Stimmung der Versicherer am Boden

Die Stimmung in der Versicherungsbranche hat sich im Herbst weiter eingetrübt. Bild von Free-Photos auf Pixabay

Die ohnehin angespannte Gemütslage in der Versicherungswirtschaft hat sich noch einmal verschlechtert. Laut dem aktuellen Stimmungsbarometer zieht die „schwache wirtschaftliche Dynamik in Deutschland“ nun auch die Assekuranz herunter. Das Motto der Branche: 2024 kann nur besser werden. Unterdessen verbreitet eine Umfrage unter 150 Finanzverantwortlichen in Unternehmen wenig Optimismus fürs neue Jahr.

2023 abhaken und mit neuer Hoffnung ins nächste Jahr gehen – so in etwa ließe sich die aktuelle Stimmung in der deutschen Versicherungswirtschaft zusammenfassen. Die wirtschaftliche Unsicherheit hierzulande sei nach wie vor groß und das belaste auch den Versicherungssektor. Das erklärte Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), anlässlich der aktuellen Zahlen der branchenweit erhobenen GDV-Konjunkturumfrage.

Demnach hat sich die Stimmung in der Versicherungswirtschaft im Herbst „erneut leicht eingetrübt“. Der vom ifo-Institut im Auftrag des GDV ermittelte Geschäftsklima-Index sank im dritten Quartal um 5,8 auf 0,8 Punkte und liegt damit wieder deutlicher unter dem langfristigen Mittelwert von 12,5 Punkten (siehe Grafik).

Vor allem die noch immer hohe Inflation macht den Versicherern zu schaffen. Die Teuerung schmälere die Kaufkraft der Verbraucher, zugleich würden die Sparer „vor allem auf Bankkonten und Termineinlagen setzen“, wie der GDV einräumt. Die Lebensversicherer richteten daher lieber den Blick nach vorn: Die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate haben sich laut Verband „von einem hohen Niveau aus nochmals verbessert“.

Der entsprechende Teilindex stieg von 40,2 auf nunmehr 45,9 Punkte. Das Kalkül der Lebensversicherer: Mit den steigenden Zinsen würden laut GDV „auch die Lebensversicherungen wieder attraktiver“. Zugleich dürfte die abklingende Inflation im nächsten Jahr wieder zu höheren Realeinkommen führen, so die Erwartung. „Die Sparneigung dürfte 2024 auf ähnlich hohem Niveau wie dieses Jahr bleiben. Davon könnten dann auch langfristige Sparprodukte stärker profitieren“, bringt Asmussen seine Hoffnung zum Ausdruck.

Doch der Blick in die graue Gegenwart verheißt nichts Gutes – schon gar nicht in der Schaden- und Unfallversicherung. Hier stelle sich die Stimmung „ebenfalls nicht so gut dar“, hübscht der GDV die düstere Lage sprachlich ein wenig auf. Der Saldo für das Geschäftsklima ging in diesem Sektor um fünf Punkte zurück und liegt mit nun –4,1 Punkten wieder im negativen Bereich. Das schwächere Geschäftsklima werde maßgeblich durch die negative Einschätzung der aktuellen Lage getrieben, hieß es – und auch das sei eine Folge der hohen Inflation. Der Index zur aktuellen Schadenentwicklung hat sich laut GDV von –53,2 auf –73,7 Punkte verschlechtert.

Beiträge oft nicht auskömmlich

„Viele Anbieter kämpfen in diesem Jahr mit steigenden Entschädigungsleistungen, die durch die Beiträge nicht kompensiert werden“, bringt Asmussen die Misere auf den Punkt. Immerhin: Die Erwartungen der Kompositversicherer sind im Vergleich zum Vorquartal zwar leicht gesunken, verharren mit nun 10,4 Punkten aber weiter im positiven Bereich. Im Klartext: „Die große Mehrheit der Unternehmen erwartet für die nächsten Monate weiter steigende Einnahmen. Gleichzeitig wird mit etwas weniger Druck auf der Kostenseite gerechnet“, gibt sich Asmussen vorsichtig optimistisch. So hat sich der Index zur Schadenerwartung von –67,2 auf –32,9 Punkte im Vergleich zum Vorquartal verbessert. 

Weiter berichtet der Verband, dass sich das schwierige gesamtwirtschaftliche Umfeld auch vor den Krankenversicherern nicht haltmache: Der Geschäftsklima-Index der Sparte sank im dritten Quartal von zuvor 17,2 auf 5,2 Punkte und liegt nun wieder unter dem langfristigen Mittelwert von 11,6 Punkten.

CFOs blicken pessimistisch auf wirtschaftliche Entwicklung

Wenig Grund zur Hoffnung auf eine rasche und umfassende Erholung der weltweiten Konjunktur macht unterdessen eine aktuelle Umfrage unter 150 Finanzverantwortlichen (CFOs) großer Unternehmen mit mehrheitlich über 1.000 Mitarbeitenden und 250 Millionen Euro Jahresumsatz. Gefragt hatte die Managementberatung Horváth, die Umfrage wurde branchen- und länderübergreifend durchgeführt, darunter auch in Deutschland.

Demnach geht zwar die Mehrheit der CFOs für 2024 von einem Unternehmenswachstum aus (66 Prozent). Das Wachstum wird sich Horváth zufolge „in den kommenden Monaten jedoch voraussichtlich abschwächen“. So rechnen fast 30 Prozent der Befragten damit, dass sich die Finanzsituation ihres Unternehmens verschlechtern wird. Ebenso viele sind pessimistisch, was die Entwicklung der Liquidität angeht. „In den aktuell herausfordernden Zeiten ist es wichtiger denn je, technologisches Potenzial zur Effizienzsteigerung zu nutzen – und doch tun sich die Finanzabteilungen damit zum Teil enorm schwer“, kommentiert Achim Wenning, Studienleiter und Partner bei Horváth, die Studie.

Autor: VW-Redaktion

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