Neue Bafin-Zahlen zur LV: „Provisionsauswüchse von teilweise über sieben Prozent belegt“

Deckel. Quelle: Bild von Lynn Greyling auf Pixabay

Und er kommt doch (oder auch nicht): Jörg Kukies (SPD), Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, erläuterte auf einer Veranstaltung des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung die Pläne der Bundesregierung zum Provisionsdeckel für die Lebensversicherung. Er stützt sich dabei auf neue Zahlen der Bafin.

Das Limit des Deckels soll laut Kukies bei 2,5 Prozent der Provision liegen mit einer Erweiterung auf 4 Prozent, falls bestimmte Qualitätskriterien erfüllt werden. Es bestehe Handlungsbedarf, unter anderem, weil nach Umsetzung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) die Provisionen zuletzt wieder gestiegen seien – im Durchschnitt von 3,77 auf 3,82 Prozent der Beitragssumme. „Mit einer Begrenzung auf 4 Prozent bringen wir den Großteil der Vertriebe nicht in existenzielle Nöte“, betont Kukies.

Neue Bafin-Zahlen

Der Staatssekretär ging auf die Kritik an den Datengrundlagen der Bafin ein. Neben dem AfW wurden diese auch von manchen Marktbeobachtern als fehlerhaft eingestuft. Aus Sicht der Kritiker sollen diese neben den „unbestrittenen Provisionsauswüchsen in der Restschuldversicherung“ auch problematische Zahlen für die Lebensversicherung enthalten haben. Laut Kukies liegt dem Ministerium nun eine neue Erhebung der Bafin vor, „die Provisionsauswüchse in der Lebensversicherung von teilweise über sieben Prozent belegt“.

„Wenn wir nicht reagieren, wird die Bafin gegebenenfalls selbst eine Lösung implementieren“, betonte Kukies, denn im Zuge von IDD und aufgrund des Paragraf 48a Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) gebe es generelle Vorgaben für die Regulierung in diesem Bereich. Die Bafin habe sich daher bereits in den Referentenentwurf zum Provisionsdeckel eingebracht. Wann das Gesetzgebungsverfahren beginnen solle, sei noch nicht abzusehen, denn die Unionsparteien „blockieren derzeit“.

Keine Einigung in Sicht

Carsten Brodesser (CDU), Mitglied im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages, erklärt die Hintergründe für den politischen Dissens: „Mit uns ist der Referentenentwurf so nicht zu machen. Er ist ein schlechtes Signal für die private Altersvorsorge und schafft Markteintrittsbarrieren für Berater. Gute Beratung muss auch angemessen vergütet werden.“ Brodesser sprach von einem drohenden Bürokratiemonster und verwies auch auf das unter anderem vom AfW in Auftrag gegebene Experten-Gutachten, dass der Provisionsdeckel in dieser Form nicht verfassungskonform sei.

Die Union habe daher einen Kompromissvorschlag entwickelt, der vorsieht, dass die Lebensversicherer die tatsächlich gezahlten Provisionen der BaFin meldeten. Eine Deckelung soll demnach nur erfolgen, wenn Provisionen mehr als 30 Prozent über dem Marktdurchschnitt lägen. Sowohl Staatsekretär Kukies als auch Michael Schrodi, Berichterstatter der SPD Bundestagsfraktion für den Provisionsdeckel und Mitglied im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages, lehnten den Vorschlag ab.

„Dieser Vorschlag hätte zur Folge, dass Versicherungsunternehmen weiterhin signifikant höhere Provisionen zahlen können. Die Obergrenze wäre atmend und könnte von Jahr zu Jahr steigen. Das halten wir für unzureichend“, erklärt Schrodi. Die BaFin müsste zudem in diesem Modell bei Missbrauch einschreiten, verfüge aber über keine Aufsicht über Versicherungsvermittler.

Autor: VW-Redaktion

4 Kommentare

  • Mich würde ja mal interessieren, wie man hier auf die Zahl, 7 %, kommt. Und: was umfasst diese Zahl denn eigentlich. Reine Abschlussprovision ?
    Wir arbeiten nunmehr über 30 Jahre als unabhängige Versicherungsmakler im Markt, daher erlaube ich mir meine Meinung zu veröffentlichen.
    Wir haben solche Provisionssätze nicht ansatzweise angeboten bekommen, und mit unserem 15 köpfigen Team sind wir sicherlich nicht der kleinste Betrieb im Land. Da ich auch Maklerbetreuer kenne, die wiederum Großvertriebe betreuen, kann ich auch bei denen eine 7 % AP ausschließen.
    Sicherlich sind um die 4 % marktgängig, aber deutlich mehr ? Selbst über Messe-, oder sonstige Zuschüsse kann ich dies nicht nachvollziehen.
    Das viel Schlimmere: warum soll ausgerechnet unserer Branche vorgeschrieben werden, wie ein Produkt vergütet wird ? Wer reglementiert Parfumverkauf, Textilverkauf, Automobilverkauf oder oder oder. Alles Branchen, bei denen ganz andere Kalkulationsgrundlagen vorhanden sind. Da trägt sich meines Wissens keine Partei mit den Gedanken einer gesetzlichen Reglementierung…..

  • Rolf-Peter Falk

    Herr Falckenberg bringt es auf den Punkt. Keine Branche wird so verfolgt und reglementiert wie die der Versicherungsmakler. Warum führt man z.B. keine Stornohaftung in anderen Branchen ein?

    2007 ging ein von mir betreuter Maschinenbaubetrieb in die Insolvenz. Das hätte mich beinahe meine Existenz gekostet. Hilft mir da die Bafin oder ein anderer Dummschwätzer?

    Rolf-Peter Falk

  • Sehr geehrter Herr Kollege Falckenberg,

    ich kann Ihrem Kommentar beinahe vollständig zustimmen. Beinahe deshalb, weil mir aus der Vergangenheit Auswüchse gerade bei ganz großen Vertrieben (mit drei Buchstaben oder auch mit vieren) durchaus bekannt geworden sind.
    Da wurden dann schon ganz schnell 5,5% aufgerufen, mit Bürozuschuss könnten es bei entsprechender Marktmacht des Großvertriebs durchaus auch 7 % geworden sein.
    Freilich erhält der Vermittler trotzdem max. nur 4 bis 4,5 %, den Rest sammeln die Vertriebe ein. Und – ganz wie Sie sagen: Der klassische Versicherungsmakler bekommt diese hohen Sätze oberhalb der 4-4,5% regelmäßig nicht, auch nicht bei überdurchschnittlich viel Umsatz.

    Mit anderen Worten: die kleineren beratungsorientierten Makler leiden wieder mal unter den Auswüchsen der provisionsorientierten Großvertriebe und Versicherer-Außendienste…

    Bleiben wir dabei, der kluge Kunde kommt um einen guten selbstständigen Versicherungs-Makler nicht herum.
    So kann er immer kinderleicht sparen und darf trotzdem auf eine gute Leistung vertrauen!

    Mit kollegialen Grüßen
    Boris Collmann

  • Hallo Herr Falckenberg. Ich stimme ihnen vollumfänglich zu. Schade, dass diese Maklerbranche auf verlorenem Posten kämpft. Aus Sicht derjenigen die in diesen Dingen entscheiden, ist der Vermittlermarkt einer der Kriminellsten. Grund könnte die Umwandlung der Versorgungsindustrie in langsamen Schritten in eine VEB Industrie nach DDR Model umzuwandeln. Einige Marktteilnehmer reiben sich heute schon die Hände und freuen sich den Vertrieb mit angestellten Mitarbeitern zu führen. Denn dann nämlich lassen sich Zahlen verstecken, welche oberhalb von 10 % zu finden sein werden. Es bleibt keine spannende Zeit. Es bleibt ein Kampf ums überleben. Und auch hier hat Rolf Peter Falk treffend formuliert. Und ehrlich. Man schaue sich einmal die Wachstumszahlen in diesen Lebenmärkten an. Und nimmt die mutierten Restschuldversicherungen und die BAV heraus und es wird dunkel. Sehr sehr dunkel. Wir können nur auf: wir schaffen das, hoffen.

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