Generali aktiviert Notfallplan wegen Corona-Virus

Coronavirus. Quelle: Bild von Pete Linforth auf Pixabay

Die Deutschen erleben eine Reise nach Italien als Begegnung, die ihre Seele wiederaufleben lässt, schrieb der italienische Botschafter Antonio Puri Purini. Er hat recht, Italien war nicht nur für J.W. Goethe und Hermann Hesse ein Sehnsucht- und Freundschaftsland. Vermutlich deswegen schauen die Deutschen gleichzeitig ängstlich wie besorgt nach Italien, wo der Coronavirus (Covid-19) sich ausbreitet. Auch der italienische Versicherer Generali ist betroffen und hat nach der Errichtung einer Task Force nun einen Aktionsplan in Kraft gesetzt.

Die besorgniserregenden Meldungen häufen sich. Italien hat nach dem vierten Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus massive Aktionen angeordnet. Um die Ausbreitung einzudämmen, werden komplette Orte abgeriegelt, meldet die Tagesschau. Die Zahl der Infizierten ist laut dem Zivilschutzchef Angelo Borrelli auf 219 gestiegen – am Vorabend waren es nach Angaben des Zivilschutzes noch rund 150, wie der Spiegel schreibt. Betroffen von Covid-19 sind besonders die Regionen Lombardei und Venetien, die gemeinsam über 30 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung erzielen und sehr exportstark sind.

Generali vorbereitet und vorsichtig

In Norditalien gab es bereits sieben Todesfälle. In Friaul-Julisch Venetien, italienische Nachbarregion des österreichischen Bundeslands Kärnten, wurde der Notstand ausgerufen. Die Hauptstadt der Region ist Triest, Sitz des Generali-Konzerns. Der Virus sorgt  in der Zentrale des Versicherer für Unruhe, doch das Unternehmen ist vorbereitet.

Bereits vor Wochen hat der Versicherer eine Task-Force eingerichtet, um der, damals noch, theoretischen Möglichkeit eines massiven Ausbruchs in Italien Vorschub zu leisten, unter anderem wurden frühzeitig Flüge nach China und Südostasien annulliert, wie ein Sprecher des Konzerns erklärte. Die Task Force „beobachte ununterbrochen“ die Entwicklung der Situation, schreibt die Triester-Zentrale auf Anfrage. Das Unternehmen hat mit dem gestrigen Tage einen Maßnahmen- oder Aktionsplan in Kraft gesetzt. Die Arbeitsweise wurde ebenso angepasst wie die Politik bezüglich persönlichem Kontakt und Geschäftsreisen.

Zum einen wurde die smart working initiative für alle  Mitarbeiter ausgeweitet. Das bedeutet, dass Mitarbeiter aus abgeriegelten Gebieten von zuhause arbeiten können. Das gilt auch für Regionen, die vielleicht noch eingeschränkt werden. Das mag erst mal nicht nach viel klingen, doch gestern Morgen waren bereits zehn Gemeinden in der südlich von Mailand gelegenen Provinz Lodi zu Sperrzonen erklärt worden. Dort kontrollieren Sicherheitskräfte, wer von den 50.000 Menschen rein und raus darf. Zudem wurde eine Gemeinde in Venetien abgeriegelt und in Rom tritt das Krisenkomitee des Zivilschutzes zusammen.

Auch Mitarbeiter aus bisher nicht betroffenen Regionen dürfen bei der Generali die Heimarbeitsregelung in Anspruch nehmen, allerdings (bisher) nur für die im Arbeitsvertrag genannte Anzahl von Tagen. Der Versicherer hat zudem die Anzahl der Events, Meetings und Business Trips „reorganisiert“, um die Chancen auf möglicherweise ansteckenden Kontakt zu reduzieren, dasselbe hat der Reifenhersteller Pirelli getan.

Weitere Unternehmen tun es der Generali gleich. In Mailand haben einige Firmenchefs ihren Mitarbeitern schriftlich mitgeteilt, dass sie zur Heimarbeit greifen sollen, meldet das Handelsblatt. Darunter befinden sich unter anderem Unternehmen wie Unicredit, Intesa Sanpaolo und Zurich.

Italien sagt massenweise Veranstaltungen ab

Im Norden des Landes wurden Schulen geschlossen, sowie Fußballspiele, Modeschauen und der Karneval in Venedig abgesagt. „Diese außergewöhnlichen Maßnahmen in Norditalien sind entscheidend, um den Ausbruch einzudämmen“, sagte die Chefin der Europäischen Seuchenschutzbehörde ECDC Andrea Ammon am Sonntag. Die EU-Kommission ruft derweil ihre Mitgliedstaaten zu koordiniertem und verhältnismäßigem Handeln auf, um die Verbreitung des Coronavirus COVID-19 einzudämmen, dafür wurden 232 Millionen Euro bereitgestellt.

Neben der maximal möglichen Abschottung will die Generali mit Video-Konferenzen den menschlichen Kontakt verringern und geeignete Maßnahmen treffen, um die Sanitisierung für ihre unterschiedlichen Officeplätze zu gewährleisten. Es werden also Reinigungs- und Desinfektionsvorgänge vorgenommen, um die Keimanzahl zu reduzieren. Das Unternehmen hat seine Mitarbeiter zudem dazu aufgerufen den Richtlinien des Gesundheitsministeriums Folge zu leisten. In allen größeren Büros der Gruppe wird vor Ort medizinische Betreuung angeboten

Die Generali will „achtsam und behutsam“ vorgehen, keine Panik verbreiten. Gleichwohl sitzt sie als international agierender Konzern in der Hauptstadt eines zur Notstandsregion erklärten Gebietes. Der Kontakt nach außen ist also größtenteils auf nicht-persönliche Maßnahmen beschränkt. Das sorgt für angespannte Nerven, die sich aber auch außerhalb von Italien beobachten lassen.

Am Sonntag waren zwei Eurocity von Venedig nach München von Österreichs Behörden vorübergehend angehalten worden. Der Grund waren zwei Frauen mit Fieber und starkem Husten, doch nach einem negativen Test konnte die Fahrt fortgesetzt werden. Trotz solcher Falschmeldungen ist die Corona-Gefahr größer geworden, auch außerhalb von Asien – in Japan und Südkorea haben sich inzwischen Hunderte Menschen angesteckt.

„Es sieht für mich so aus, als ob dieses Virus wirklich aus China entwichen ist und sich nun recht weit verbreitet“, sagt der britische Epidemiologe Christopher Dye. Vermutlich muss sich bald nicht nur die Generali um Corona sorgen, die Begrenzung des Coronavirus auf China ist gescheitert“, schreibt die Zeit.

Geschichte wiederholt sich manchmal doch. Im Mittelalter verbreitet sich eine Infektionskrankheit über Italien wie ein Lauffeuer und unaufhaltsam über Europa, ausgelöst durch das Bakterium Yersinia pestis. Die heutige Medizin und Hygiene sind besser, Corona wohl nicht so gefährlich wie der schwarze Tod, dafür ist die Bevölkerung heute viel mobiler und zahlreicher, was einer Infektion Vorschub leistet. Es bleibt zu hoffen, dass alles nur halb so schlimm werden wird, nicht nur für die Generali und Italien.

Autor: VW-Redaktion

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