Ministerpräsident Weil zur Elementarschutz-Debatte: „Müssen zu einer Gleichbehandlung kommen zwischen denen, die sich die Versicherung besorgt haben und den anderen“

Seit Februar 2013 ist Stephan Weil niedersächsischer Ministerpräsident und seit Januar 2012 Vorsitzender der SPD Niedersachsen. (Bildquelle: Niedersächsische Staatskanzlei/Kai-Uwe Knoth)

Einige Teile Deutschlands stehen unter Wasser, obwohl sich die Niederschlagsmenge laut Experten kaum verändert hat. Anlass, um wieder die Elementarschadensversicherungspflicht zu fordern. „Es dauert zu lange, bis wir an dieser Stelle gemeinsam mit Bund und Ländern zu Potte kommen“, sagt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Sein Bundesland liegt bei der Durchdringung der Elementarschadenversicherungen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Der Anteil der Versicherungskunden, die ihr Haus neben den Wohngebäudeschäden wie Feuer, Blitzeinschlag, Leitungswasser und Sturm auch gegen Elementarschäden (Erdbeben, Erdrutsch, Hochwasser, Schneedruck) abgesichert haben, ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Im Bundesdurchschnitt liegt er bei 54 Prozent, in Niedersachsen nur bei 32 Prozent.

In mehreren Bundesländern kämpfen Helfer seit Tagen gegen die Wassermassen. Bundeskanzler Olaf Scholz besuchte die vom Hochwasser betroffenen Gebiete, u.a. in Sachsen-Anhalt. Besonders angespannt ist die Lage in Niedersachsen. Dort werden die Sandsäcke knapp – zumindest der eigene Vorrat. Bis auf einen kleinen Rest ist die Reserve von rund 1,9 Millionen eingelagerten Sandsäcken seit Beginn der Hochwasserlage vor Weihnachten mittlerweile abgerufen worden, teilte der zuständige Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) der Nachrichtenagentur dpa mit.

Der Ministerpräsident Stephan Weil sagte, dass man noch keine Schadenschätzungen beziffern könne, da weite Teile der Infrastruktur noch unter Wasser stehen. Das Land wolle aber so schnell wie möglich mit der Schadensaufnahme beginnen. Weil zeigte sich offen für einen Notfalltopf für besonders betroffene Bürger und Unternehmen – ähnlich wie beim Hochwasser 2017. Damals hatte das Land Mittel für Billigkeitsleistungen in Höhe von zehn Millionen Euro bereitgestellt. Wie hoch die Zahlungen diesmal ausfallen könnten, ließ Weil offen.

Er gab zu, dass es aktuell bessere Versicherungsangebote gebe als es 2017 der Fall war. In jedem Falle steht für den Ministerpräsidenten fest: „Die private Vorsorge muss noch mal deutlich verstärkt werden.“ Deshalb warb er erneut für die Elementarschadensversicherungspflicht. Gegen Elementarschäden, also etwa Erdbeben, Schneedruck und Hochwasser, sind Hausbesitzer derzeit nicht automatisch im Rahmen ihrer Gebäude- oder Hausratsversicherung versichert. Sie müssen aktiv Erweiterungen buchen, die je nach Region sehr teuer ausfallen können.

Kürzlich äußerte der Präsident des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Norbert Rollinger, die Befürchtung, dass sich die Versicherungsprämien im Gebäudebereich in den nächsten Jahren verdoppeln könnten, VWheute berichtete.

Der aktuellen GDV-Naturgefahrenbilanz zufolge entfielen auf die Sachversicherung 2023 Schäden in Höhe von 3,6 Milliarden Euro: 2,7 Milliarden für Schäden durch Sturm und Hagel und 900 Millionen Euro durch weitere Naturgefahren wie Überschwemmungen in Folge von Starkregen. Die Schadenbilanz fällt hier leicht unterdurchschnittlich aus. Für die Kraftfahrtversicherer war 2023 mit rund 465.000 Schäden in Höhe von 1,3 Milliarden Euro hingegen überdurchschnittlich hoch. Der langjährige Durchschnitt liegt hier bei 1,1 Milliarden Euro.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Vielleicht sollte die SPD wieder mehr auf eine Eigenverantwortlichere Politik setzen. Den Bürger nicht ständig suggerieren der Staat sorgt für Alles. Vollkaskomentalität ohne Selbstbeteiligung können wir uns nicht mehr leisten.

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