Analyse: Folgen der Pandemie für Versicherer nicht existenzbedrohend

Digitalisierung und Disruption. Bild von Pete Linforth auf Pixabay

Die Corona-Pandemie hinterlässt tiefe Spuren in den Geschäftsbilanzen der Versicherer. So geht die Managementberatung zeb davon aus, dass die Gewinne der Versicherungsbranche in diesem Jahr um 30 Prozent zurückgehen werden und sich auch das Wachstum abschwächen wird. Dennoch sei die Krise bisher nicht existenzbedrohend für die Branche.

Nach Ansicht der Analysten liege dies vor allem an der guten, eigenkapitalstarken Verfassung, in der sich Europas Versicherer vor dem Ausbruch der Pandemie befunden haben. So zeige eine Analyse der Halbjahresberichte der fünf größten europäischen Versicherer beispielhaft, wie COVID-19 inzwischen der gesamten Branche zusetzt. Sowohl im Bereich der Lebensversicherung (minus 13 Prozent) als auch im Bereich der Schaden-/Unfallversicherung (minus 36 Prozent) sind die operativen Ergebnisse deutlich geschrumpft.

“Die europäischen Versicherer spüren die Auswirkungen der Pandemie. Existenzbedrohend ist sie aber nicht. Das liegt auch am Erfolgsjahr 2019. Die Krise hat die Versicherer insgesamt gut aufgestellt getroffen.”

Jan Hendrik Sohl, zeb-Partner

Allerdings verzeichneten die zeb-Experten bei der Prämienentwicklung der fünf größten Versicherer Europas eine uneinheitliche Entwicklung der Prämieneinnahmen. Demnach sei der Bereich Lebensversicherungen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um zwei Prozent gesunken, der Bereich Schaden-/Unfallversicherung dagegen um zwei Prozent gewachsen. Unter dem Strich sind die Prämieneinnahmen laut Analyse im ersten Halbjahr 2020 stagniert.

“Alle Produkte und Kundenservices eines Versicherers sollten von Kunden persönlich und digital ohne Beteiligung einer vermittelnden Person abgeschlossen bzw. in Anspruch genommen werden können. Hier anzusetzen, wird in den nächsten Monaten eine der zentralen Aufgabenstellungen der Versicherungswirtschaft sein.”

Dieter Kipp, zeb-Partner

Allerdings geht zeb auch davon aus, dass ohne digitale Vertriebskanäle zukünftig kein Wachstum mehr zu generieren sei. Bereits vor der Krise stand die Digitalisierung des Vertriebs oben auf der Agenda der Versicherungswirtschaft. Dieser Trend hat sich durch COVID-19 radikal und unumkehrbar beschleunigt, heißt es weiter. Hätten die Versicherer bis Anfang 2020 noch über traditionelle Vertriebswege zulegen können, sei das seit COVID-19 nicht mehr möglich. Funktionierende digitale Vertriebskanäle würden damit zur Grundvoraussetzung für zukünftiges Wachstum.

Immerhin rechnet eine große Mehrheit der Versicherungsmitarbeiter (86 Prozent) bereits mit einem zusätzlichen Digitalisierungsschub durch die Corona-Krise. Nur eine relativ kleine Minderheit von 17 Prozent der Führungskräfte sehen dadurch das “klassische” Versicherungsgeschäft in Gefahr.

Allerdings scheint die Digitalisierung für viele Vermittler noch immer eine große Herausforderung zu sein. Laut aktuellem Stimmungsbarometer der LV1871 stuft nur etwa ein Drittel der befragten Vermittler das eigene Geschäftsmodell als digitalisiert ein.

Link: Die vollständige zeb-Studie.

Autor: VW-Redaktion

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