Munich Re: Naturkatastrophen kosten Versicherer im ersten Halbjahr 68 Mrd. Dollar

Dr. rer. nat. Torsten, Vorstand der Munich Re, Quelle: Munich Re

Im ersten Halbjahr 2020 haben die Naturkatastrophen rund um den Globus Schäden von insgesamt 68 Mrd. US-Dollar verursacht. Nach Angaben der Munich Re lagen sie damit leicht unter dem 30-jährigen Durchschnitt von inflationsbereinigt 74 Mrd. Dollar. Der Anteil der versicherten Schäden war mit etwa 27 Mrd. Dollar deutlich höher als üblich.

So entfielen nach Angaben des Rückversicherers 47 Prozent der Gesamtschäden und 82 Prozent der versicherten Schäden, ein deutlich höherer Anteil als im langfristigen Durchschnitt (35 Prozent bzw. 60 Prozent). Dagegen verursachten Naturkatastrophen in Europa und in Asien/Pazifik geringere Schäden. Insgesamt kamen in der ersten Jahreshälfte 2.900 Menschen bei Naturkatastrophen ums Leben, deutlich weniger als im Schnitt der vergangenen 30 und der vergangenen zehn Jahre.

„Die Naturkatastrophen-Statistik des ersten Halbjahres 2020 hat zwei Dinge gezeigt: Schwere Gewitter in Nordamerika dominieren die Schadenstatistik und zeigen, wie wichtig stabilere Bauweisen sind, um Schäden zu vermindern. Zweitens: Das ist umso bedeutsamer, da der Klimawandel langfristig wahrscheinlich das Schwergewitterrisiko in Nordamerika erhöht. Die Welt muss endlich konsequent Treibhausgasemissionen reduzieren und Schäden vorbeugen, damit uns die Folgen nicht so unvorbereitet treffen wie derzeit die Corona-Pandemie.“

Torsten Jeworrek, Vorstand der Munich Re

Allein die Schwergewitter in Nordamerika (sogenannte konvektive Ereignisse) mit Hagel, Starkniederschlag und Tornados schlugen Unternehmensangaben zufolge mit 27 Mrd. US-Dollar zu den Gesamtschäden und 20 Mrd. US-Dollar zu den versicherten Schäden des ersten Halbjahres zu Buche. So wurde Bundesstaat Mississippi wurde der größte Tornado in der Geschichte des Staates gemessen, sein Sturmrüssel hatte einen Durchmesser von mehr als dreieinhalb Kilometern.

Dieser zog rund 100 Kilometer über das Land, bevor er sich auflöste. Die Spur der Zerstörung war sogar auf Satellitenbildern zu sehen, obwohl der Sturm größere Orte und Städte in der Region verschonte. Die aus mehreren Gewitterzellen resultierenden extremen Unwetter verursachten Gesamtschäden von 3,4 Mrd. US-Dollar, davon waren 2,6 Mrd. US-Dollar versichert. 38 Menschen kamen dabei ums Leben.

„Auch wenn man einzelne Ereignisse nicht dem Klimawandel zuschreiben kann: Im Trend zeigen unsere Daten deutlich, dass Schäden durch Schwergewitter insbesondere in Nordamerika zunehmen, insbesondere durch Wachstum der Bevölkerung und der exponierten Werte sowie schadenanfällige Bauweisen. Da höhere Temperaturen und Feuchte solche Wetterlagen begünstigen, liegt ein Beitrag des Klimawandels dazu nahe. Wir dürfen auch in Zeiten der Pandemie nicht vergessen, dass auch der Klimawandel ein Risiko mit systemischen Elementen ist“, konstatiert Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler von Munich Re.

Quelle: Munich Re

Die folgenschwersten Naturkatastrophen ereigneten sich jedoch in Asien: In Indien und Bangladesch verursachte Zyklon „Amphan“ im Mai extreme Schäden. Die hohen Windgeschwindigkeiten, extreme Niederschläge und eine meterhohe Sturmwelle verursachten hohe Schäden. Tausende Häuser wurden zerstört, Millionen Menschen waren ohne Strom. 135 Menschen starben.

Mehrere Millionen Menschen wurden evakuiert. Die Evakuierungen wurden durch die Corona-Pandemie erschwert, da wegen der Social-Distancing-Regeln weniger Menschen in Schutzgebäude durften. Mit einem Gesamtschaden von rund 11,5 Mrd. US-Dollar war „Amphan“ einer der teuersten Wirbelstürme im nordindischen Ozean. Der versicherte Schaden steht noch nicht fest, dürfte aber nur einen geringen Anteil ausmachen.

In Europa war Wintersturm „Ciara“ (in Deutschland Sabine genannt) die teuerste Naturkatastrophe. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h zog der Orkan Anfang Februar über große Teile Europas hinweg. Zehntausende Menschen waren zeitweise ohne Strom. Tausende Flüge und Großereignisse wie Fußballspiele wurden gestrichen. „Ciara“ betraf vor allem weite Teile Zentraleuropas und richtete deshalb vergleichsweise hohe Schäden von 1,8 Mrd. US-Dollar (1,6 Mrd. Euro) an, wovon 1,2 Mrd. US-Dollar (1,1 Mrd. Euro) versichert waren.

In Australien verursachten Buschbrände im Sommer 2019/2020 Rekordschäden. Begünstigt durch ungewöhnlich starke Trockenheit und Hitze begann die jährliche Buschbrandsaison sehr früh. Die Schäden der gesamten Waldbrandsaison in Australien erreichten Rekordwerte: Die Gesamtschäden betrugen zwei Mrd. US-Dollar, wovon wegen der hohen Verbreitung von Feuerversicherungen für Gebäude 1,6 Mrd. US-Dollar versichert waren.

Autor: VW-Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

zwei × 3 =