Steuerabteilungen werden in der Branche wertvoller

Steuerabteilungen bei Versicherern sind Alleskönner. Bild von Steve Buissinne auf Pixabay.

Steuern und Versicherungen sind langweilig; folglich muss eine Verbindung der Themen peinigend öde sein. Falsch, das Thema ist genauso vielschichtig wie die Aufgaben, Ausstattung und der Digitalisierungsgrad der Fachabteilungen, wie eine Untersuchung von PWC zeigt.  

Neben ihren eigentlichen Aufgaben – u.a. Steuererklärungen, -reportings, und -bilanzen –  sind die Experten vielseitig beschäftigt. Sie lassen ihre Expertise in andere operative Geschäftsprozesse einfließen. Besonders häufig ist dies bei der Gründung von Betriebsstätten und Tochtergesellschaften, M&A Transaktionen und Kapitalanlageentscheidungen der Fall. Das zeigt eine PwC-Umfrage unter etwa 100 deutschen Versicherern.

Die personelle Ausstattung in den Steuerabteilungen variiert mitunter stark. Während bei börsennotierten und international tätigen Versicherern durchschnittlich rund 27 Mitarbeiter mit steuerlichen Aufgaben betraut sind, sind es bei lokal verankerten Unternehmen nur zwei bis drei Mitarbeiter.

Governance-Aufgaben nehmen zu

In den letzten Jahren hatten die Steuerabteilungen immer häufiger auch mit Projekten aus den Bereichen der Governance und mit Regulierungsfragen zu tun. Die Beschäftigung mit diesen Bereichen, die nicht nur steuerfachliche, sondern auch prozessuale Fachkenntnisse voraussetzt, hat bei vielen Versicherern zum Einsatz sogenannter Tax Compliance Management Systeme (Tax-CMS) geführt. Mit ihnen lassen sich laut PWC grundlegende prozessuale Rahmenbedingungen und eine dokumentierte Steuerstrategie festlegen. Nur circa elf Prozent der befragten Versicherungen nutzen entsprechende Compliance Systeme bisher noch nicht.

Till Hannig, PwC-Experte und Autor der Studie: “In der Versicherungswirtschaft hat sich das Tax-CMS zu einem Marktstandard entwickelt. Eine flächendeckende Zertifizierung der eingerichteten Tax-CMS ist zwar noch nicht erfolgt. Die Anzahl der zertifizierten Unternehmen dürfte jedoch künftig stark zunehmen.“ So befänden sich derzeit noch fast 50 Prozent der Versicherer in der Implementierungs- oder Planungsphase und könnten den Schritt zur Zertifizierung bereits in naher Zukunft machen.

Steuerabteilungen werden digitaler

Die Digitalisierung ist auch bei der Steuer omnipräsent. So verfügen knapp 27 Prozent der befragten Versicherungen bereits über einen „digitalen Fahrplan“, weitere 19 Prozent befinden sich in diesem Zusammenhang noch in der konkreten Planung. Im Mittelpunkt der Bestrebungen stehen hier Prozesse wie Steuerberechnungen, Quartalsabschlüsse oder Steuerdeklaration im Bereich der operativen Steuern. Um diese Prozesse stärker zu automatisieren, greifen die Unternehmen auf eine „Fülle verschiedener Technologien und Tools“ zurück. Dabei kommen neben den am Markt bekannten Anbietern auch eigens programmierte Tools und Software von kleineren IT-Dienstleistern zur Anwendung.

 „Das Thema Digitalisierung ist allgegenwärtig: Auch in den Steuerabteilungen der Versicherungswirtschaft beschäftigt man sich intensiv damit. Die Tools sind dabei sehr unterschiedlich und es besteht eine bunte IT-Systemlandschaft“, erklärt Hanning.

Steuertransparenz als Thema

Die zunehmende Aufgabenvielfalt ist ein Trend, der sich „wahrscheinlich fortsetzen wird“. Kommende Entwicklungen liegen laut Studie in den Bereichen der Steuertransparenz und der Nachhaltigkeit. Ein Indiz dafür ist die Publikation sogenannter Tax Transparency Reports, die derzeit von vier der befragten Versicherer veröffentlicht und von drei weiteren geplant werden. Die Berichte werden freiwillig angefertigt und stellen steuerliche Informationen bereit, die über das gesetzlich verpflichtende Maß hinausgehen etwa im Rahmen der nichtfinanziellen Berichterstattung. Bisher handelte es sich bei den publizierenden Unternehmen allerdings ausschließlich um größere, international tätige und kapitalmarktorientierte Versicherungsgruppen. Grundsätzlich dürfte es aufgrund der gesellschaftlichen Relevanz des Themas aber auch für andere Unternehmen interessant sein, Stakeholder regelmäßig über steuerliche und Nachhaltigkeitsaktivitäten zu informieren.

Autor: VW-Redaktion

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