Wüten zwei Amerikaner in der HR-Abteilung der Zurich?

probleme in der Zentrale der Zurich Quelle: Zurich

Versicherer sind wie Finanzbeamte; gerne kritisiert und mitunter Ziel des (hilflosen) Spottes von Kunden und Presse. Hilflos deswegen, weil jeder weiß, ohne sie geht es nicht. Meist werden Allianz und Co. für ihre vermeintlich mangelnde Zahlungsbereitschaft oder kräftige Beitragsanpassungen kritisiert. Es ist höchst selten, dass sich das Ungemach an der Human Resource- Abteilung (HR) entzündet. Der Zurich ist genau das passiert.

Im Zentrum der Kritik stehen die beiden Amerikaner David Henderson, Group Chief Human Resources Officer, und Arnold Dhanesar, Group Chief Talent Officer. Beide kommen von Met Life, einem amerikanischen Versicherer. Die Arbeit der beiden Manager ist im Konzern offenbar höchst umstritten.

Die in aller Regel gut informierte Webseite Inside Paradeplatz titelt: „Bei Zurich-Versicherung wütet New Yorker HR-Duo“. Henderson hat die Verantwortung für den Bereich Human Ressource, früher Personalabteilung, übernommen, doch der Erfolg ist offenbar bescheiden.

„Das alte HR der Zurich-Gruppe hat sich innert kürzester Zeit quasi aufgelöst. Langjährige Mitarbeiter sind geflüchtet“, berichtet die Webseite mit Bezug auf Insider. Wer das Unternehmen verlassen könne, würde es tun, es herrsche „pures Chaos“. Es sind harsche Worte, für den gängigen schweizer Umgangston ungewöhnlich scharf formuliert.

Vielleicht liegt das Problem aber auch einfach darin, dass die Versicherungsbranche wie auch die Zurich selbst sich in einem Umbauprozess befindet, der auch die HR betrifft. Das kann natürlich für Frust innerhalb der Belegschaft sorgen, ist das der wahre Grund für die Kritik an Henderson?

Talentflucht? Die Zurich spricht

Neben dem vermeintlichen Chaos in der HR-Abteilung gibt es offenbar auch bei der Talentanwerbung Probleme.Verantwortlich soll Dhanesar sein. „Vorhandene Talente“ würden den Konzern verlassen, die Anwerbung neuer Kräfte nicht gelingen. Weiterhin soll Dhanesar auf Firmenkosten eine Wohnung in bester Lage bezogen haben, die 8.000 Schweizer Franken kostete.

Keine Frage, wenn solche Details veröffentlicht werden, arbeitet die Schmutzküche bereits unter Volldampf. Derzeit soll der gescholtene Dhanesar sich wieder in Chicago aufhalten.

Das Unternehmen verneint auf Anfrage Probleme bei der Talentgewinnung. „Die Behauptung, dass wir Mühe haben, neue „Talente“ zu rekrutieren, einzustellen und zu halten, ist falsch.“

Die Antwort

Geschichten sind wie Medaillen und haben zwei Seiten. Eine wurde gehört, das bedeutet, dass auch der Gescholtene seine Sicht erläutern darf und soll.

Die Zurich möchte den Artikel von Inside Paradeplatz eigentlich nicht kommentieren, schreibt aber dennoch, dass dass Management-Team in der Personalabteilung „größtenteils aus langjährigen Mitarbeitenden“ bestehe.

Zudem würden gruppenweise Personalumfragen, „einschliesslich der Personalabteilung am Konzernhauptsitz“, ein „sehr positives Ergebnis“ zeigen. Das Unternehmen spricht von „ständigen Verbesserungen“ der Stimmung.

Aber auch die Schweizer bestreiten nicht, dass es in einem Transformationsprozess auch Schwierigkeiten zu meistern gibt. Im Rahmen dieser Umstellung werden sich „Job-Profile der Mitarbeitenden in diversen Funktionen ändern“.

Die Zurich erläutert den Gedanken: „Das bedeutet einerseits, dass neue Mitarbeitende mit spezifischem Fachwissen angestellt werden und dass bestehende Mitarbeitende geschult werden, um neue Rollen zu übernehmen. Andererseits werden Rollen möglicherweise wegfallen.“

Wohlgemerkt, das Unternehmen spricht an dieser Stelle von der Branche, nicht dem eigenen Haus.

Ob an der Unzufriedenheit der Mitarbeiter in der HR-Abteilung etwas dran ist, wird die Zukunft zeigen. Interne Spannungen lassen sich nicht unter den Teppich kehren, schon gar nicht, wenn diese in der HR zu finden sind.