Allianz-Studie: Nicht Hacker, sondern Eigenfehler sind das größte Risiko

Eigenfehler sind teuer, weiß AGCS. Bild von Christelle Olivier auf Pixabay

Wer hat Angst vorm Hacker? Offenbar  fast alle Unternehmer, wie eine Untersuchung der Allianz zeigt. Vielleicht sollten die Firmen aber den Blick auf die Risikovermeidung legen, den sehr viele Schäden sind hausgemacht, nicht nur im Bereich Cyber. Findig wie die Allianz ist, wird sie daraus ein Geschäft machen, wie die Münchener erklärten. Ein Prototyp mit einem namhaften Dax-Unternehmen existiert bereits.

Der Cybervorfall ist erstmals das wichtigste Geschäftsrisiko für Unternehmen weltweit. Im „Allianz Risk Barometer 2020“ verdrängen IT-Gefahren mit 39 Prozent der Antworten, das Risiko einer Betriebsunterbrechung auf den zweiten Platz.  

Quelle: AGCS Risk Barometer 2020

Das Risiko Betriebsunterbrechung hatte seit 2013 den Spitzenplatz im Ranking inne, damals lag Cyber noch mit sechs Prozent der Antworten auf einem Abstiegsplatz. Die Sorge vor rechtlichen Veränderungen im Wirtschaftsumfeld und die Folgen des Klimawandels sind weltweit die größten Aufsteiger in der Rangliste der größten Geschäftsrisiken.

In Deutschland ist die Betriebsunterbrechung noch immer die größte Angst der Unternehmer, gefolgt vom Cyberrisiko und rechtlichen Gefahren.

Quelle: AGCS Risk Barometer 2020

Wichtig ist etwas ganz anderes

Die größten Herausforderungen für Unternehmen sind die Kategorien Cyber, Betriebsunterbrechung und Klimawandel. Viele Gefahren, Wirtschaftssanktionen, rechtliche Änderungen und Naturkatastrophen, sind für Unternehmen nicht oder kaum zu beeinflussen, andere allerdings durchaus.

Bei der Betriebsunterbrechung ist die größte Gefahr der Cyberangriff, der zu 42 Prozent durch Mitarbeiter verursacht ist. Ein anderes Beispiel ist der Ausfall von betriebsessenziellen Maschinen. Die Unternehmen verzichten vielfach drauf, einen Notfallplan aufzubauen. Fällt eine Maschine in der Produktion dauerhaft aus, steht die gesamte Produktion still.

Quelle: AGCS Risk Barometer 2020

„Redundanzen werden abgebaut, wodurch keine Alternativen vorhanden sind, wenn einmal etwas passiert. Diese Entwicklung sehen wir mit Sorge, erklärt der Experte Jürgen Wiemann, Regional Head of Property, AGCS Zentral- und Osteuropa in der Telefonkonferenz. Das Risiko wird also bewusst in Kauf genommen, ist also hausgemacht.

Ähnlich sieht es beim Lieferantenausfall aus. Mit Planung kann diese Gefahr vielleicht nicht ausgeschlossen, aber begrenzt werden. Doch so eine Doppelplanung kostet Ressourcen und Zeit, also Geld. „Fehlende Redundanzen bei Standorten oder Lieferanten – insbesondere in Boom-Zeiten – sind kritisch und vergrößern das Schadenpotenzial“, schreiben die Münchener.

Die Allianz hat das Potenzial der Fehlervermeidung als Geschäftsmodell erkannt. Sie setzt verstärkt auf Risikoberatung, wie Jürgen Wiemann, Regional Head of Property, AGCS Zentral- und Osteuropa erklärt. „Wir wollen das als neuen Servicebereich ausbauen“, fährt er fort.

Die Münchener sind dabei auch schon viel weiter als bei bloßen Planspielen. Gemeinsam mit einem Dax-Unternehmen wurde nach intensiven Gesprächen über Risiken eine Police im Bereich des Reputationsschaden  entwickelt. „Diese könne als Skalierung für ein neues Produkt dienen“, erklärt Wiemann. Ein weiterer Vorteil der Risikoberatung ist also neben dem eigentlichen Abschluss, dass die Gespräche eine „Pipeline für neue Produkte“ sind.

Cybergefahren? Das mache ich selbst

Bei der Hauptgefahr Cyber dasselbe Bild, die Gefahr kommt nicht (nur) von außen, sondern ist hausgemacht.

Weltweit sind über zwei Drittel der Cyberschäden Verstöße gegen Datenschutzrichtlinien, also meist selbstverursacht. In Deutschland sind es über 50 Prozent. Hinzukommen Fehler von Mitarbeitern, die zu Cyberattacken führen, wie die Grafik zeigt.

Quelle: AGCS Risk Barometer 2020

Beratung tut Not, wie die Allianz erkannte. So oder so, die Cyperdeckung ist bei allen Gefahren, jede zehnte Police ist mit Schaden belegt, ein gutes Geschäft. Über 100 Mio. Euro Prämieneinnahmen konnte die Allianz einnehmen.

Es wird heiß werden

Eine weitere zunehmende Gefahr wird auch die Allianz nicht aufhalten können, den Klimawandel. „Die Beherrschung der Folgen des Klimawandels und das damit einhergehende Risikomanagement  wird immer wichtiger werden, erklärt Chris Bonnet, Head of ESG Business Services, AGCS SE.

Der Klimawandel ist einer der größten Aufsteiger im weltweiten Risk Barometer 2020 – von Platz 8 auf Platz 7. In Deutschland ist die Gefahr noch nicht so richtig im Bewusstsein, Platz 11, vielleicht auch deswegen, weil sich die Auswirkungen noch nicht so zeigen.

Ein Fehler, sagt Joachim Müller, CEO von AGCS: „Das Allianz Risk Barometer 2020 zeigt, dass Cybergefahren und der Klimawandel die beiden großen Herausforderungen für Unternehmen im neuen Jahrzehnt sind. Die Vorbereitung auf Cyber- und Klimarisiken sei eine Frage des Wettbewerbsvorteils und der wirtschaftlichen Resilienz in Zeiten der Digitalisierung und globalen Erwärmung.

Was er nicht sagt, die Fehlervermeidung in den Unternehmen ist im Spiel der Gefahren ebenso wichtig.  

Autor: VW-Redaktion

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