PKV-Verband: Deutsches duales Gesundheitssystem fängt Corona-Epidemie auf

PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. Quelle: epo

Das deutsche duale Gesundheitssystem mit seiner flächendeckenden ambulanten Versorgung hat sich nach Einschätzung des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) angesichts der aktuellen Corona-Pandemie im weltweiten Vergleich als hervorragend aufgestellt erwiesen.

Die gute ambulante Versorgung hätte dazu beigetragen, dass viele Corona-Infizierte (80 Prozent) nicht stationär ins Krankenhaus hätten aufgenommen werden müssen, sagte gestern PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. Eine Vergleichsanalyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) für Europa zeigt, dass Deutschland neben Österreich überaus erfolgreich gegen die Corona-Auswirkungen gewappnet war.

Reuther sagte auf der Online-Pressekonferenz, das Corona-Virus sei in Deutschland auf eines der besten Gesundheitswesen in der Welt getroffen. Auch würden jüngste Meinungsfragen belegen, dass 89 Prozent der Menschen das duale Gesundheitssystem von privater Krankenversicherung und gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) mit gut oder sehr gut bewerten würden. WIP-Institutsleiter Frank Wild verwies auf europaweite Untersuchungsergebnisse in Bezug auf Corona-Erkrankungen und Sterbefälle je eine Million Einwohner, bei denen Deutschland unterdurchschnittliche Fallzahlen aufgewiesen habe.

„Die Unternehmen der Privaten Krankenversicherung stehen zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und leisten zur Bewältigung der Coronakrise sogar höhere Zahlungen an das Gesundheitssystem, als es ihrem zehnprozentigen Versichertenanteil im Vergleich zur Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) entspricht. Einzelne Vorwürfe, die PKV beteilige sich zu wenig an den Corona-Kosten, weise ich mit aller Entschiedenheit zurück – sie sind nachweisbar unberechtigt.“

Florian Reuther, Direktor des PKV-Verbandes

Finanzielle Corona-Auswirkungen auf die PKV noch offen

Wie sich die Corona-Pandemie auf die Einnahmen- und Ausgabenentwicklung der PKV letztlich auswirken wird, könne man erst am Ende des Jahres feststellen, sagte Reuther unter Hinweis auf die üblichen zeitlichen Verzögerungen bei den Leistungsabrechnungen. Im ersten Halbjahr 2020 seien die Ausgaben um 690 Mio. Euro oder fünf Prozent auf 14,34 Mrd. Euro gestiegen. Die Einnahmen im Halbjahr seien um gut vier Prozent gewachsen. Wie das Neugeschäft derzeit in der Krankenvollversicherung laufe, könne er nicht sagen.

Quelle: PKV-Verband

Fakt sei aber, dass der Vertrieb wegen Corona weniger persönliche Kontakte habe. Nach Einschätzung des PKV-Verbands leistet die private Krankenversicherung in Corona-Zeiten einen deutlich höheren Beitrag als es dem Zehn-Prozent-Anteil an allen Krankenversicherten entsprechen würde. Für den Zeitraum April bis September schätzte der PKV-Verband die zusätzlichen Corona-bedingten Ausgaben auf über eine Milliarden Euro.

Reuther sicherte zu, dass die PKV die Corona-Impfkosten übernehmen werde, wenn das Robert Koch Institut (RKI) bei Vorliegen eines Impfstoffs eine entsprechende Empfehlung zur Verwendung aussprechen sollte. Zu der gestern in Berlin bekanntgewordene Erklärung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und dem GKV-Spitzenverband zur Zahlung eine Corona-Prämie an Pflegekräfte in Krankenhäusern sagte Reuther, eine Beteiligung auch der PKV sei noch offen. Ziel müsse aber sein, dass Prämien nur an mit Corona-Infizierten tätige Pflegekräfte geleistet würden.

Autor: Manfred Brüss

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