„Keine angemessene Rendite“: Verbraucherschützer raten von Lebensversicherungen ab

Harry Strauss auf Pixabay

Die Lebensversicherung steht unter Dauerbeschuss. Nun raten die Verbraucherschützer erneut von einem Abschluss entsprechender Policen ab. „Die Kosten von Renten- und Lebensversicherungen – egal ob staatlich gefördert oder nicht – sind so hoch, dass für Verbraucher keine angemessene Rendite zu erwarten ist“, warnt Niels Nauhauser, Abteilungsleiter Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Dabei gehe es nach Ansicht des Verbraucherschützers nicht nur um die Abschlussprovision. Auch während der Vertragslaufzeit ginge „ein erheblicher Teil“ des Beitrags zur Deckung der Kosten ab. „Wenn aber das Versicherungsunternehmen im Niedrigzinsumfeld kaum mehr etwas verdient, bleibt nach Abzug der Kosten für den Kunden nicht mehr viel übrig“, so Nauhauser gegenüber der Stuttgarter Zeitung.

Gleichzeitig forderte er „ein Standardprodukt für die Altersvorsorge, mit dem Verbraucher an der Kapitalmarktentwicklung partizipieren können, ohne dass die Erträge durch horrenden Kosten aufgefressen werden. Eine Reform der Riester-Rente, wie sie die Finanzlobby ins Spiel gebracht hat, würde nur ein Mehr an staatlichen Subventionen für die Finanzlobby bedeuten und ist für Verbraucher keine Lösung“, so Nauhauser.

Auch Finanztip-Chefrdakteur Hermann-Josef Tenhagen betonte, dass sich eine Lebensversicherung ohne staatliche Förderung wie Riester oder ohne eine betriebliche Förderung für die Altersvorsorge heute nicht lohne. „Das wird durch die Absenkung des Garantiezinses nicht besser. Die Kosten sind zu hoch und falsch verteilt“, wird er zitiert.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wollte sich auf Anfrage von VWheute nicht kommentieren.

Bundesbürger sind unsicher bei der Altersvorsorge

Laut einer aktuellen Umfrage von Clark zählt die Altersvorsorge bei den Deutschen weiterhin nicht zu den wichtigsten Themen. Demnach habe insgesamt jeder Dritte (31 Prozent) über 18 Jahren hierzulande noch keine ausreichenden Maßnahmen getroffen, um für das Alter vorzusorgen. Jeder Zehnte (elf Prozent) hat schlicht keine Lust, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dem gegenüber steht ebenfalls ein Drittel (34 Prozent), das bereits ausreichend vorgesorgt hat oder weiß, welche Maßnahmen noch zur Rentenplanung ergriffen werden müssen.

Unterschiede gibt es zwischen Männern und Frauen: Während 26 Prozent der Männer ausreichend vorgesorgt haben, sind es bei den Frauen lediglich 18 Prozent. Sie fühlen sich auch eher (neun Prozent) mit der Rentenplanung überfordert als Männer (vier Prozent). Zudem scheint die umfassende Rentenplanung generell erst in der zweiten Lebenshälfte zu erfolgen: Je älter die Befragten, desto eher haben sie bereits vorgesorgt. Nur zwei Prozent der 18- bis 24-Jährigen, zehn Prozent der 25- bis 34-Jährigen und elf Prozent der 34- bis 44-Jährigen sagt, genügend vorgesorgt zu haben. Bei den 45- bis 54-Jährigen kann dies ein Viertel (24 Prozent) und bei den über 55-Jährigen fast ein Drittel behaupten.

„Viele Deutsche setzen sich nur ungenügend oder zu spät mit ihrer Altersvorsorge auseinander. Fakt ist: Die gesetzliche Rente wird den Wenigsten für ein gutes Auskommen im Alter reichen. Wer wirksam vorsorgen will, muss sich ausreichend informieren und seine Entscheidungen gut vorbereiten“, erklärt Marco Adelt, Co-Gründer von Clark.

Autor: VW-Redaktion