„Kaum eine Chance haben, ins Plus zu kommen“: BdV zerlegt Lebensversicherungen

(Bildquelle: dg)

Der Bund der Versicherten bekräftigt seine grundsätzliche Kritik an kapitalbildenden Lebensversicherungen. Der Hamburger Verbraucherschutzverein warnt seit Jahren vor dem Abschluss solcher Verträge als Altersvorsorge und erneuerte nun in einer Mitteilung seine ablehnende Haltung. Nach Ansicht des BdV profitieren in erster Linie Versicherer und Vertrieb, während Kunden das Nachsehen hätten.

„Leider merken Versicherte meist zu spät, dass sie bei diesem Produkt kaum eine Chance haben, ins Plus zu kommen – und die neuen Einschnitte beim Widerruf erschweren es zusätzlich, aus schlechten Verträgen wieder auszusteigen“, sagt BdV-Vorständin Bianca Boss.

Kritikpunkte sind laut BdV mangelnde Transparenz, geringe Renditeaussichten und fehlende Flexibilität in der Ansparphase. Auch fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen sieht der Verein nicht als Alternative. Zwar locken Versicherer mit steuerlichen Vorteilen, doch würden die hohen Kosten die Erträge der Fondsanlagen deutlich schmälern. „Für den langfristigen Vermögensaufbau sind andere Produkte deutlich besser geeignet – etwa mit regelmäßigen Raten besparte ETF-Sparpläne“, betont Boss. Am besten sei es, erst gar keine kapitalbildende Lebensversicherung abzuschließen.

Zuletzt kritisierte der BdV die jüngsten Änderungen im Verbraucher- und Versicherungsvertragsrecht. Diese würden das Widerrufsrecht erheblich einschränken und Kunden benachteiligen. Konkret soll das Recht nach spätestens zwölf Monaten und 14 Tagen enden – bei Lebensversicherungen nach 24 Monaten und 30 Tagen, selbst wenn wesentliche Vertragsinformationen fehlerhaft oder unvollständig sind.

Auch die Finanzaufsicht Bafin sieht im Vertrieb von Lebensversicherungen Probleme. Nach Einschätzung der Behörde geben viele Versicherer ihren Vermittlern weder klare Empfehlungen noch Vorgaben zur maximalen Provisionshöhe. Das sei riskant: Ein Versicherer, der die Vergütungshöhe nicht kenne, könne den Kundennutzen des Produkts nicht beurteilen. Laut Bafin müssen Lebensversicherungen ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Hinzu kommt mangelnde Transparenz bei sogenannten Kick-back-Zahlungen. Zahlreiche Versicherer räumten gegenüber der Bafin ein, nicht zu wissen, ob und in welcher Höhe ihre Vermittler Rückvergütungen von Fondsgesellschaften erhalten.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Hans-Peter Bierlein

    Die Kritik an kapitalbildenden Lebensversicherungen gilt keinesfalls für Verträge, die in den 1990er Jahren abgeschlossen wurden. Das wird immer verschwiegen. Die Besitzer solcher Verträge können sich nämlich über garantierte Zinsen zwischen 3,5% und 4% freuen und sich entspannt zurücklehnen. Wo findet man bei börsenspekulativen derzeitigen Anlageformen schon so ein gutes Rendite-Risiko-Verhältnis? 4% garantierte Zinsen bei 0% Risiko?

    Richtig: nirgends.

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