Behindert das deutsche Gesundheitssystem Innovationen?

Innovationen sind wichtig, auch im Gesundheitssektor_Bild von Michal Jarmoluk auf Pixabay

Prominente Experten haben auf dem Europäischen Gesundheitskongress in München die Strukturen des deutschen Gesundheitswesens stark kritisiert. Das System behindere Innovationen.

Die Reihe der Kritiker war prominent. Deutschland käme bei Innovationen im Vergleich mit anderen Ländern „extrem langsam voran“, erklärte Andreas Storm, Chef der drittgrößten deutschen Krankenkasse DAK. Er konkretisiert: „Wir sind jetzt langsamer als die staatlichen Gesundheitssysteme. Und wir sind auch wesentlich langsamer als die marktorientierten Länder wie etwa die Vereinigten Staaten von Amerika.“ Als Ursachen nannte Storm den Föderalismus aber auch die Selbstverwaltung, die zwar „ein großer Erfolgsfaktor für unser Gesundheitswesen“ sei, die aber dazu führe, dass es komplizierter als in anderen Ländern sei.

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, monierte: „Wir haben permanent mehr Regulierungen im System, die dazu führen, dass wir nicht mehr wissen, ob innovative Versorgungsangebote, auf die wir uns ausgerichtet haben, in den kommenden Jahren für einzelne Standorte überhaupt noch leistbar sein werden.“ Das führe dazu, dass heute viele Manager in den Krankenhäusern zurückhaltend im Hinblick auf Investitionen und Innovationen seien.

Gaß sieht im Hinblick auf individualisierte Medizin die Fallpauschalen als Problem: „Es ist eben nicht so, dass ein Patient mit einer bestimmten Diagnose genau die gleiche Therapie braucht wie ein anderer Patient mit der gleichen Diagnose. Es gibt große Unterschiede.“ Gaß sieht deshalb die Notwendigkeit zu grundlegenden Reformen: „Man muss sich jetzt wirklich mal über das System Gedanken machen und es auch zu Ende denken – und nicht nur hier mal was verändern und da mal was verändern.“

Stefan Schaller, Deutschland-Chef von Siemens erklärte: „Wir bezahlen für diese Fragmentierung der Landschaft einen Preis.“ Als Konsequenz gebe es viele verschiedene technische Standards in digitalen Systemen, die nicht miteinander kompatibel seien und keine Daten austauschen können.