„Ich halte Joachim Wenning für einen hervorragenden Kandidaten“: Munich-Re-Aufsichtsratschef von Bomhard wünscht sich Ex-CEO als Nachfolger

Ehemaliger Munich Re-Chef Joachim Wenning. Bildquelle: Munich Re

Der amtierende Aufsichtsratsvorsitzende der Munich Re, Nikolaus von Bomhard, strebt eine frühzeitige Weichenstellung für seine Nachfolge an und wirbt für den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Joachim Wenning als künftigen Chefkontrolleur. Obwohl von Bomhards Mandat erst in zwei Jahren endet, begründet er den Vorstoß gegenüber dem Handelsblatt mit der schwierigen Suche nach qualifizierten Kandidaten.

„Ich halte Joachim Wenning für einen hervorragenden Kandidaten, er bringt alles mit, was diese Aufgabe erfordert“, so von Bomhard. Wenning war Ende 2025 nach fast neun Jahren an der Konzernspitze ausgeschieden, nachdem er das Jahresergebnis zuletzt auf über sechs Milliarden Euro gesteigert hatte.

Eine Rückkehr in das Gremium wäre nach der gesetzlichen zweijährigen Abkühlungsphase zur Hauptversammlung 2028 möglich. Bekannte Kritiker wie der Stimmrechtsberater ISS warnen vor strukturellen Kontrollproblemen und einer Schwächung der unabhängigen Überwachung, wenn ein ehemaliger CEO in dieser Funktion faktisch sein eigenes Erbe kontrolliere.

Von Bomhard schätzt die aktuelle Zustimmung für Wenning unter den Aktionären auf lediglich rund 60 Prozent, was er für ein Unternehmen wie die Munich Re als unzureichend einstuft. Er selbst hatte 2024 nach einer negativen ISS-Empfehlung nur 70 Prozent der Stimmen erhalten.

Auf der anstehenden Hauptversammlung am 29. April plant von Bomhard, aktiv für Wenning zu werben. Er argumentiert mit der notwendigen Innenansicht des komplexen Rückversicherungsgeschäfts: „Der Aufsichtsrat der Munich Re benötigt dringend immer mindestens ein Mitglied, das das Geschäft und das Unternehmen von innen sehr gut kennt und damit versteht. Nur so kann man eine angemessene Kontrolle des Vorstands sicherstellen“, sagt er der Zeitung.

Von Bomhard verweist zudem auf den Mangel an externen Alternativen, da Experten von direkten Konkurrenten aufgrund von Interessenkonflikten nicht infrage kämen: „Wir können uns nicht vorstellen, dass ein ehemaliges Mitglied der Geschäftsführung eines Konkurrenten in der Rückversicherung den Vorsitz im Aufsichtsrat übernimmt. Dementsprechend übernehmen auch unsere ehemaligen Vorstandsmitglieder keine Aufsichtsratsmandate bei gewichtigen Konkurrenten.“

In der Investorenschaft ist die fachliche Expertise Wennings zwar unumstritten, die angedachte Positionsmacht hingegen nicht. Andreas Thomae von Deka Investment betont, dass man gegen eine Rückkehr Wennings als einfaches Aufsichtsratsmitglied nichts einzuwenden habe, er solle jedoch „nicht den Posten des Aufsichtsratschefs übernehmen“.

Von Bomhard seinerseits tritt Befürchtungen einer zu starken Dominanz eines Ex-CEOs entgegen und verweist auf die im Gremium verankerte gegenseitige Kontrolle. „Mit Blick auf die Persönlichkeiten, die in unserem Aufsichtsrat sitzen, hat ein Vorsitzender des Gremiums – und ich spreche aus persönlicher Erfahrung – keine Möglichkeit, anliegende Fragen einfach so in seinem Sinne zu regeln“, so der Aufsichtsratsvorsitzende.

Autor: VW-Redaktion