Deka stellt Riester-Geschäft ein

Die Deka-Bank will sich laut einem Medienbericht aus dem Riester-Geschäft zurückziehen. Quelle: Deka

Neuer Rückschlag für die staatlich geförderte Riester-Rente. Die Deka-Bank will sich laut einem Bericht des Finanzmagazins Capital aus dem Riester-Geschäft zurückziehen. Demnach werde Deka Investments zum 1. November 2021 ihre Vertriebsunterstützung von zwei Riester-Fondssparplänen einstellen. Für das Riester-Produkt Deka-Bonusrente war bereits 2017 das Neugeschäft eingestellt worden.

Allerdings stelle die Deka ihr Riester-Angebot nicht komplett ein, wird es jedoch nicht mehr bewerben. Um die Produkte für den Vertrieb zusätzlich unattraktiv zu machen, setzt die Fondstochter der Sparkassen den Ausgabeaufschlag für beide Fondssparpläne zum 1. November auf null Prozent von bisher 1,5 Prozent (Zukunftsplan Classic) respektive 3,5 Prozent (Bonusrente), berichtet das Finanzmagazin weiter. Für die 710.000 Bestandskunden werden die Produkte aber weitergeführt – allerdings ohne Ausgabeaufschlag.

Zuvor haben bereits auch andere Finanzunternehmen ihr Geschäft mit Riester aufgegeben. So hatte die Deutsche Bank-Tochter DWS bereits im Juli 2021 das Riester-Neugeschäft eingestellt und bietet nur noch Produkte ohne Beitragsgarantie an. Union Investment verlängert die Mindestlaufzeit der Verträge. Zudem haben sich auch einige Versicherer wie die LVM aus dem Riester-Geschäft zurückgezogen.

Politisch findet das Rentenprodukt praktisch schon seit längerem keine Unterstützung mehr. Mit der CDU/CSU hatte sich erst im Juni 2021 die nächste Partei von der Riester-Rente verabschiedet. Ein wenig Hoffnung hatte jüngst allerdings noch BVK-Präsident Michael H. Heinz. Er setzt auf die Behäbigkeit der Politiker. „In der Tat sieht die Unterstützung im politischen Umfeld für die Riester-Rente nicht gut aus, wenn selbst das CDU/CSU-Wahlprogramm die Riester-Rente durch ein Standardprodukt ersetzen will“, erklärt er. Ob die Riester-Rente deshalb Geschichte sein wird, sei aber nicht ausgemacht, „weil nicht alle in einem Wahlprogramm gesetzten Ziele in einer Legislaturperiode umgesetzt werden“. Heinz verweist damit auf die politisch vorgesehene, aber letztlich nicht umgesetzte Rentenreform.

Norman Wirth, Rechtsanwalt und Vorstand des AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V, sieht das Riester-Ende gekommen. „Wenn sich hier nicht noch Vernunft durchsetzt, dann wäre Riester wohl Geschichte.“ Der Gesetzgeber müsse dafür “gar nicht mehr viel machen, denn weder wurde das Zulagenverfahren entbürokratisiert noch das Produkt für weitere Berufsgruppen geöffnet. „Bekommen haben wir so ein Beibehalten der vollständigen Beitragsgarantie der Riester-Produkte, was sich im Umfeld anhaltender Niedrigzinsen auf Dauer nicht mehr darstellen lässt“, erklärt Wirth.

Weniger emotional, fast stoisch, kommentieren die Versicherer das Geschehen. „Die Riester-Rente ist aus unserer Sicht reformbedürftig, aber sie ist reformierbar. Dazu haben wir konkrete Vorschläge gemacht […]“, erklärt jüngst GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen: „Die Riester-Rente ist und bleibe ein attraktives Produkt der privaten Altersvorsorge – besonders für Familien mit Kindern und Menschen mit niedrigen Einkommen.“

Geht es nach dem Willen der (womöglich) künftigen Ampelkoalition in Berlin, soll die private Altersvorsorge grundlegend reformiert werden. Dafür wollen die Parteien einen öffentlichen Fonds mit kostengünstigem Angebot prüfen. Außerdem wollen sie prüfen, inwiefern sich private Anlageprodukte mit höheren Renditen als bei der Riester-Rente für die staatliche Förderung anerkennen lassen. Beim BVK und dem Votum-Verband stoßen die Pläne hingegen bereits auf Kritik.

„Die geplante Prüfung der Einrichtung eines Staatsfonds in der betrieblichen Altersvorsorge gibt Anlass zu Kritik. Die private Altersvorsorge sollte staatsfern und privat bleiben. Den Bürgern muss bewusst sein, dass der Staat die angesparten Vorsorgevermögen auch zweckentfremden könnte. Das haben die Beispiele Spanien und Irland in der Finanzkrise gezeigt. Hier gilt es, die Politik weiterhin wachzurütteln und aktiv daran zu arbeiten, dass die Prüfung zu einer Ablehnung der Umsetzungspläne führt“, konstatierte jüngst Votum-Vorstandschef Martin Klein.

Und BVK-Präsident Heinz ergänzt: „Die Ampelkoalition sollte jedoch bei aller Tatkraft nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und die Altersvorsorge für alle standardisieren. Denn die Lebenslagen von Menschen in unserem Land sind zu individualisiert, als dass man allen mit einem Einheitsprodukt gerecht wird. Hier bedarf es flexibler Angebote, für die eine Beratung durch Versicherungsvermittler zentral ist. Daher vermissen wir auch Aussagen zur sozialpolitischen Bedeutung unseres Berufsstands.“

Autor: VW-Redaktion

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