BdV und Zielke: Zwölf Lebensversicherer werden nur mit Übergangsmaßnahmen aufrechtgehalten

Zum dritten Mal hat der Bund der Versicherten durch die Zielke Research Consult GmbH die Solvenzberichte der Versicherer untersuchen lassen. Die Ergebnisse sind eine Ohrfeige für die Branche. Doch der GDV widerspricht den Zahlen auf Anfrage.

Dieses Mal waren es 84 Unternehmen, wobei es dabei immer um das gesamte Versicherungsunternehmen und nicht um einzelne Tarife und ihre Verbraucherfreundlichkeit ging, wie BdV-Sprecher Axel Kleinlein betonte.

Die gute Nachricht zuerst: „Die deutschen Versicherer fangen an, die SFCR-Berichte ernst zu nehmen und es ist ein kleines Wettrennen entstanden, wer die meisten Informationen gibt“, resümierte Carsten Zielke bei der Vorstellung der Ergebnisse. Das habe sich allerdings auf die Ergebnisse nicht ausgewirkt, diese seien nicht besser geworden.

Unverändert im Vergleich zu 2017 haben zwölf Versicherer oder 14,3 Prozent einen Wert von unter 100 Prozent bei der Solvenzquote, während der Durchschnittswert leicht auf 272,0 gestiegen ist. Schlusslicht unter den zwölf Firmen ist die Frankfurt Münchener Leben mit fünf Prozent, währende die Süddeutsche Leben mit 98 Prozent die Ziellinie nur knapp gerissen hat. Für diese Zwölf bedeutet das, so Kleinlein, dass der Geschäftsbetrieb nur mit Übergangsmaßnahmen aufrechterhalten werden kann – aus BdV-Sicht seien sie „angezählt“. Bei der Transparenz stach insbesondere die Provinzial Rheinland nach Zielkes Angaben negativ heraus – sie gab statt konkreter Informationen nur Querverweise und entsprach nach seiner Einschätzung damit nicht den Vorgaben von EIOPA und Bafin. Kritisch anzumerken sei außerdem, dass die meisten Versicherungsunternehmen noch nicht verstanden haben, dass die Orientierung an Nachhaltigkeit mittlerweile einfach dazugehört.

Mehr Risikominimierung

Positiv sei aber zu vermerken, dass insgesamt die Diversifikation zu- und damit das Marktrisiko abnimmt – „die Versicherer sind auf gutem Weg, ein ganzheitliches Risikomanagement zu fahren“, so Zielke. Allerdings hat sich die Risikomarge und damit der Risikopuffer weiter auf jetzt durchschnittlich 1,4 Prozent verringert – mit einer Spannweite von minus elf bis 22,8 Prozent. Dabei ist es vor allem die Berufsunfähigkeitsversicherung, welche die Lebensversicherung rettet, oder im Klartext „Der Kunde der Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt für die Garantien der Lebensversicherung“, wie Zielke konstatierte.

BdV-Sprecher Axel Kleinlein verglich die Solvenzquote der Lebensversicherer mit dem Body-Mass-Index: Weder zu viel noch zu wenig ist gewünscht. Das gilt auch für die Gewinnerwartung – zu wenig gefährdet das Unternehmen bis hin zur Insolvenzgefahr, zu viel geht zu Lasten der Versicherten. Das sei bei 32 der befragten Unternehmen der Fall. Er findet es besorgniserregend, dass ein Viertel der Versicherungsunternehmen nur durch Übergangsmaßnahmen genügend Solvenz aufweist oder strukturell auf Verlust fährt. Generell sei festzustellen, dass sich bei den Gewinnerwartungen der Markt zunehmend auseinanderentwickelt – nur neun Versicherer könnten eine aus Verbrauchersicht akzeptable Gewinnerwartung ausweisen. Noch deutlicher sei die eher geringe Orientierung an den Interessen der Versicherten bei der Beteiligung an den Überschüssen, so Kleinlein – dies sei eher die Ausnahme als der Regelfall und nur fünf der Befragten wiesen hier ein „angemessenes“ Vorgehen auf.

Bei den Run-off-Versicherern driftet der Markt nach den Ergebnissen der Studie besonders extrem auseinander in solche Unternehmen, die wie die Frankfurter Lebensversicherung eine extrem niedrige Gewinnerwartung haben, und solche mit einer besonders hohen Gewinnerwartung, wie die Skandia  und die Heidelberger Lebensversicherung. Dies treffe auch auf Unternehmen mit einem hohen Anteil an fondsgebundenen Verträgen zu. Insbesondere die Run-off-Plattformen zeichneten sich darüber hinaus durch eine außerordentlich geringe Transparenz aus. Ihre reine Solvabilität sei eher gering, trotzdem erwarten sie kurz- und mittelfristig Gewinne, die aber eher an die Investoren als an die Versicherten fließen. Insgesamt sei ihr Geschäftsmodell deshalb nicht auf Langfristigkeit ausgelegt. 

Das sagt der GDV

Der Verband der Versicherer widerspricht der Darstellung von Zielke und BdV: „Die Solvenzlage der deutschen Lebensversicherer ist nachweislich besser, als vom Bund der Versicherten (BdV) dargestellt. Auch andere Kernaussagen und die Methodik der Untersuchung sind in wesentlichen Punkten nicht nachvollziehbar.“

Der GDV schreibt:

  • Anders als vom BdV behauptet beläuft sich die durchschnittliche Solvenzquote der deutschen Lebensversicherungsbranche auf 317 Prozent ohne Übergangsmaßnahmen (Stand 31.12.2018). Der in der Studie genannte niedrigere Wert ergibt sich daraus, dass eine dauerhaft anwendbare Anpassung (sog. „Volatility Adjustment“) fälschlich als Übergangsmaßnahme eingestuft wird. Damit ist auch die in der Untersuchung genannte Zahl von zwölf Unternehmen mit einer Solvenzquote unter 100 Prozent falsch.
  • Übergangsmaßnahmen sind ein integraler Teil von Solvency II. Die Übergangsmaßnahmen werden – wie im Regelwerk vorgesehen – von den Unternehmen schrittweise und von der BaFin kontrolliert zurückgeführt.  
  • Die Aussagen zu den künftigen Gewinnerwartungen der Lebensversicherer sind irreführend. Die als Beleg herangezogene Kennziffer (Verhältnis von EPIFP zu Eigenmitteln) bringt keine zusätzlichen Informationen über die finanzielle Stabilität eines Lebensversicherers. Denn der Beitrag künftiger Prämien zu den Eigenmitteln ist in der Solvenzquote bereits berücksichtigt. Maßgeblich für die Bestimmung der (Unternehmens-)Gewinne ist alleine die Betrachtung in der handelsrechtlichen Bilanz.     

Autor: Susanne Görsdorf-Kegel

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