Schlechtes Timing? Allianz-Aufsicht verhandelt Gehaltserhöhung

Allianz-CEO Oliver Bäte, Quelle: Allianz

Gutgemeinte Absicht, aber unpassender Zeitpunkt? Die Allianz will Medienberichten zufolge ihren Aufsehern eine satte Gehaltserhöhung gewähren. Begründet wird dies mit den guten Geschäftszahlen – und der Konkurrenz. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier dürfte dies angesichts der Corona-Krise eher nicht erfreuen.

Dem Allianz-Aufsichtsrat winkt eine Gehaltserhöhung um 20 Prozent. Die will sich das zwölfköpfige Gremium auf der Hauptversammlung am 6. Mai genehmigen lassen, berichtet das Handelsblatt und beruft sich dabei auf die entsprechende Tagesordnung.

Demnach würde Aufsichtsratschef Michael Diekmann auf eine jährliche Festvergütung von 300.000 Euro kommen, bisher waren es 250.000 Euro. Seine beiden Stellvertreter Jim Hagemann-Snabe und Gabriele Burkhardt-Berg kämen auf 225.000 Euro statt bisher 187.500 Euro. Die übrigen Aufsichtsräte würden 150.000 Euro verdienen – statt 125.000 Euro.

Begründet wird dieser Schritt einerseits mit den guten Geschäftszahlen für 2019, aber auch mit der Vergütung bei anderen Versicherungskonzernen. “Angesichts der Größe, Komplexität und der nachhaltigen Leistung der Allianz orientiert sich die Höhe der Vergütung für den Aufsichtsrat am vierten Quartil der Aufsichtsratsvergütungen von Vergleichsunternehmen”, zitiert das Blatt aus der Einladung zur Hauptversammlung.

Immerhin: Konzernchef Oliver Bäte hat in 2019 deutliche Abstriche bei seinem Einkommen gemacht. 2019 flossen nur noch 5,95 Mio. Euro auf sein Konto. Ein Jahr zuvor waren es noch 10,33 Mio. Euro. Der Gehalts-Rückgang bei Allianz-Chef Oliver Bäte kommt hingegen nicht unerwartet: 2018 waren die Dreijahres-Boni fällig geworden, allein auf Bäte entfielen damals 4,83 Mio. Euro.

Mit knapp sechs Millionen Euro dürfte Bäte im Mittelfeld der Vorstandschefs im Dax liegen, die Top-Verdiener bei den Konzernen im Leitindex bekommen mehr als zehn Mio. Euro. Der Aufsichtsrat war mit Bätes Leistung zufrieden: Die für den jährlichen Bonus maßgeblichen Ziele übererfüllte er 2019 mit 113 Prozent, wie aus dem Vergütungsbericht hervorgeht. Das ist der höchste Wert aller zehn Allianz-Vorstände.

Angesichts der aktuellen Corona-Krise dürften die Allianz-Pläne jedenfalls nicht uneingeschränkt auf Gegenliebe treffen. Geht es nach dem Willen der Bundesregierung sollen Vorstände von Unternehmen, die Staatshilfen wegen der Corona-Krise erhalten, auf Teile ihres Gehalts verzichten. “Mir ist wichtig, dass in Notsituationen auch Vorstände und leitende Angestellte einen Beitrag leisten, insbesondere bei den Bonuszahlungen”, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier am Wochenende gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS).

Dabei berief sich der CDU-Politiker auf den Präzedenzfall TUI: “Wir haben gerade einen Kredit für ein großes Unternehmen der Reisebranche beschlossen und sind entsprechend verfahren.” Ähnlich war die Bundesregierung auch bei der Finanzkrise 2008 verfahren. Damals hatte der Rettungsschirm Soffin die Managergehälter bei Banken, die staatliche Hilfen in Anspruch nahmen, auf 500.000 Euro im Jahr gedeckelt.

Autor: VW-Redaktion

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