Bayerische-Vorstandsvorsitzender Schneidemann kritisiert BU-Wettbewerb als „Rattenrennen“

Herbert Schneidemann, Bayerische, Quelle: Bayerische

Keine Effizienz? Vergleicher und Rater forcieren den Wettbewerb in der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) derart, dass es nach den Worten von Dr. Herbert Schneidemann inzwischen zu einem „Rattenrennen“ kommt, bei dem der Markt nicht effektiv genug bearbeitet wird. Er sieht auch ein Szenario, in dem die Versicherer als Risikopartner obsolet werden.

 „Dass eine Tarifgeneration einige Jahre läuft, funktioniert längst nicht mehr, es gibt ein ständiges Optimieren“, sagte der Vorstandschef der Versicherungsgruppe die Bayerische, Schneidemann, auf der Konferenz Aktuelle Entwicklungen in der Lebensversicherung des Instituts für Versicherungswissenschaften e.V. an der Universität Leipzig. Den eigenen Tarif habe man allein in den letzten drei Monaten mit acht Features überarbeitet.

Die Notwendigkeit des BU-Schutzes werde selbst von Verbraucherschützern nicht bestritten. Trotzdem seien marktweit nur 25,6 Prozent der Haushalte versichert. 54,1 Prozent der Paare mit Kind hätten sich abgesichert, aber nur 14,9 Prozent der Singles. Bei den günstigen Berufsgruppen sei die Versicherungsdurchdringung hoch. Hier werde auch viel umgedeckt, so Schneidemann. Der Grund sei die permanente Verbesserung der Bedingungen, so dass nach Ablauf der Stornohaftungszeit der Vermittler „einen neuen Tarif verkaufe“.

Zu wenig Differenzierung in der BU?

Um auch risikoreicherer Berufsgruppen versicherbar zu machen, benötige man schon eine große Marktmacht, so Schneidemann. Denn das Hauptproblem sind die Vergleicher und Rater. Sobald man sich mit seinem Produkt zu sehr abhebe, passe man nicht mehr in deren Bewertungsmuster. „Dann taucht man dort nicht mehr auf und in der Folge nehmen die Makler aus Haftungsgrund einen aus ihrem Verkauf“, so der Bayerische-Chef. Er stellt vor, dass die Versicherbarkeit sich für schwierige Kundengruppe dadurch erweitern lasse, dass nicht auf den Beruf, sondern die Tätigkeit abgestellt werde.

Risikotechnisch mache es einen Unterschied, ob die belastete „Schlecker-Verkäuferin“ oder eine Verkäuferin in einer Parfümerie versichert werde. Dies zeige sich aber in der Einteilung „Einzelhandel“ nicht. Potenzial für die Branche sieht er zudem in der Entwicklung hin zum datenbasierten Versicherer. Als Risikopartner des Kunden könne Versichern „vielleicht sogar überflüssig“ werden.

Autor: Monika Lier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

17 + 11 =