PKV-Analyse: Zusatzversicherung Kunden- und Maklerhit, Vollversicherung wie angewurzelt

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Das Wachstum in der PKV-Vollversicherung ist eher Ruder- statt Rennboot. Langsam und mühsam kämpfen sich die Unternehmen nach vorne, echte Wachstumschancen bietet derzeit wohl nur der Zusatzversicherungsmarkt. Wie die Unternehmen dort aufgestellt sind, hat die VEMA Versicherungsmakler Genossenschaft eG ihre Mitglieder gefragt. Ein gutes Angebot bei den Zusatzversicherungen ist derzeit wichtiger denn je, um die Stagnation in der Vollversicherung auszugleichen.

Wie schwer es die PKV-Branche derzeit hat, zeigt ein Blick auf die Zahlen des GDV. Die Vollversicherung kommt beitragstechnisch nicht vom Fleck.

Quelle: GDV

Das Wachstum ist überschaubar und dürfte durch Beitragserhöhungen getrieben sein. Zunehmender politischer Unwille gegenüber dem 2-Säulen-Modell und eine hohe Beitragsbemessungsgrenze sind der Grund, warum das Wachstum praktisch auf den Bereich Beamten begrenzt ist. In diesem Sektor ist die Debeka dermaßen dominant, dass es einem um die anderen Unternehmen Angst und Bange werden kann.

Abhilfe könnten die Zusatzversicherungen schaffen, doch davon benötigt es einige, um einen Vollvertrag zu ersetzten, Experten sprechen von einem Verhältnis von sechs bis sieben zu eins. Die Zahl der Vollversicherten stagniert bei um die 8,7 Millionen, wie ein Blick auf die Zahlen der PKV zeigt, die der Verband mustergültig aufbereitet hat.

Quelle: PKV-Verband

Setzt man den Bevölkerungszuwachs der letzten Jahre dazu ins Verhältnis, wird klar, dass die Vollversicherung ein Wachstumsproblem hat. “285.000 Menschen sind 2019 neu in die PKV gewechselt oder haben ihren Versicherer gewechselt”, erklärt Helmut Hofmeier, Vorstand Kranken- und Leben der Continentale, im exklusiven Interview. Das ist zu wenig, um 42 Unternehmen dauerhaft am zu ernähren und intensiviert der Wettbewerb.

Quelle: www.demografie-portal.de

“Der PKV-Markt ist durch die demografische Entwicklung und die gesetzlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren herausfordernder geworden”, bestätigt Hofmeier. Das ist wohl die höfliche Art zu sagen, dass ein Überlebenskampf zwischen den  PKV-Unternehmen entbrannt ist, Aufgaben und Übernahmen sind in absehbarer Zukunft nicht ausgeschlossen.

PKV ist ein Überlebenskünstler

Der PKV-Branche wurde schon oft der Untergang prophezeit, doch hat sie es mit Geschick und Leistung immer wieder geschafft, die Katastrophe abzuwenden und relevant zu bleiben.  

Doch bei aller Vitalität schadet es den Unternehmen nicht, sich um dÜberlebenskünstlerie kleine Schwester Zusatzversicherung zu bemühen, wenn “der Zugang zur PKV-Vollversicherung immer schwerer wird”, wie Hofmeier erklärt. Für Wachstum braucht es gute Angebote beim Zusatzschutz, der zunächst den Makler und letztlich den Käufer überzeugt.

Vema-Umfrage zeigt gute Noten

Wie die Unternehmen mit ihren Zusatzversicherungen bei der Maklergemeinschaft Vema ankommen, zeigt eine aktuelle Befragung des Maklerverbandes. Für Unternehmen mit wenig Maklergeschäft ist es schwierig, in die Auflistung zu kommen, zu nennen wären beispielsweise die Debeka oder die Huk-Coburg.

Dennoch ist es eine gute Übersicht, welcher Anbieter bei Maklern beliebt ist und wie die Versicherer mit ihren Produkten in den Kategorien Produktqualität, Schadenbearbeitung und Policierung abschneiden. Gewertet wurde nach dem Schulnotensystem, 1 bedeutet sehr gut, sechs ungenügend.

Vema hat die Auflistungen klug durchdacht. Die drei genannten Kategorien, Produktqualität, Schadenbearbeitung und Policierung,  ergeben einen Gesamt- oder Mittelwert, praktisch die Gesamtnote.

Der Mittelwert kann allerdings nicht der alleinige Maßstab bei der Bewertung sein, schließlich spielt es auch eine Rolle, wie viele Makler ein Unternehmen bewerten.

Es ist wie bei Amazon, eine Produktbewertung von fünf Sternen bei 10 Testern hat einen Wert, ebenso die 4 ½ Sterne Bewertung von 100 Kunden. VWheute hat ihnen beide Tabellen (in Auszügen) bereitgestellt.

Bei der Qualitätsumfrage stationäre Zusatzversicherung 01/2020, 839 Bewertungen, zeigt sich folgendes Ergebnis.

Quelle: Vema

Die selbe Kategorie nach dem oben erklärten Mittelwert.

Quelle: Vema

Auffällig ist der Aufstieg der Deutschen Familienversicherung von null auf vier. Der Anbieter setzt bei der Schadenabwicklung stark auf Digitalität, was dem Service offenbar nicht schadet.

Stark ist die Barmenia, die sowohl bei Nennungen wie auch dem Mittelwert, aka. Durchschnittsnote, ganz vorne ist. Die Continentale hat die beste Durchschnittsnote, ist bei den Nennungen aber nur siebter von zehn.

Die Zahnzusatzversicherung

Bei der Umfrage im Bereich dentale Zusatzversicherung 01/2020 liegt nach Nennungen wieder die Arag ganz vorne, offensichtlich ist der Versicherer ein Maklerliebling.

Quelle: Vema

Bei der Gesamtnote siegte die Bayerische Beamtenkrankenkasse (BBKK), die Hallesche überzeugt ebenfalls mit Platz zwei in dieser Kategorie und Platz fünf bei den Nennungen.

Quelle: Vema

Wird nicht reichen

Bei einem Blick auf die Gesamtnoten im Bereich Zahn- und stationäre Zusatzversicherung wird klar, dass die Makler mit den Angeboten der Versicherer zufrieden sind. Die Noten bewegen sich durchgehend im Einser oder hohen Zweierbereich.

Auch die Kunden scheinen befriedigt und greifen verstärkt zum Zusatz, um sich abzusichern, währen die Vollversicherung stagniert.

Quelle: PKV-Verband

Reicht das, um alle 42 Unternehmen plus hinzukommende Insurtechs wie Ottonova dauerhaft zu ernähren; unwahrscheinlich.

Wer detailliertere Ergebnisse möchte, kann sich an die Vema wenden, die zusätzlich noch eine Auswertung zum Bereich ambulante Zusatzversicherungen veröffentlicht hat.

Autor: Maximilian Volz

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