Börsengang von Ant Financial Service macht Mitarbeiter zu Dollar-Millionären

Hauptquartier von Alibaba in der ost-chinesischen Stadt Hangzhou. Ant Group ist dessen Tochterunternehmen. Quelle: hy

Vor kurzem hat Ant Financial Service (Ant Group), eine Finanzdienstleister-Tochter von Alibaba, angekündigt, an die Börse gehen zu wollen. Geplant ist eine gleichzeitige Notierung an der chinesischen “NASDAQ” SSE Star Market in Schanghai und Hongkonger Börse. Für die Vorbereitung für den IPO wurden unter anderem die Citi Bank, Morgan Stanly und JP Morgan beauftragt.

Es ist offenbar der erste Schritt eines umfassenden Plans für eine stärkere Internationalisierung. Der Chef von Ant Financial Service gab an in einer Mitteilung an, dass der geplante Börsengang die Transparenz des Unternehmens fördert und dadurch mehr internationale “Genossen” für Innovation ansprechen kann, um zu gewährleisten, dass “das Unternehmen noch hunderte Jahre überleben kann”.

Neben dem bekanntesten Bezahlungsdienst Alipay ist die Ant Group auch stark in der Versicherungsbranche engagiert. Die Liste ist lang: Ant Group hat nicht nur zwei Versicherungsmaklerfirmen, die zu 100 Prozent in eigenem Besitz sind. Sie ist auch an mehreren chinesischen Versicherungen beteiligt. Jedoch fikussiert sich das Unternehmen vor allem auf die technologischen Dienstleistungen für Versicherungsgesellschaften.

Mehr als 80 Versicherungsunternehmen stellt Ant Group die auf KI basierte Schadensregulierungstechnik, die Big-Data-gestützte Prämienkalkulationssystem und Betrugserkennungssystem zur Verfügung. Das größte Feld für technologische Experimente ist in der Tat der Online-Versicherer Zhong An in Schanghai, den Ant Group mitgegründet hat.

Besonders an dem Fintech ist, dass man nicht nur auf Kundenwunsch die entsprechende liefert, man mischt sich aktiv in führender Rolle stark in die Veränderungen in der Versicherung ein. Beispielsweise hat Ant Group vor Jahren durch Datenanalyse erkannt, dass Kfz-Schäden nicht wie bisher meistens angenommen überwiegend im Zusammenhang mit Kfz-Modellen stehen.

Man findet heraus, dass die Häufigkeit und Höhe von Kfz-Schäden eher mit menschlichen Merkmalen zu tun haben, wie zum Beispiel berufsbasierte und Soziale-Rollen-basierte Risikobereitschaften, Kreditwürdigkeit, Konsumverhalten, Fahrverhalten. Aufgrund dieser Merkmale hat Ant Group ca. 500 Kriterien zur Beurteilung der Risikoklasse von Kfz-Fahrern aufgestellt, um die entsprechenden Prämien festlegen zu können. Davon profitieren bereits zahlreiche chinesische Kfz-Versicherer.

Eine stärkere Internationalisierung steht seit letzten Jahren verstärkt auf der Agenda von Ant Group. Bislang hat man bereits in zehn asiatischen Ländern mit dortigen Finanzdienstleistern Kooperationen oder an Unternehmen in den Ländern direkte Beteiligungen. Das Engagement in westlichen Ländern scheint schwierig zu sein. Bereits 2017 plante das Technologieunternehmen aus chinesischem Hangzhou, den US-amerikanischen Bezahldienst MoneyGram für 1,2 Mrd. US-Dollar zu übernehmen.

Jedoch scheiterte das Vorhaben am Veto der US-amerikanischen Finanzaufsicht, der Grund: Die Übernahme könne nationale Sicherheit der USA gefährden. Am Ende musste Ant Group auch noch Strafzahlungen von 30 Mio. Dollar an MoneyGram wegen Nichterfüllung des Übernahme-Vertrags zahlen. Dass der geplante Börsengang nur in Schanghai und Hongkong vorgesehen ist, passt nun genau der Strategie der Regierung zur Verstärkung der inländischen Finanzplätze.

In 2019 soll die Gruppe einen Umsatz von umgerechnet 14,6 Mrd. Euro und einen Gewinn in Höhe von zwei Mrd. Euro erwirtschaftet haben. Berichten zufolge bewertet Ant Group selbst ihren Marktwert derzeit mit ca. 200 Mrd. Dollar. 40 Prozent der Anteile befinden sich angeblich bislang in Händen von Mitarbeitern. Möglicherweise werden tausende Mitarbeiter zu neuen Dollar Millionären durch einen erfolgreichen Börsengang gemacht werden. Chinesische Sozialmedien berichten, dass auf jedem Stockwerk des Unternehmens in diesen Tagen regelrecht helle Aufregungen unter Mitarbeitern herrschen.

Autor: Heng Yan

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