilfried Strassnig. Guter Beitrag. Leider ohne Wirkung. Das gute finde ich, wir brauchen uns nicht mehr Branche nennen. Somit gibt es kaum noch eine Stimme. Der Weg zum Totenbett ist kurz und das Lager ist schon zurecht gemacht. Es bleibt spannend. Ohje.

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